Ivo Teichmann
Das glaubt Ihnen doch niemand! – Zuruf von der AfD) Wir stehen jetzt an der Schwelle der Fragestellung, wie wir in den kommenden Monaten durch diese Pandemie kommen. Ich kann nur davor warnen, dass wir uns alle vor der scheinbaren Normalität in Sicherheit wiegen, die wir alle erleben, die wir zu Recht auch alle schätzen. Jeder von uns braucht diese Normalität. Wir haben sie uns zurückgewünscht. Wir haben sie uns mit den Maßnahmen der letzten Monate auch ein Stück weit zurückerkämpft. Aber die Pandemie ist nicht zu Ende, und wann die Pandemie zu Ende ist, entscheide nicht ich, entscheiden nicht Sie, entscheidet auch nicht Michael Kretschmer, nicht einmal die Bundeskanzlerin, die aus Ihrer Sicht so ziemlich alle sinisteren Mächte dieser Welt steuert, sondern das Virus und unser Umgang damit entscheiden, wann die Pandemie endet und wann wir zu weitgehender Normalität zurückkehren können. Deshalb kann ich uns allen nur empfehlen, weiterhin vorsichtig zu sein, jetzt die Voraussetzungen dafür zu schaffen – und das tut die Staatsregierung –, dass wir im Oktober ohne flächendeckende Schließungen von Gastronomie, Schulen, Kitas, von anderen Bereichen unserer Gesellschaft auskommen können. Dafür ist die Impfung ein zentrales Instrument. Es ist ein etwas ernüchternder Befund, dass wir im Freistaat Sachsen die niedrigste Impfquote in Deutschland haben. Deshalb ist es richtig, dass wir auf allen Kanälen dafür werben, dass Menschen sich impfen lassen, dass die Staatsregierung einerseits mit gutem Beispiel vorangeht, aber andererseits alle Kanäle nutzt, um Menschen dafür zu motivieren, sich impfen zu lassen, dass wir inzwischen Angebote haben, die niedrigschwelliger kaum sein könnten, eine Impfung in Anspruch zu nehmen – auf Flughäfen, auf Bahnhöfen, auf Marktplätzen, in Unternehmen –, und immer wieder dafür zu werben, dass zwar jede Impfung – und das betrifft bei Weitem nicht nur die Corona-Impfung, sondern jede Impfung, die es in der Menschheitsgeschichte in den letzten hundert Jahren gab – ein gewisses Restrisiko in sich birgt, aber dass das Risiko einer Schutzimpfung gegen Corona hundertfach geringer ist als die Möglichkeit, schwer an Corona zu erkranken. Gerade in den letzten Tagen wurde auch viel – aus meiner Sicht wird es in der Argumentation oder Diskussion häufig vergessen – über die sogenannte Long-Covid-Symptomatik gesprochen. Wir reden sehr gern in der öffentlichen Debatte darüber, wie viele Menschen extrem schwer an Corona erkrankt sind und wie viele Menschen an Corona gestorben sind. Aber wenn wir sehen, dass diejenigen, die Long Covid haben, oftmals einen milden Krankheitsverlauf hatten und dass trotzdem bei diesen in hoher Prozentzahl Organschäden – an Herz, an Lunge, an anderen zentralen Organen des menschlichen Körpers –, langfristige Abgeschlagenheit, Fatigue-Symptomatiken und Ähnliches festgestellt werden, dann ist es aus meiner Sicht auch ein zentraler Punkt, den es bei der Bekämpfung dieser Pandemie zu bedenken gilt. Man muss den Punkt, den auch Martin Dulig angesprochen hat, deutlicher in den Blick nehmen, nämlich nicht nur die Gefahr sehen, dass neue Mutationen entstehen, sondern den Blick auch auf die Long-Covid-Symptomatik richten. Es muss im Kern darum gehen, Infektionen an sich so gut wie möglich zu verhüten. Jede Infektion ist eine zu viel. Keine Infektion ist gut. Als ich Ihnen jetzt zuhörte, hatte ich das Gefühl, dass Sie einerseits den Lockdown verhindern wollen – so habe ich das irgendwie verstanden –, aber andererseits alle Maßnahmen, die dafür erforderlich sind, um das zu verhindern, verkehrt sind: Die Impfung ist schlecht und die Masken sind gesundheitsgefährdend. Das Virus an sich haben Sie inzwischen, glaube ich, akzeptiert. Das ist ein Lerneffekt über anderthalb Jahre gewesen. Wenn ich einmal meine Sicht zur AfD der letzten anderthalb Jahre spiegeln darf: Sie erzählen uns regelmäßig, was Sie bei uns beobachtet haben. Ich beobachte in der Hinsicht einen gewissen Lerneffekt: Corona scheint keine Grippe mehr zu sein. Herr Zwerg, ich weiß noch, als Sie seinerzeit eine Zwischenfrage gestellt haben und immer wieder von der Grippe gesprochen haben. Das ist auch eine beliebte Latrinenparole, die Sie und Ihresgleichen hier im Land verbreiten. (Zuruf des Abg. Jan-Oliver Zwerg, AfD) Dann erklären Sie uns doch einmal, wie Sie die Pandemie bekämpfen wollen, wenn Masken schlecht sind und wenn der Impfstoff dem Grunde nach gefährlicher ist als das Virus? Wie soll das denn funktionieren? Das ist doch verantwortungslose Fundamentalopposition, wenn Sie sich hier hinstellen wie ein Rumpelstilzchen, den Mitgliedern der Staatsregierung persönlich die Toten der Corona-Pandemie zur Last legen, schon seit 75 Jahren wissen, dass uns irgendwann eine solche Pandemie ereilen wird und es jedes Jahr versäumt wurde, sich darauf vorzubereiten, und alles, was diesbezüglich da gewesen wäre, um sich vorzubereiten, im Grunde genommen schlecht ist. Das kann doch irgendwie nicht funktionieren. Deshalb bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass wir gemeinsam einen Herbst 2021 erleben werden, der sich vom Herbst 2020 unterscheiden wird, und dass es uns gelingen wird, mit diesen ganzen Lerneffekten, die wir in den Bereichen der Kontaktnachverfolgung und des Testregimes, das jedem zugänglich war und ist, hatten, mit gezielten Maßnahmen des Impfens und des Anreizes zum Impfen diese Pandemie zu bekämpfen. Ich bin mir aber auch sicher, dass Sie nach zwei Jahren Zugehörigkeit im Sächsischen Landtag in dieser Stärke überhaupt noch nicht verstanden haben, welche Verantwortung damit einhergeht. Ich kann Ihnen nur wünschen, dass sich das ändert. Wir werden die Corona-Pandemie weiter mit den Menschen in diesem Land bekämpfen, im engen Schulterschluss mit der Staatsregierung und den vielen Menschen im Gesundheitswesen und der öffentlichen Verwaltung, die bis an die Grenze der Erschöpfung arbeiten. Ich denke, dass wir der Pandemie in diesem Herbst anders begegnen können, als das im letzten Jahr der Fall war. Auf einen Beitrag Ihrerseits – auch nur kleine Beiträge zum verantwortungsbewussten Umgang mit dieser Pandemie – setze ich inzwischen nicht mehr. Das ist ein trauriger Befund, aber es wird auch ohne Sie gehen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung)
