Marika Tändler-Walenta
Vielen Dank, Herr Präsident. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich will mir natürlich die Chance nicht entgehen lassen, vor der Sommerpause wenigstens noch auf ein großes Problem hinzuweisen, vor welchem offensichtlich viele Kitas in Sachsen stehen. Mit Ihrem Antrag wollen Sie – ich zitiere – „bis zum 31.03.2022 fachliche Empfehlungen zur Ausgestaltung multiprofessioneller Teams in Kindertageseinrichtungen und Schulen erarbeiten, die einerseits allgemeine qualitative Anforderungen und andererseits auf besondere Bedarfslagen orientierte quantitative Anforderungen beschreiben. Das ist sehr gut, ich bin dafür. Aber wir dürfen bei aller Zukunftsperspektive auch nicht den Blick auf die derzeitige Realität in vielen sächsischen Kitas verlieren. Im Moment wären viele Teams in den sächsischen Kitas schon froh, wenn sie zwar noch nicht multiprofessionell, aber wenigstens ansatzweise vollständig besetzt wären. Der Betreuungsschlüssel, um den wir hier bei den Haushaltsbegleitgesetzen immer so ringen, steht in vielen Kitas nur noch auf dem Papier. Real kämpfen die Träger mit unbesetzten Stellen, Krankenstand und unersetzbaren Altersabgängen. Nachdem viele Kinder die Kitas über Wochen und Monate gar nicht oder nur sehr stark eingeschränkt nutzen konnten, stehen sie jetzt oft hoffnungslos überlasteten Erzieherinnen und Erziehern gegenüber. Herr Minister Piwarz, haben Sie einen Plan, wie hier schnell Abhilfe geschaffen werden kann? Das ist wirklich dringend notwendig. (Staatsminister Christian Piwarz: Der Plan ist beschlossen!) Gerade jetzt vor der Sommerpause merkt man das an den Kitas. Gehen Sie einmal in eine Kita, da herrscht zum Teil eine prekäre Notsituation, was die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher betrifft. Das ist wirklich krass. Ich kann Ihnen nur empfehlen, dort einmal hinzugehen. Es darf nicht sein, dass der Betreuungsschlüssel, gemessen an den Forderungen der Fachverbände und trotz Verbesserungen, immer noch zu schlecht ist, aber eben im Kita-Alltag permanent weiter unterhöhlt wird. Deshalb sollte es der Anspruch sein, dass Teams in den Kitas nicht nur multiprofessionell, sondern auch mindestens nach dem geltenden Schlüssel besetzt sind. Daran scheitert es gegenwärtig. Wenn wir über sozialindexbasierte Ressourcensteuerung reden, dann geht es darum, dass Kitas in den sogenannten sozialen Brennpunkten über zusätzliche personelle Ressourcen verfügen müssen. Bis dahin ist es aber noch ein verdammt weiter Weg. Danke. (Beifall bei den LINKEN und vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN – Beifall bei der Staatsregierung)
