landtag.sachsen.de ↗

Lars Rohwer

CDU 22.07.2021 Sitzungen 7/35

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Pandemie hat vieles verändert. Wir haben es nicht nur in unserem privaten und beruflichen Umfeld gespürt, sondern es auch selbst erfahren. Nach einer Zeit der Umstellung lief vieles anders: Homeoffice, statt im Office zu sein. Homeschooling, statt in der Schule zu sein. Videokonferenz, statt zu einer Konferenz zu reisen. – Was haben wir gelernt? Vieles geht, wenn es gehen muss. Das Jahr der Pandemie hat unserem Land einen Anschub für die Digitalisierung gegeben, der längst überfällig war, auch wenn es eher zwangsläufig war. Wie es mit der Digitalisierung der Organisation von Arbeit in der Gesellschaft weitergeht, wenn die Pandemie abgeflaut oder gar überwunden ist, das ist im Augenblick eine der am intensivsten diskutierten Fragen in der Gesellschaft. Viele Herausforderungen haben wir in den Unternehmen, in den Ämtern, in den Schulen und in anderen Einrichtungen und Institutionen in diesem Zusammenhang erkannt. Schnelles Internet ist eine Voraussetzung. Es war nicht überall vorhanden. Keine richtigen, funktionierenden Lernplattformen – 16 Datenschutzbeauftragte der Länder und des Bundes sind bisher nicht imstande, nach einem Jahr eine gemeinsame Rechtsauffassung zu finden, welche Lernplattformen und welche Videokonferenz-Tools erlaubt sind und welche nicht. Oder stellen wir die Frage – wenn wir schon beim Thema Schule sind –: Ist die Klassenobergrenze von 28 noch eine aktuelle Debatte? Es ist eine Überlegung wert, zusammen mit Lehrerinnen und Lehrern darüber nachzudenken, dass wir Kinder, die das digitale Lernen gut annehmen und damit klarkommen, auch von zu Hause lernen lassen können, und dass diejenigen, die den Lehrer als unersetzbaren Unterstützer beim Lernen in Präsenz brauchen, in der Schule sind. Damit haben wir auf einmal weniger Kinder in der Klasse, aber alle bekommen Bildung und haben einen Lernerfolg. Oder nehmen wir das Thema Digitalisierung der Vereine, Digitalisierung im Ehrenamt, im Sportverein – es ist so viel möglich. Aber wo sind die Unterstützungssysteme, die wir dafür brauchen? Die Notwendigkeit nach mehr Flexibilität in der Neuorganisation der Arbeit wird offensichtlich. Hier müssen wir beim Thema Datenschutz anpacken, hier muss angepasst werden. Nicht 16 deutsche Datenschutzstandards dürfen der Standard sein, sondern ein europäischer. Datenschutz ist ein wichtiger Punkt, den wir nicht vernachlässigen dürfen. In den letzten Monaten wurden neue Standards gesetzt. Hierfür benötigen wir einen Datenschutz, der in der Zukunft positiv auf die Bevölkerung gerichtet und anwenderfreundlich ist. Wir haben im Schnelldurchlauf aber auch vor Augen geführt bekommen, dass die Förderung von Innovation nicht mit den gewohnten Mustern öffentlicher Ausschreibungen zusammenpasst. Ich erinnere an die Kontaktnachverfolgungs-App und die Corona-Warn-App. Zur Digitalisierung in der Gesellschaft und der Wirtschaft: Dafür müssen wir jetzt den Vorschub leisten, indem wir auch vonseiten der Verwaltung mit einem frischen Arbeitsstil vorangehen, und zwar mit Clouds, mit Tools, mit Freizeichnungen, mit neuen flexiblen Abläufen. Keine Umwandlung analoger Vorgänge in eine digitale Form; das wird nicht funktionieren. Wir müssen wirklich neu denken, zunehmend hybrid und digital. Neue Technologien, wie Breitbandkommunikation und ein schnellerer Mobilfunk, sollten uns dafür die Flexibilisierungsmöglichkeit geben. Dieser Tage habe ich mit vielen Menschen darüber diskutiert, was Digitalisierung und künstliche Intelligenz bedeuten. Dabei ist ein Satz gefallen, den ich auch hier vortragen will, weil ich ihn so bemerkenswert finde: „Künstliche Intelligenz wird häufig heillos überschätzt, aber auch naiv unterschätzt“, sagte Dr. Beyer von Globalfoundries. Jedes digitale Gerät wird über kurz oder lang Künstliche Intelligenz enthalten und damit effektiver sein.

Alle Reden von Lars Rohwer Protokoll ↗