Lars Rohwer
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In der ersten Reaktion gehe ich kurz auf die AfD ein: In der Situationsbeschreibung dessen, was nicht geht, sind Sie wirklich unbeschreiblich. Aber in der Beschreibung dessen, was geht und worauf Sie sich festlegen müssten, ist es dünn. (Zurufe von der AfD) Wir dürfen auf die zweite Runde von Ihnen gespannt sein. Ich sage Ihnen: Auch das gehört zur Oppositionsarbeit dazu, und nicht nur zu beschreiben, was nicht geht. (Beifall bei der CDU und der SPD) Es ist angesprochen worden: Sind wir Getriebene oder treiben wir die Digitalisierung? Das Bild ist natürlich im Wortspiel verführerisch. Ich gebe zu, dass man darüber gern diskutieren will. Aber halten wir uns die Realitäten vor Augen: Wir müssen die Digitalisierung regelrecht bei den Hörnern packen; denn die Welt wartet nicht auf uns hier in Sachsen. Wir müssen anfangen zu gestalten. Aus meiner Sicht werden intelligente LEDs – früher hätten wir „Glühbirnen“ gesagt, aber das ist nicht mehr zeitgemäß; das ist nachvollziehbar, die Entwicklung ist weitergegangen – Beleuchtungen verbessern und gleichzeitig dafür sorgen, dass Strom gespart wird. Autos werden viele Unfälle vermeiden können. Landmaschinen werden gute Erträge mit geringer Umweltbelastung kombinieren können. Die Düngung wird passgenau möglich. In der Medizin werden die algorithmischen Systeme einen Mehrwert schaffen, indem sie den Mediziner nicht ersetzen, sondern ergänzen. Wir müssen physische und digitale Ansätze miteinander vermischen. Dann wird es so sein, dass der Maschinenbauer, der einst seine Produkte zum Verkauf anbot, die Maschinen verleiht und Service und neue Software inklusive dazugebucht werden können. Oder: Im Sportverein kommen wir zu digitalen Bezahlmodellen und einem intelligenten Parkraummanagement für die Anreise zum Stadion. Geschäftsmodelle gezielt und in kleinen Schritten zu digitalisieren erscheint mir sinnvoll. Man sollte nicht immer nur den großen Wurf im Blick haben. Auf dem Bahnhof dürfen wir Besucherströme nicht nur analysieren, sondern wir müssen sie leiten. Wir müssen in der Industrie maschinelles Lernen als wichtigen Faktor bei der Vorverarbeitung von Massendaten verstehen. Dann können wir es schaffen, dass teure Maschinenausfälle in der Just-in-time-Produktion vermieden werden, indem die Maschine selbst erkennt, wann Pflege, Wartung und Instandhaltung anstehen. Überall hier hilft künstliche Intelligenz als Technologie entscheidend, dass deutsche Unternehmen künftig weltweit weiter erfolgreich sein können. Deshalb haben wir diese Debatte angesetzt. Wir sind der Meinung, dass das vonseiten der Verwaltung unterstützt werden muss. Wir müssen zu Best-Practice-Beispielen kommen. Wir müssen regelrecht zu einem Gutachtensiegel kommen, mit dem wir sagen: Das sind Anwendungen, die datenschutzrechtlich in Ordnung sind. Die haben wir geprüft. Aber wir sagen nicht, dass es nur diese Anwendung gibt, sondern es gibt ein Siegel, unter dem man sich bedienen kann. Deshalb brauchen wir den KI-Marktplatz in Sachsen, um mit diesen Best-Practice-Beispielen voranzukommen. Ich möchte anregen, dass die Staatsregierung jetzt einsteigt, noch viel mehr Dienstleister für diese digitalen Innovationen zu werden. Darüber sollte das Kabinett in einen Diskurs mit der Gesellschaft treten, damit wir diese Zukunft gestalten können, damit wir die Zukunft bei den Hörnern packen können. Wenn wir die künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen, wird es Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit vorantreiben, und KI wird uns hier helfen, deutlich besser voranzukommen. Ein letzter Punkt: Wir brauchen die regionale Wertschöpfung. Wenn die Systeme, es wurde in der Debatte angesprochen, nicht in Deutschland oder in Europa stehen, sondern sonst wo auf der Welt, findet die Wertschöpfung nicht bei uns vor Ort statt. Wir denken, dass die Wertschöpfung in dieser Debatte den Bogen spannt von der Landwirtschaft über die Industrie, bis hin zu den Dienstleistungen. Dabei können wir die ökonomische Analyse im Sinne eines Ausblicks, die Erörterung von technischen Trends mit der Bevölkerung diskutieren und vielleicht manchem die Sorgen nehmen. Wenn wir jetzt die richtigen Lehren ziehen, können wir aus der Krise eine Chance machen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die AfD-Fraktion, bitte.
