Thomas Löser
Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute hier vom Wald reden, soll man vom Holz nicht schweigen. Sehr geehrter Herr Kollege Breitenbuch, wir sind nicht so weit auseinander. Wir haben nichts gegen Holz. Wir wollen mit Holz bauen. Seit Jahrhunderten bewirtschaften wir Menschen die Wälder in unserer Umgebung. Wald und in dem Fall besonders auch Forst ist nicht nur eindrucksvoller Naturraum, wie Kollege Zschocke ausführte, sondern auch Grundpfeiler lokaler Wertschöpfungen. Wir haben hier vor einigen Monaten gemeinsam den Antrag zur Stärkung des Holzbaus in Sachsen beschlossen. Holzbauweisen sind wegen ihrer besonderen Ästhetik klimafreundlich und nachhaltig, weil Holz im Gegensatz zu Ziegeln oder Beton Kohlendioxid speichert, statt es in der Herstellung energieintensiv zu erzeugen. Besonders stark ist der klimaschützende Effekt, wenn das Holz mit kurzen Transportwegen zur Baustelle kommt. Wir werden in der Zukunft wieder häufiger mit Holz bauen und damit ein Stück weit an die große handwerkliche Tradition im Holzbau in Sachsen anschließen. Viele Bauträger haben bereits kleinere und größere Projekte in Holzbauweisen realisiert. Die Nachfrage, nachhaltig zu bauen, steigt spürbar. Aktuell wird in Dresden, auf dem ehemaligen Robotrongelände, ein Stadtquartier mit 48 Häusern und 1 000 Wohnungen in Holzhybridbauweise geplant. 1 000 Wohnungen, das ist ein riesiges Projekt, das wir so in Sachsen bisher, glaube ich, noch nicht hatten. Holzbau wird also wichtiger werden. Es ist mittlerweile auch ein echtes Vermarktungsargument, nachhaltig zu bauen. Wir wollen deshalb – und in diesem Punkt sind wir uns mit der Koalition einig – zügig die Bestimmungen der Sächsischen Bauordnung so anpassen, dass das Bauen mit Holz künftig auch für mehrgeschossige Gebäude erleichtert wird. Um bei unseren landeseigenen Bauvorhaben – wir wollen mindestens fünf Häuser im freistaatlichen Bauen in Holzbauweise umsetzen – deutlich mehr sächsisches Holz verwenden zu können, brauchen wir entsprechende Mechanismen in unseren Vergaberichtlinien und ein aktualisiertes Vergabegesetz. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart – ich zitiere: Das Vergabegesetz soll „die Interessen von mittelständischen Unternehmen in besonderer Weise“ berücksichtigen und gleichzeitig „das Prinzip der Nachhaltigkeit bei der Vergabe stärken.“ Dieser Leitgedanke würde in ganz besonderer Weise die heimische Holzwirtschaft unterstützen, Planungssicherheit schaffen und Sachsen von den teils dramatischen Entwicklungen der internationalen Holzmärkte entkoppeln. Die Holzpreise, es ist bekannt, haben im letzten Jahr eine Steigerung von bis zu 50 % aufzuweisen – 50 % Baupreiskostensteigerung beim Holz. Wer mit Bauen zu tun hat, kann sich vorstellen, was das mit den Firmen und deren Kalkulation macht. Wenn man mit Zimmerermeistern oder Leuten aus dem holzverarbeitenden Gewerbe spricht, dann spürt man die Unruhe. Auf der einen Seite gibt es den Wunsch, stärker mit dem Material Holz zu arbeiten, auf der anderen Seite die absolute Unberechenbarkeit der Baupreisentwicklung – und das vor dem Hintergrund, dass Unmengen von Holz in unseren sächsischen Wäldern herumliegen oder auch noch stehen. Dabei meine ich das abgestorbene Holz. Noch verrückter wird das Ganze, wenn man sieht, dass viele Lkws, die Holz nach Sachsen liefern, aus Skandinavien oder Osteuropa kommen. Fragt man nach den Ursachen der Preisexplosion, werden die Sogkraft der Märkte in China und den USA und Lieferengpässe beim Sägen des Holzes hier vor Ort genannt. Die großen Werke verkaufen große Mengen Holz an Übersee und geben die entsprechend hohen Preise an die sächsischen Unternehmen weiter. Die Situation ist dramatisch genug. Es wurde schon darauf hingewiesen, dass sich der Sächsische Handwerkstag mit einem Positionspapier Holz an uns gewandt hat. Es wird eingeschätzt, dass wir noch zu wenig über die genauen Ursachen der exorbitant gestiegenen Preise wissen. Der Handwerkstag fordert eine genaue Analyse, um wirksame Strategien für stabile regionale Lieferketten zu erreichen. Sie schlagen darin eine ganze Menge an Maßnahmen vor. Ich will nur einige stichpunktartig nennen: Es wird eine Marktanalyse zum Holzmarkt gefordert. Anhand der Ergebnisse sollen mittel- und langfristige Maßnahmen zur Markstabilisierung entwickelt werden. Nachwachsende Rohstoffe sollen in die Rohstoffstrategie des SMWA aufgenommen werden. Sie fordern die Stärkung der regionalen Sägewerke und regen den Genossenschaftsgedanken auch hier an. Der Fokus staatlicher Fördermaßnahmen sei auf den Aufbau regionaler, nachhaltiger Holz-Lieferketten zu richten, und sie betonen, dass das SMEKUL-Projekt mit der Umweltallianz Sachsen „Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten für den Rohstoff Holz in der Pilotregion Südwestsachsen Chemnitz“ als Grundlage genommen und eine Überprüfung gefordert wird, um das auf ganz Sachsen zu übertragen. Außerdem fordern sie regelmäßige Branchendialoge. Wir sehen, in diesem Thema steckt Potenzial, genau wie im Bauen mit Holz insgesamt. Lassen Sie uns gemeinsam eine Antwort auf die Fragen des sächsischen Handwerks finden. Wir als BÜNDNISGRÜNE-Fraktion haben an diesem Thema – und jetzt sage ich das Wort zum letzten Mal – ein nachhaltiges Interesse. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE sprach Kollege Löser. Nun übergebe ich das Wort an die CDU-Fraktion. Herr Kollege von Breitenbuch, bitte schön.
