landtag.sachsen.de ↗

Sabine Friedel

SPD 21.07.2021 Sitzungen 7/34

Vielen Dank, Herr Präsident. Ich will die schon umfangreiche Vorstellung meiner Vorrednerinnen und Vorredner noch um einen Aspekt ergänzen. Der Sozialindex wird oft unter der Überschrift gefasst: Ungleiches ungleich behandeln. Meiner Meinung nach klingt diese Überschrift manchmal etwas unglücklich, da schon allein das Wort oder die Vorsilbe „un“ etwas Negatives impliziert. Das, worum es eigentlich geht, lässt sich besser in den Satz fassen: Wer besondere Hilfe braucht, der soll auch besondere Hilfe bekommen. Das ist der Kern des Anliegens. Wir haben uns in den letzten Jahren sowohl in den Kitas als auch in den Schulen enorm auf den Weg gemacht, was die Ausstattung dieser Bildungseinrichtungen und die Bildung von multiprofessionellen Teams angeht. Der erste Schritt, den wir schon vor langer Zeit gegangen sind – damals war noch Kollege Patrick Schreiber bei der CDU dabei –, war die Schulsozialarbeit, die erste Vervollständigung des Teams an Schulen um eine weitere Profession. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie es früher durchaus von den Schulen als skeptisch gesehen worden ist, wenn andere als Lehrkräfte in die Schule kommen und den Ablauf stören. Mittlerweile sind wir deutlich weiter und haben an allen Bildungseinrichtungen den Wunsch und das große Verlangen nach Multiprofessionalität, danach, dass neben Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern auch andere unterwegs sind – ganz gleich, ob das Schulsozialarbeiter, Schulassistenten, Praxisberater und Ähnliches sind. Das, was der Sozialindex leisten soll, ist: Er soll auf diesem breiten Fundament, was wir bis jetzt schon geschaffen haben, aufsatteln. Es geht nicht darum zu sagen, dass nur die Schule im sozialen Brennpunkt einen Praxisberater erhält. Nein, da haben wir einen Standard gemacht. An jeder Oberschule ist die Praxisberatung ganz klar Teil des Profils, an jeder Oberschule ist die Schulsozialarbeit ganz klar Teil des Standards. Der Sozialindex soll uns dabei helfen, die Quantität, die zusätzlichen Ressourcen an der einen oder anderen Stelle zu bestimmen. Ich denke, das wird sich nicht nur auf die Assistenzsysteme fokussieren, sondern wir müssen auch den Mut haben, darüber zu reden, ob Lehrerressourcen im Ergänzungsbereich, wenn er zu 100 % ausgereicht wird, danach auch folgen und an besonderen Schulen zu 120 oder 130 % zur Verfügung stehen. Solche Sozialindizes sind nichts Neues. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass die doch recht sportlich gesetzten Fristen im Antrag gehalten werden. Frau Kollegin Melcher hatte bereits zwei Beispiele genannt: Bremen und Schleswig-Holstein. Nordrhein-Westfalen hat inzwischen den Start nach Sozialindex vollzogen, und in Hamburg, wo das Modell schon sehr lange existiert, gibt es zum Beispiel auch den Weg zu sagen: Es geht nicht nur um Ressourcen, es geht auch um die Beurteilung von Bildungserfolgen. In Hamburg werden Schulen im Vergleichstest unterschiedlich beurteilt, je nachdem, wie ihre Ausgangsposition ist. Dort werden Bildungserfolge unterschiedlich gemessen, um Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln und besondere Hilfe dorthin zu bringen, wo sie besonders gebraucht wird. Wenn wir in Sachsen den Einstieg auch schaffen, dann freue ich mich sehr. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD)

Alle Reden von Sabine Friedel Protokoll ↗