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Simone Lang

SPD 29.09.2021 Sitzungen 7/36

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Seit über anderthalb Jahren beeinflusst das Coronavirus unser Leben, und seit über anderthalb Jahren lernen wir mit Hilfe von zahlreichen Studien und Erkenntnissen von Ärztinnen und Ärzten dazu. Wir wissen, wie sich das Virus ausbreitet. Wir wissen, wie ansteckend die unterschiedlichen Varianten sind, und wir wissen, welche Folgen Corona für das Leben von Menschen haben kann. Dank einer gemeinsamen Kraftanstrengung von vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Kombination mit der finanziellen Absicherung der Staaten konnten vergleichsweise schnell verschiedene Impfstoffe entwickelt werden. Dabei wurden Anforderungen bezüglich der Wirksamkeit und Verträglichkeit erfüllt und überprüft. Daher finde ich es immer wieder schade, dass es in der aktuellen Diskussion oft untergeht, dass wir als Gesellschaft großes Glück haben; denn wir können uns problemlos gegen schwere Krankheitsverläufe schützen. Andere Länder haben dieses Glück nicht. Auch wenn die Impfbereitschaft in Sachsen im bundesweiten Vergleich hinterherhinkt, finde ich es trotzdem richtig, dass die Staatsregierung die veränderte Lage aufgrund der Impfungen in die aktuelle Corona-Schutz-Verordnung einbezogen hat. Es erfolgte ein Paradigmenwechsel. Konkrete Schutzmaßnahmen orientierten sich nicht mehr an der Inzidenz oder ausschließlich an der Inzidenz. Stattdessen bezieht Sachsen als erstes oder als eines der ersten Bundesländer auch die Krankenhausauslastung auf Normal- und Intensivstationen sowie die Hospitalisierungsquote in die Einschätzung der Lage ein. Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Normalität, auch für die Kinder und Jugendlichen, denn flächendeckende Kita- und Schulschließungen soll es nicht mehr geben. Richtig war auch die Aufnahme von Kindern unter 16 Jahren in die 2-G-Option. Ein logischer Schluss ist es, dass wir gerade diese Altersgruppe, bei der wir aufgrund der Testungen in den Schulen die beste Informationslage haben, nicht von Veranstaltungen ausschließen, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. So weit zur aktuellen Lage. Ich verstehe, dass es viele Menschen in diesem Land gibt, die von der Pandemie gezeichnet sind. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Wir haben Menschen, die Verwandte oder Freunde verloren haben. Wir haben Menschen, die einen schweren Verlauf überstanden haben, aber nun mit Organschäden leben müssen. Wir haben Menschen, die auch Monate nach der Infektion nicht in der Lage sind, ein normales Leben zu führen; und wir haben Menschen, die mehrere Wochen in einer Reha verbracht und gehofft haben, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen. Wir haben überlastete Familien und Kinder, die sich monatelang zurückgenommen haben, um besonders gefährdete Erwachsene zu schützen. Diese merken nun, dass die Solidarität nicht in diesem Maße erwidert wird. Wer nämlich als Erwachsener Kinder schützen möchte, lässt sich impfen. Wir haben Unternehmerinnen und Unternehmer und Gastronomen, die gerne wieder ohne Einschränkungen arbeiten möchten, dies aber nicht können, weil sich zu viele einer Impfung verweigern. In welchem Land leben wir eigentlich, wenn ein Medikament, mit dem im Zweifel Menschenleben gerettet werden können, von einer bestimmten Gruppe als Gesinnungsfrage diffamiert wird? Gleichzeitig wird kolportiert, dass die Impfung gar nichts bringe. Menschen würden sich und andere auch mit einer Impfung anstecken. Und überhaupt, schauen wir doch einmal bei den Nebenwirkungen genauer hin. Ja, Menschen können sich trotz einer Impfung anstecken. Ein Geheimnis war das von Anfang an nicht. Nicht erwähnt wird jedoch in diesem Zuge, dass die Wahrscheinlichkeit, an Corona zu erkranken, bei geimpften Personen, die zum Beispiel mit BioNTech geimpft wurden, um 95 % geringer ist als bei Ungeimpften. Das Risiko, dabei schwer zu erkranken und damit auf eine Behandlung im Krankenhaus angewiesen zu sein, ist um 85 % geringer. Gleichzeitig haben die Geimpften, die sich dennoch infizieren, einen meist symptomlosen oder milden Verlauf. Darüber hinaus haben sie nach aktuellem Stand eine geringe Viruslast und sind damit in einer kürzeren Zeit nicht mehr ansteckend. Auch die Diskussionen über mögliche Nebenwirkungen einer Impfung führen an dieser Stelle in die Irre. Menschen scheinen sich nicht darüber bewusst zu sein, dass mögliche und selten auftretende Nebenwirkungen wie zum Beispiel die viel diskutierte Herzmuskelentzündung auch bei Ungeimpften auftreten können. Wenn sie sich mit Corona infizieren und nicht geimpft sind, ist das Risiko hierfür dreimal höher als nach einer Impfung. Das sind Erkenntnisse aus einer Studie von Forscherinnen und Forschern aus Israel und Harvard, die Daten von über zwei Millionen Menschen ausgewertet haben. Nach einer Infektion können dabei Komplikationen auftreten, die wir nach Impfungen nicht haben. Ich nenne einmal die Lungenembolie, den Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Um es ganz deutlich zu sagen: Für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt macht es einen Unterschied, ob man geimpft ist oder nicht. Wenn wir möglichst gesund aus der Pandemie kommen wollen, sollten wir uns impfen lassen. Noch etwas zu dem gern zitierten Herrn Kekulé: Als einer der Ersten hat er kürzlich davor gewarnt, die Maßnahmen frühzeitig aufzuheben. Er hält den Freedom Day erst nächstes Jahr, im Frühjahr 2022, für möglich. In diesem Zuge möchte ich eine Forderung der AfD aufgreifen – die Staatsministerin hat sie vorhin schon angesprochen. Die AfD fordert, dem Beispiel Dänemarks zu folgen. Ja, lassen Sie uns das machen. Folgen wir dem Beispiel Dänemarks, wo zum 27. September 84,8 % der Däninnen und Dänen ab 12 Jahren doppelt geimpft sind. Folgen wir dem Beispiel Dänemarks, wo über 96 % der über 50-Jährigen sich für eine Impfung entschieden haben. Das sind die Wege aus der Pandemie. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD)

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