Antonia Mertsching
Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Es lohnt sich ein Blick über die Landesgrenze hinaus. Wir haben gerade nach Berlin und Thüringen geschaut, wo unsere gut ausgebildeten Fachkräfte eventuell hin abwandern. Jetzt schauen wir nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort gibt es seit drei Wochen ein neues Dauerwaldprogramm „Wald schafft Zukunft“. Auch wenn den meisten die sogenannte Ivenacker Erklärung wahrscheinlich eher unbekannt ist, kann sie doch für uns ein großes Vorbild sein. Diese wurde erarbeitet vom Minister für Umwelt- und Landwirtschaft, Dr. Till Backhaus, gemeinsam mit dem Bund Deutscher Forstleute. In dieser Erklärung geht es vor allen Dingen darum, den Wald im Hinblick auf die Klimawandelfolgen resilienter auszustatten, ihn also vielfältig gemischt, standortbezogen und kleinflächig bewirtschaftet aufzustellen. Dabei geht es um den natürlichen Wasserhaushalt, um die Verbesserung des Waldinnenklimas, des Waldbodenschutzes und die Waldverjüngung. Vor allen Dingen soll der Wald vermehrt werden. Wenn wir davon sprechen, dass Holz als natürlicher Baustoff für das Bauen verwendet werden soll und wir in Sachsen nur zur Hälfte unseren Holzbedarf selbst decken können, dann müssen wir vor allen Dingen dafür sorgen, mehr Bäume anzupflanzen, damit wir auch in Zukunft mehr von diesem nachhaltigen Rohstoff haben. Außerdem sollte ein Umdenken wie in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden, wo es heißt, dass die betriebswirtschaftlichen Ziele der Sicherung der Funktionsvielfalt und der ökologischen Stabilität des Waldes dienen müssen – nicht mehr die betriebswirtschaftliche Betrachtung allein, sondern die Funktionsvielfalt des Waldes insgesamt. Ich zitiere: „Für diese erheblich steigenden Anforderungen sind mehr Forstfachleute erforderlich und zu qualifizieren.“ Wir kommen also wieder auf den Punkt Personal. Das Land Mecklenburg-Vorpommern wird insbesondere im Bereich des Waldumbaus und beim Klimawandel sowie der weiteren Gemeinwohlaufgaben für den Wald und die Menschen vor Ort die Kapazitäten erweitern. Das sollten auch wir tun. Auf so ein klares Bekenntnis, zum Beispiel zu einem Dauerwaldkonzept, ein besonders in Sachsen vor dem Hintergrund der Borkenkäferkatastrophe notwendiges Konzept und die dafür zwingend erforderliche Personalaufstockung, und ein daraus resultierendes entschlossenes politisches und forstpraktisches Handeln des Sächsischen Umweltministeriums warten wir hier leider immer noch. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Mertsching sprach für die Fraktion DIE LINKE. Nun spricht für die SPD-Fraktion Kollege Winkler. Bitte schön.
