Dr. Rolf Weigand
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Friedel, Sie haben gesagt, es war ein Fehler, vor zehn Jahren die falschen Prognosen zu machen. 2010 gab es schon einmal eine Überarbeitung der Schulnetzpläne. Ich denke, es wurde gerade in den Landkreisen ein riesengroßer Fehler gemacht, weil die Geburtenzahlen anders waren, als Sie es gesagt haben. Die Geburtenzahlen waren damals schon hoch. Man hätte es eigentlich sehen müssen, wenn man sich die Zahlen derer angeschaut hätte, die in den Jahren vor 2010 geboren wurden. Was hat man gemacht? – Man hat flächendeckend die Oberschulen geschlossen. (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) Im ländlichen Raum wurden die Oberschulen oft zu Grundschulen umgebaut, sodass uns jetzt die Reaktivierung schwerfällt, die wir eigentlich bräuchten, weil wir hohe Schülerzahlen haben. Wir wollen es für junge Familien attraktiv machen, in den ländlichen Raum zu kommen, indem wir ihnen sagen: Hier gibt es auch Oberschulen. Hier geht es nach der Grundschule weiter. – Das ist uns verwehrt worden. Das ist ein großer Fehler der CDU gewesen. Sie haben gerade etwas zur Schülerprognose gesagt; das stimmt, wir werden in den nächsten Jahren mehr Schüler in Sachsen haben. Auf den Bereich der Berufsschulen wird die Kollegin Romy Penz eingehen. Aber bleiben wir bei den allgemeinbildenden Schulen: Die stellen uns vor Herausforderungen. Wir brauchen dann mehr Lehrer, weil es mehr Schüler gibt. Schauen wir uns die Altersstruktur der Lehrer an: 50 % der Lehrer gehen in den nächsten zehn bis 15 Jahren in Rente. Wir werden dann nicht nur neue Lehrer einstellen müssen, um den Bedarf der neuen Schülerzahlen zu decken, sondern wir werden mehr Lehrer einstellen müssen, um überhaupt noch Schule in Sachsen anbieten zu können. In der Grundschule sind 47 % der Lehrer in dem Altersbereich, dass sie in den nächsten zehn bis 15 Jahren in Rente gehen. In der Oberschule sind es sogar 60 %. Das wird eine riesengroße Herausforderung werden. Wir haben jetzt schon Oberschulen wie in Cossebaude, in der zum Beispiel in diesem Schuljahr 39 % des Biologieunterrichts ausgefallen sind. Man kann gut und gerne sagen: Die Schüler brauchen sich keine Gedanken über ein soziales Geschlecht zu machen, weil sie nicht wissen, was überhaupt ein biologisches Geschlecht ist, meine Damen und Herren. (Heiterkeit und Beifall bei der AfD) Die große Herausforderung, die wir haben – das haben Sie gesagt –, ist: Wir müssen die Lehrer hier halten. Wo liegen die aktuellen Probleme? Ein Großteil der Lehrer, die wir in Leipzig und Dresden ausbilden, wollen in Leipzig und Dresden bleiben. 70 % der Lehrer in Sachsen geben an: Ich möchte gern in Leipzig oder Dresden eingesetzt werden. – Da müssen wir ran. Wir müssen endlich in der Fläche ausbilden, nicht nur kleckerweise, sondern dort müssen wir groß heran, und wir müssen an die Ausbildung an sich heran. Die Studienplätze wurden in den letzten Jahren von 2 400 auf 2 800 erhöht. Es braucht aber nicht nur mehr Quantität, es braucht auch mehr Qualität; denn wenn immer noch 40 % der Studenten ihr Studium abbrechen, ist das zu viel. Wir haben bereits 2019 Eignungstests für das Studium gefordert, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern – übrigens unter roter Regierung – durchgeführt werden. Führen Sie das auch in Sachsen ein, dann werden wir in der Tat in den nächsten Jahren mehr Lehrer herausbekommen. Oder, um es mit einem alten Schlagwort aus Freiberg zu sagen: „Klasse statt Masse“. Wenn man sich die Oberschulen anschaut: Uns fehlen in Sachsen dort bereits jetzt 200 Stellen. Schaut man in das Landesamt für Schule und Bildung, hat man 450 vollzeitbeschäftigte Lehrer. Man sollte in der Übergangsphase darüber nachdenken, den einen oder anderen aus dem Schulamt wieder ins Land hinaus abzuordnen, oder einfach sagen: Raus aus dem warmen Schulamt, dorthin, wo du gebraucht wirst, nämlich in der Schule, um dem Unterrichtsausfall entgegenzuwirken! Eine weitere Sache ist uns wichtig, die Autorität des Lehrers zu stärken. Wir haben zunehmend mehr Helikopter-Eltern oder Klage-Eltern, die sofort, wenn ein Lehrer durchgreift, beim Schulamt anrufen und sagen: Das ist ungerecht, was man mit den Schülern macht. Von den 31 000 Lehrern in Sachsen sind 40 % in Teilzeit tätig. Stellen Sie sich stärker vor Ihre Lehrer und beenden Sie die bedingungslose Inklusion. Auch das ist gerade an den Oberschulen ein riesengroßes Problem, warum die Lehrer nicht dahin gehen. An den Förderschulen fehlen uns schon jetzt 220 Vollzeitstellen. Wir haben aber gleichzeitig 100 Lehrer an andere Schulen, an Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien abgeordnet. Fahren Sie das ein Stück weit zurück; denn damit würden wir es schaffen, die Förderschulen zu stärken. Ein letzter Punkt, auf den ich in der ersten Runde eingehen will, ist die Einführung einer Landlehrerquote analog zur Landarztquote, sodass wir für die Lehrer, die sich gezielt für die Bedarfsregionen entscheiden, Studienplätze einräumen, besonders in den notwendigen Fächern, besonders im Bereich der Sonderpädagogik für die Förderschulen. Dort werden die Lehrer in Sachsen gebraucht. Deshalb werden wir uns mit einem eigenen Antrag für eine Landlehrerquote einsetzen. Wie wir es zukünftig schaffen, junge Menschen wieder in den ländlichen Raum zu bekommen, damit dort der Abbruch der Schülerzahlen nicht stattfindet, sage ich Ihnen in der dritten Runde. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
