Antonia Mertsching
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Abgeordnetenkolleg(inn)en! Ich freue mich ja, dass wir im Landtag inzwischen öfter über den Wald reden, als ich privat Gelegenheit dazu habe, überhaupt in den Wald zu kommen. Vor zwei Wochen hatten wir im Ausschuss eine Anhörung zu Stand und Entwicklung ungenutzter Wälder. Eigentlich wollte sich die Koalition berichten lassen – stattdessen haben wir die Sachverständigen zu diffusen Fragen Auskunft geben lassen. Aber immerhin haben wir mal wieder über den Wald gesprochen, auch wenn wir jetzt immer noch nicht so genau wissen, nach welchen Kriterien eigentlich derzeit im sächsischen Staatsforst die vorhandenen wirtschaftlich ungenutzten Wälder überhaupt ausgewiesen wurden. Es lohnt sich immer, über den Wald zu reden: keine Wälder ohne Bäume, ohne Bäume kein Sauerstoff und ohne Sauerstoff kein menschliches Leben. Wir können ja mal versuchen, nicht mehr zu essen – das geht ein paar Wochen gut –, nicht mehr zu trinken – das geht ein paar Tage –, aber nicht mehr zu atmen, das geht nur ein paar Minuten. Wälder sind gute Orte, um mal durchzuatmen – vor allem nach dem ganzen Stress der letzten Tage; das können wir alle ein bisschen gebrauchen. Bäume verströmen auch Terpene – das sind die Stoffe, über die sie miteinander kommunizieren und die auch uns helfen. Sie helfen uns bei Atemwegserkrankungen, sie stärken unser Herz-Kreislauf-System, unsere Abwehrkräfte und sie senken das Krebsrisiko. Ein mehrtägiger Aufenthalt in terpenhaltiger Luft erhöht die Anzahl der körpereigenen Killerzellen um über 50 %. In Japan wird daran bereits intensiv geforscht. Auch in Japan ist das sogenannte Waldbaden Teil der nationalen Gesundheitsfürsorge. Deshalb braucht es dringend den Waldumbau – vor allen Dingen auch, um unsere Wälder zu erhalten. Und wer baut den Wald um? In den Staatswäldern und auch in den Privatwäldern sind dafür vor allem die eingestellten Försterinnen und Förster zuständig. Wenn wir in Sachsen nicht aufpassen, dann werden wir alsbald nicht mehr genug davon haben. Ich frage mich, wie die Staatsregierung angesichts der enormen Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels, der Dürre, der Borkenkäfer und der steigenden gesellschaftlichen Anforderungen an den Wald und seine Hüter und Hüterinnen die heißbegehrten Fachkräfte im Freistaat halten oder hierherlocken will. Wenn zum Beispiel Thüringen oder Berlin besser bezahlen, dann wandern unsere gut ausgebildeten Fachkräfte doch dorthin ab. Naturgemäßer Waldumbau ist eine langfristige Aufgabe. Um das benötigte, hoch qualifizierte Personal für so eine langfristige Aufgabe gewinnen zu können, braucht es lukrative Angebote und langfristige Perspektiven, und das nicht nur für die jungen Leute. Stichwort Arbeitsverhältnisse und Bezahlung: Eine kleine Anfrage von mir ergab: Im Sächsischen Staatswald werden weiter Personalkosten bei den Forstingenieuren gespart. Hierzulande werden sie ganze zwei Gehaltsgruppen schlechter bezahlt als in Thüringen, Berlin, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Niedersachsen oder beim Bundesforst. Sie bekommen dort eine E 11, statt einer E 9 bei uns. Gerade sind die Tarifverhandlungen zum Tarifvertrag der Länder. Hier könnte sich Sachsen als gewichtiger Verhandlungspartner für eine Verbesserung der Konditionen einsetzen. Das würde unsere Wertschätzung gegenüber den Angestellten im Forstdienst unterstreichen. Aber derzeit plant die Tarifgemeinschaft deutscher Länder unter Federführung des sächsischen Finanzministeriums für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst durch Streichung des § 12 die Bedingungen massiv zu verschlechtern. Ich frage mich: Was hat die Staatsregierung gegen gute Bezahlung von unseren Fachkräften? Wo sollen sie denn in Zukunft herkommen? (Beifall bei den LINKEN) Stichwort Qualifikation der Mitarbeiter: Auch im gehobenen Dienst sollte die Laufbahnbefähigung Einstellungskriterium sein und bleiben. Gerade wenn es um die Umsetzung hoheitlicher Aufgaben, wie die Beratung und Betreuung von Privatwaldbesitzern oder die Bearbeitung von Fördermittelanträgen geht, brauchen wir Personal, das umfassende berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten hat. Schließlich das Thema Entfristung: Alle Förster, die ich vom Erzgebirge bis in die Lausitz getroffen habe, blicken auf ihre Wälder als ihre Lebensleistung. Da Bäume langsamer wachsen als Menschen, aber dafür länger leben, braucht es langfristige Begleitung von Bäumen durch Menschen. Das braucht entfristete Stellen. Auch die Privatwaldbesitzer müssen beraten und betreut werden, um den Waldumbau voranzubringen oder Schadflächen wieder zu bewalden. Hoffentlich kommt niemand auf die unkluge Idee, hier Personal auf ein Jahr befristet einzustellen. Ein Jahr Expertise für Waldumbau – das wäre gerade eine oder zwei Pflanzperioden. Was soll dabei an Qualität herauskommen? Unser Plädoyer in dieser Aktuellen Debatte lautet: Für einen nachhaltigen Waldumbau braucht es gut qualifiziertes, gut bezahltes und entfristetes Personal, sonst wird es nichts mit der Zukunft des Waldes – jedenfalls nicht in unseren Zeithorizonten. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN)
