landtag.sachsen.de ↗

Sabine Friedel

SPD 18.11.2021 Sitzungen 7/38

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es erscheint als schwieriger Übergang, vom Thema Corona auf der einen Seite zum Thema Schülerzahlenprognose auf der anderen Seite zu kommen; aber ich glaube, die beiden Themen haben etwas miteinander gemein: Sie erfordern langfristiges, vorausschauendes und planendes Handeln. Ich denke, es ist deutlich geworden, dass wir in den letzten Monaten im Fall der Corona-Pandemie Verbesserungsbedarf hatten, was das langfristige und vorausschauende Handeln – nicht nur auf der systemischen, sondern auch auf der individuellen Ebene – betrifft. Wir können uns das beim Thema Schülerzahlen vornehmen, auch angesichts der Erfahrungen, die wir im Freistaat Sachsen in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Vor einer Woche hat die Kultusministerkonferenz die von allen Bundesländern zusammengetragenen Prognosen veröffentlicht und einen deutlichen Anstieg der Schülerzahlen in den nächsten Jahren prognostiziert. Das Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen hat eine Woche zuvor die 2. Regionalisierte Schüler- und Absolventenprognose vorgelegt. Diese Zahlen sind im Internet verfügbar, und jeder kann sie sich anschauen. Sie sind sehr interessant. In den nächsten drei bis vier Jahren kommen deutlich mehr Schülerinnen und Schüler als heute in die Grundschulen. Es sind circa 5 000 und damit 4 % mehr Schülerinnen und Stunde Langfristig planen, Schlussfolgerungen aus der für den Freistaat Sachsen Fraktion SPD Klares Bekenntnis zur Raums. Wir halten Wort! Fraktion CDU Wir kommen zu Debatte handeln: Schlussfolgerungen für den Freistaat Sachsen Fraktion SPD Schüler als heute an den Grundschulen. Bei den Oberschulen ist das Bild noch deutlicher. Dort erwarten wir – zwar später – 12 000 Schülerinnen und Schüler mehr; der Höhepunkt ist für das Jahr 2028 prognostiziert. An den Gymnasien werden 19 000 Schülerinnen und Schüler mehr als heute erwartet. Das sind immerhin 20 %. Wir haben eine große Herausforderung vor uns, nämlich mehr Schülerinnen und Schüler in den nächsten Jahren. Das hat unterschiedliche Folgen für den Lehrkräftebedarf. Wir brauchen kurzfristig mehr Grundschullehrkräfte. Das Kultusministerium wird seine Lehrerbedarfsprognose noch vorlegen. Aus den Zahlen kann man sich herleiten, dass – über den Daumen gepeilt – 500 bis 600 Grundschullehrkräfte in den nächsten Jahren mehr gebraucht werden und ein paar Jahre später mehr Oberschullehrkräfte und Gymnasiallehrkräfte. Die zweite Herausforderung ist: Wir brauchen mehr Lehrerstellen, mehr Lehrkräfte, aber in einem zeitlichen Versatz. Die Grundschullehrer brauchen wir zuerst, die Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen später. Es gibt eine dritte Herausforderung. Diese Prognose geht bis zum Jahr 2035, und sie sieht dann wieder ein Absinken der Schülerzahlen. In den Grundschulen ist es eher – bereits in fünf bis sechs Jahren –, in den weiterführenden Schulen in acht oder neun Jahren der Fall. Dieser dritten Herausforderung, dem Ansteigen und dem Absinken – was uns dazu bringt, das System flexibel halten zu müssen –, müssen wir uns auch stellen. Als vierte Herausforderung will ich benennen: Wir haben regional sehr unterschiedlich verteilte Prognosen. Im ländlichen Raum erleben wir, dass nach einer Stagnation oder einem ganz leichten Anstieg der Schülerzahlen diese ab dem Schuljahr 2025/2026 sinken werden. Wir erinnern uns vielleicht daran, welche fatale Schlussfolgerung vor zehn bis 15 Jahren aus sinkenden Schülerzahlen, gerade für die ländlichen Räume, gezogen worden ist. Das gilt es dieses Mal unbedingt zu vermeiden und das Schulnetz aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben wir in den urbanen Räumen – in Leipzig und Dresden – ganz andere Verhältnisse. Dort werden in den nächsten zehn Jahren die Schülerzahlen nicht sinken, sondern weiter steigen. All das ist mit einer fünften Herausforderung versehen: Das ist Unsicherheit. Mark Twain sagte so schön: „Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Mit diesen fünf Herausforderungen – mehr Schülerinnen und Schüler, ein höherer Lehrkräftebedarf, ein Ansteigen und danach Absinken, eine ungleiche Entwicklung der Städte und ländlichen Räume und die generelle Unsicherheit – werden wir umgehen müssen, wenn wir es klüger machen wollen als vor 15 Jahren. Welche Maßnahmen dafür geeignet sind und welche nicht, dazu werde ich gern in der zweiten Runde ausführen. Ich nenne schon einmal die Stichworte: Das sind jahrgangsübergreifender Unterricht, Gemeinschaftsschule und Stufenausbildung im Lehramt. Das wird Sie nicht überraschen, und ich werde Ihnen darlegen, warum diese Maßnahmen geeignet sind. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, den LINKEN und vereinzelt bei der CDU)

Alle Reden von Sabine Friedel Protokoll ↗