landtag.sachsen.de ↗

Martina Jost

AfD 21.07.2021 Sitzungen 7/34

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich werde jetzt noch mal eine salzige Träne einer alten weißen Frau vergießen. Es sind ja nicht nur alte weiße Männer, die das mit der Gendersprache ablehnen. Ich bin eigentlich froh, dass wir erst jetzt diesen Antrag behandeln. Jeden Tag wird die gesamte Absurdität des Genderns deutlicher, denn die Stilblüten und Shitstorms florieren durch die Gazetten und die sozialen Medien. Kommunen wie Bonn, Stuttgart und Hannover erlassen Gender-Leitfäden. Wir haben heute schon gehört, dass sich auch in den sächsischen Schriftstücken der Ministerien das eine oder andere Gegenderte findet. Meine Damen und Herren! Wir haben es heute schon oft gehört: Die Kritik an der Gendersprache ist in unserer Bevölkerung und unserer Gesellschaft breit verankert, und nicht nur bei den Alten mit dem Festnetz, wenn Sie die ZDF-Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen verfolgt haben. Die machen das nämlich ausgewogen. Diese Umfrage zeigt auch, dass die Ablehnung bis tief in die linke und grüne Wählerschaft besteht. Frau Hammecke, die Gesellschaft hat sich zwar weiterentwickelt, nur hat das die Bevölkerung in Bezug auf die Gendersprache irgendwie nicht bemerkt. Bezüglich der Anerkennung der gesellschaftlichen Realität sollte man vielleicht einmal auf die Bevölkerung hören. (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) Frau Kliese, Sie haben es auch gesagt: Es ist natürlich ein Thema, das aus der feministischen Bewegung kommt, und da sind wir ja schon dabei. Einen Sekretär hatte schon Goethe, der Johann Peter Eckermann hieß. Das ist also mitnichten nur ein Möbelstück. (Vereinzelt Beifall bei der AfD) Frau Leithoff, Sie haben hier zitiert, was Sie im Koalitionsvertrag stehen haben. Sie haben aber nicht den zweiten Teil der Antwort der Staatsregierung erwähnt, (Susan Leithoff, CDU: Nein, ich habe aus dem Koalitionsvertrag zitiert!) in der es nämlich darum geht, dass alle Geschlechter angesprochen werden sollen. Damit sind wir bei dem grundsätzlichen Problem: alle Geschlechter. Aha, so ist das! Da sind wir beim Kern des Punktes, dass unter dem Deckmantel, Frauen sichtbar zu machen, eine ganze feministische Ideologie steckt, die Gleichberechtigung durch Gleichstellung ersetzt hat. (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) Links, Rot und Grün treiben das auf allen Ebenen und Fronten voran. Ich bin schon gespannt, wie das jetzt in der Koalition laut Ihrem Positionspapier funktioniert. Die Genderkritik geht ja nicht nur durch die Bevölkerung, dass sie die Sprache ablehnt, sondern es geht ja durch alle Parteien – von Sahra Wagenknecht über Herrn Post bei der SPD, der sich zum Parteitag über den Antrag mit den menstruierenden Männern äußerte. Er sagte: Jeden Tag muss ich solche absurden Ideen hören. Wer kommt auf diesen Schwachsinn, solch einen Antrag zu stellen? Zur CDU muss man sagen – wahrscheinlich haben Sie sich für Ihr Positionspapier ein Beispiel genommen –: Die CDU Hamburg – allerdings sitzt sie dort in der Opposition – lehnt die Gendersprache ab. Sie fordern, dass an Universitäten und öffentlichen Einrichtungen grammatikalisch und orthografisch richtig gesprochen und geschrieben wird. Weiter sagt Herr Ploß, der CDU-Vorsitzende in Hamburg: Mitnichten ist diese Sprache nur grammatikalisch und orthografisch falsch, sondern sie ist wirklich ein linkes Ideologieprojekt. Sie ist ideologisch fundamentiert. (Sabine Friedel, SPD: Links-grün!) Daran sollten Sie sich vielleicht ein Beispiel nehmen. So geht es durch alle Breiten der Gesellschaft, durch alle Parteien hindurch. Renommierte Persönlichkeiten Ihrer Parteien sehen hierin ein großes Problem, das die Gendersprache mit sich bringt, weil sie in der Bevölkerung genau nicht auf breite Zustimmung stößt. Es ist mitnichten nur eine Kritik der AfD, wie Sie gern kolportieren, dass die Rechten und Neu-Rechten die Sprache für ihren Kampf benutzten. Nein, nein, es ist wirklich nicht so. Frau Kliese, Sie können gern einmal googeln. Es gibt eine Menge Sprachwissenschaftler. Selbst der MainstreamFernseh-Philosoph Richard David Precht ordnet die Gendersprache als linke Symbolpolitik ein. Mitnichten ist es ein Sprachkampf der Rechten oder Neu-Rechten, wer auch immer diese Begriffe definiert hat. Das kommt ja auch aus Ihrer Ecke. Nein, es ist nicht so. Es wird uns unterstellt, unsere deutsche Sprache zu instrumentalisieren. Nein, es ist genau das Gegenteil. Unsere Sprache wird für den alten sozialistischen, kommunistischen Gedanken der Schaffung eines neuen Menschen missbraucht. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ach, echt?) Die Journalistin Caroline Fetscher beschrieb es 2019 im Tagesspiegel – hören Sie zu, es kommt ein Zitat –: (Antonia Mertsching, DIE LINKE: Ach je!) „Frauen sollen auftauchen“ – in der Gendersprache – „und zugleich Geschlechter verschwinden. Aktuelle Reformkonzepte plagen sich deshalb mit einem Grundwiderspruch herum.“ Das ist in all Ihren Reden hier zum Ausdruck gekommen: Einerseits sollen Frauen in Bürger-Sternchen-innen auftauchen. Andererseits soll natürlich die binäre Geschlechterordnung männlich/weiblich verschwinden. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Sie haben es verstanden!) Einerseits sollte Identität betont werden. Andererseits aber sollte die universalistische Gleichheit betont werden. Das haben wir ja schon bei dem Beispiel mit den nonbinären Toiletten für menstruierende Männer. Frauen werden neuerdings bei Ihnen in den Anträgen zu Personen, die menstruieren oder gebären können. (Dr. Joachim Keiler, AfD: Ganz wichtig!) Wir haben es schon gehört: Muttermilch wird zur Menschenmilch. Das alles sind Folgen einer Sprachveränderung, die einem linken Glauben an den Dekonstruktivismus der Geschlechter von Mann und Frau folgt. (Beifall bei der AfD) Noch einmal an die CDU: Wir begrüßen ja Ihr Positionspapier. Sachsen könnte das erste Bundesland sein, das sich gegen diesen Unfug wehrt und den gesunden Menschenverstand wieder Einzug halten lässt, (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ach, Quatsch!) sodass in unseren öffentlichen Einrichtungen, im öffentlichen Dienst, an Schulen und Universitäten jeder schreiben und reden kann, wie es korrekt ist, und nicht sofort in der Diskriminierungsecke steht. Denn jedes Mal, wenn Sie betonen, wir wollen mit allen in der Gesellschaft diskriminierungsfrei kommunizieren, unterstellen Sie natürlich allen Menschen – und vor allem der Bevölkerung, nicht dem verschwurbelten Politikersprech – Diskriminierung. Das finden wir nicht gut, und wir werden alles dagegen aufbieten. Also, CDU – ich will gar nicht sagen „liebe CDU“, denn wir bringen Ihnen ja schon eine gewisse Sympathie entgegen –, (Sören Voigt, CDU: Nein, nein!) seien Sie mutig und stoppen Sie diesen Unfug in Sachsen, sodass es an Universitäten keinen Punktabzug mehr für nicht gendergerechte Schreibweise gibt! Was wird aus unserer Kunst und Kultur? Räuber-innen mit Sternchen von Schiller haben wir ja auch schon. Ich appelliere an Sie als Regierungsführer: Seien Sie mutig wie Ihre Kollegen in Hamburg und stoppen Sie diesen Unfug! Stimmen Sie unserem Antrag zu. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Dr. Daniel Gerber, BÜNDNISGRÜNE, steht am Mikrofon.) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Eine Kurzintervention.

Alle Reden von Martina Jost Protokoll ↗