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Volkmar Zschocke

GRÜNE 29.09.2021 Sitzungen 7/36

Vielen Dank. Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zum Herbstanfang können die Waldeigentümer in diesem Jahr wirklich eine positive Bilanz ziehen. Auch wenn sich viele über den kalten und verregneten Sommer geärgert haben – für den Wald war das wirklich ein Segen; denn während nach Dürrejahren großflächig kein wurzelverfügbares Wasser mehr in den Böden war, haben wir jetzt endlich wieder ein Wasser-Plus. Die Abwehrkräfte der Bäume sowie die Regeneration wurden gestärkt und die dramatische Borkenkäferausbreitung wurde gebremst. Man könnte fast meinen, die Waldkrise sei vorbei; das reguliere sich jetzt alles wieder ein und wir könnten so weitermachen wie bisher. – Meine Damen und Herren, das ist ein Irrtum. In den Hauptschadgebieten in Mittelsachsen oder in der Sächsischen Schweiz setzt sich das Schadgeschehen auf hohem Niveau fort. Im Lausitzer Bergland oder im Zittauer Gebirge breitet sich der Schädlingsbefall trotz der kühlen und nassen Witterung sogar noch aus. Die Umwelt verpasst uns hier einen letzten Schuss vor den Bug, und wenn wir das Pariser Klimaziel verfehlen und die Erderwärmung nicht deutlich unter 2 Grad begrenzen, dann laufen auch unsere heimischen Wälder Gefahr, mit der Anpassung an die neuen klimatischen Bedingungen vollends überfordert zu werden. Deshalb müssen die Ausrichtungen in der Wald- und Forstwirtschaft jetzt dringend geändert werden. In Sachsen haben wir damit bereits begonnen. Dabei geht es vor allem darum, die Schadflächen wieder zu bewalden und insgesamt flächendeckend klimaresiliente Waldökosysteme zu schaffen. Also nur Wälder, die solchen Trockenphasen, Stürmen und Schädlingswellen, wie wir sie in Sachsen wirklich ausreichend erlebt haben, künftig trotzen, werden Wasser für uns speichern, Luft für uns filtern, das von uns verursachte CO binden oder uns auch vor Hochwasser schützen. Der Wald ist existenziell für uns Menschen, und die Folgen bei auch nur einem teilweisen Ausfall dieser Ökosystemleistungen würden die öffentlichen Haushalte um ein Vielfaches der aktuellen Pandemiekosten überfordern. Diese Debatte ist auch drei Tage nach der Bundestagswahl hochaktuell, denn die künftige Bundesregierung muss hierfür in der Waldförderpolitik künftig die Weichen richtig stellen, und ich sage ganz deutlich: Pauschale Klimaprämien für Waldbesitz, die per Gießkanne pro Fläche ausgeschüttet werden, sind dabei der falsche Weg. Die Ausreichung der öffentlichen Gelder muss an Kriterien gebunden sein, die den Umbau zu klimastabilen und naturnahen Wäldern beschleunigen, meine Damen und Herren. Das ist auch der Maßstab, den wir an sächsische Fördermittel anlegen. Öffentliche Gelder müssen in Bezug auf Klimaresilienz, Baumartenvielfalt, Naturnähe und Biodiversität an qualitative Anforderungen geknüpft werden. Gleichzeitig entwickeln sich dabei aber heftige Zielkonflikte. Die Gefahr der Übernutzung und Ausbeutung der Wälder ist nicht gebannt. Die globale Nachfrage nach Holz und der Druck auf knapper werdende Flächen steigen. Die Baustoffe werden knapp. Der Sächsische Handwerkstag hat sich erst im August an uns, an die Landespolitik, gewendet, da in Sachsen viele auf diesen Rohstoff angewiesene Handwerker unternehmerisch, auch existenziell gefährdet sind. Mehr politische Vorgaben zur natürlichen Waldentwicklung lösen natürlich auch Widerstand bei der Forstwirtschaft aus; dies wurde in einer Anhörung zur Waldentwicklung, die wir vor 14 Tagen im Landtag hatten, sehr deutlich. Es führt also kein Weg daran vorbei. Wir müssen über Strategien zur Konsolidierung des regionalen Holzmarktes sprechen – über mehr Holz von hier, über mehr regionale Wertschöpfung und über mehr Unabhängigkeit, auch von globalen Märkten. Gleichzeitig müssen wir aber auch die Voraussetzungen für natürliche und dynamische Prozesse schaffen, für mehr Wildniswälder als „Reallabore“ für künftig klimaangepasste Waldökosysteme, für mehr Arten- und Strukturvielfalt und mehr Naturschutz auf der gesamten Fläche. Denn es ist nicht der Naturschutz, sondern der falsche Fokus auf zu hohem und zu schnellem Holzertrag, der die Wald- und Forstwirtschaft erst in diese dramatische Krisensituation gebracht hat. Der Waldumbau kostet viel Geld, aber ohne Waldumbau wird es am Ende viel teurer. Der sächsische Wald – das sage ich mit aller Deutlichkeit – darf kein Dauersanierungsfall werden. Wenn wir unseren heimischen Wald gemeinsam in die Zukunft bringen wollen, müssen wir jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung)

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