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Sabine Friedel

SPD 21.07.2021 Sitzungen 7/34

Vielen Dank. Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind, glaube ich, liebe Frau Neuhaus-Wartenberg, inhaltlich sehr nah beieinander. Insofern bin ich auch sehr dankbar für den Antrag, der hier vorgelegt worden ist. Frau Melcher hat ja schon differenziert, an welchen Stellen man, glaube ich, noch etwas intensiver miteinander arbeiten und bei denen man anerkennen muss, wo wir in Sachsen stehen und dass die Schulen deutschlandweit in den letzten Jahren relativ viele Fortschritte gemacht haben. Insgesamt ist das der bildungswissenschaftliche State of the Art, den Sie in dem Antrag wiedergeben. Dennoch werden auch wir den Antrag ablehnen, und zwar aus folgendem Grund. Sie haben vorhin Ihren Antrag zitiert. Ich will den Satz wiederholen, weil er wahr ist. Sie haben gesagt, Verstehen braucht Zeit. Das gilt auch für diese Art und Weise, Schule und Bildung anzuschauen. Verstehen braucht Zeit. – Mit Blick auf Herrn Weigands Redebeitrag würde ich ergänzen, es braucht auch Verstand; aber es braucht Zeit. (André Barth, AfD: Das ist eine Beleidigung! Haben Sie auch einen Doktortitel?) Wir stellen fest – wenn man ehrlich ist, dann auch in unseren eigenen Parteien und nicht nur in den anderen –, dass Bildungsverständnisse noch immer nicht überall dem wissenschaftlichen State of the Art entsprechen, sondern dass es natürlich überall viele Leute gibt, die sagen, ich bin doch auch in eine Schule gegangen, in der es nach 08/15 lief, und es hat mir nicht geschadet. Zu verstehen, dass Schule anders laufen kann und anders laufen muss, dabei wird uns jetzt Corona, glaube ich, sehr viel helfen. Damit haben Sie recht, dass Sie diesen Bezug herstellen. Wir müssen uns auch immer wieder deutlich machen, was ist denn eigentlich der Zweck von Bildung. Herr Gasse hat es vorhin angesprochen: Die Schule soll junge Menschen auf das Leben vorbereiten. Natürlich gehört dazu, dass wir uns fragen: Machen wir Schule gerade so, dass dieser Zweck erfüllt wird? Ist das, was gerade an den Schulen passiert, wirklich das Bestmögliche, was wir tun können, um junge Menschen auf das Leben vorzubereiten? Ich muss vielleicht nicht den Tweet von vor sechs Jahren zitieren mit der viersprachigen Gedichtanalyse, aber ich kann keine Steuererklärung ausfüllen. Natürlich müssen wir aber auch – dabei sind wir vielleicht wieder näher beisammen – über wirtschaftliche Bildung reden. Wir müssen über kulturelle Bildung reden. Wir müssen über gesundheitliche Bildung reden. Wir müssen über kommunikative Bildung reden, weil wir heute in anderen Welten leben und in der Arbeitswelt ganz andere Anforderungen gestellt werden, als dies vor 20 Jahren, 30 Jahren, 50 Jahren der Fall war. Ich habe in meiner Schulzeit nie gelernt, wie man mit anderen Menschen kommuniziert, wie man es schafft, Kompromisse herbeizuführen, wie man es schafft, zu verstehen, was der andere eigentlich will. Das haben wir uns dann – und ich glaube, viele hier – später angeeignet, in Form von Weiterbildung, in Form von Seminaren, vielleicht auch bei politischen Stiftungen. Wir erleben aber eben, dass die Arbeitswelt voraussetzt, dass Kommunikation und Teamfähigkeit ein ganz wichtiger Punkt sind. In Ihrem Antrag verlangen Sie, die Schulen schnellstens so aufzustellen, dass all das passiert. Das ist eben eine Überforderung, das muss man ganz ehrlich sagen, weil verstehen Zeit braucht und weil es deswegen nötig ist, diese Fragen einzeln stärker durchzudeklinieren. Nicht zuletzt setzt es irgendwann auch ein Bewegen innerhalb des bundesweiten Kanons, den man für Bildung hält, voraus. Wir können uns in Sachsen an vielen Stellen bemühen, es muss uns auch gelingen, die Kultusminister anderer Länder davon zu überzeugen, dass ein kindorientierter Zugang vielleicht mehr Erfolg verspricht. Dann sind wir irgendwann auch dabei, solche Fragen zu stellen: Wie ist denn die Vergleichbarkeit, die als höchster Maßstab im Bildungswesen gilt? Ist denn das zentrale Prüfungswesen wirklich geeignet, um bei Menschen herauszufinden, was sie am besten können und später auch zur Basis ihres Einkommens machen sollten? Die Räder sind groß. Diese zu drehen wird mit einem einzelnen Antrag nicht gelingen. Deswegen hoffe ich einmal, dass selbst bei der Ablehnung des Antrags die anderen drei trotzdem erhältlich wären. Ich würde mich sehr freuen, wenn es uns gelänge, diese Aspekte im Schulausschuss eingehender zu beleuchten, beispielsweise auch, indem dazu Sachverständigenanhörungen stattfinden und wir es wirklich schaffen, die Bildungswissenschaft auf der einen Seite und die Schulpraxis auf der anderen Seite so zu Wort kommen zu lassen, dass wir herausfinden, welche Schritte sind denn machbar, um auf diesem Weg, den Sie beschreiben, voranzukommen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Friedel sprach für die SPD-Fraktion. Jetzt könnten wir in eine zweite Rederunde eintreten, wenn gewünscht. – Das sehe ich nicht. Gibt es tatsächlich keinen Redebedarf seitens der Fraktionen? – Nein. Dann übergebe ich an die Staatsregierung. Herr Staatsminister Piwarz, bitte schön.

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