Sören Voigt
Hört, hört! – Weitere Zurufe) Bill Gates ist als Microsoft-Begründer und Unternehmer ein Wegbereiter, der mithilfe seiner Beteiligung an diversen Forschungsprojekten und dank seiner Stiftung aus unterschiedlichen Perspektiven über den berühmten Tellerrand schaut. Ihre Politik in der AfD ist entgegen dieser Vielfältigkeit immer wieder überraschend eindimensional und geprägt von Schaum vorm Mund. Kommen wir noch einmal auf die Erforschung neuer Reaktortypen zurück. Selbst der Bau kleinerer Reaktoren neuen Typs verspricht noch keine finale Lösung hinsichtlich Energieversorgungssicherheit und globaler Anwendungen. Nukleare Alternativen zu den Kernkraftwerken des gegenwärtig vorherrschenden Typus existieren schon von Anfang an. Pikant: Durchgesetzt haben sich die Meiler, die nur einen kleinen Teil ihres Brennstoffs nutzen und den Rest in strahlenden Abfall umwandeln und die mithilfe einer Kühlung daran gehindert werden müssen, durchzubrennen. Auch die amerikanische Neuauflage des Miniaturreaktors besitzt Schwächen. In ihm wird es dermaßen heiß, dass es nur mit flüssigem Metall gekühlt werden kann. (Jan-Oliver Zwerg, AfD: Das heißt Natrium!) Weiterhin sind die in ihm eingesetzten Fluoridsalze bzw. Natrium in ihrer kerntechnischen Eignung seit Jahrzehnten umstritten. Natrium ist sehr korrosiv und reagiert extrem mit Luft oder Wasser. Einerseits gewollt, bleiben das Salz und andere Kühlmittel andererseits radioaktiv verseucht zurück. Das Grundproblem der Restmülllagerung bleibt also ungelöst. Selbiger Müll und die große Frage seiner Sicherungsverwahrung lassen sich nicht wegzaubern. Entgegen der Annahme der AfD-Fraktion stellt diese Hürde ein für Jahrhunderte bedeutsames Sicherheitsrisiko dar. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage, die Endlagerung von Atommüll ist eine geologische, politische und ideologisch bislang ungelöste Sicherheitsaufgabe. Die saubere Kernenergie der Zukunft – ich sehe sie nicht am Horizont. Teile der Realität auszublenden gehört zwar zum menschlichen Handeln – zur Politik sollte dieses Ausblenden keinesfalls gehören. In der Welt passieren Dinge, vor denen wir künftige Generationen schützen wollen, aus ganz zwingenden Gründen: Wir besitzen keine zweite Welt, auf die wir im Notfall zurückgreifen können. Vorschlag: Erklären Sie, Herr Urban, den Menschen in Sachsen die Vorteile der Kernenergie. Erklären Sie den Menschen gleichzeitig aber auch die schwerwiegenden Nachteile und die Hürden, die nach wie vor ungeklärt bleiben. Erklären Sie außerdem Ihre Sicherheitsphilosophie in Bezug auf die von Ihnen gewünschten Atomkraftwerke in unserem Land. Befragen Sie repräsentativ viele Menschen zu ihrer Akzeptanz von Atomkraftwerken in der eigenen Nachbarschaft – in Sachsen, in der Lausitz. Auf welches Ergebnis werden Sie sich wohl einstellen müssen? (Jan-Oliver Zwerg, AfD: Ist schon da, haben wir gemacht!) – Haben Sie die Kampagne, die Sie gerade fahren, eigentlich mit Herrn Chrupalla abgestimmt? Sein Slogan „Heimat bewahren“ war es doch, der ihn in den Bundestag gebracht hat. Jetzt den Boden um Boxberg aufzubuddeln und strahlendes Zeug zu platzieren – ich glaube nicht, dass das zur Zustimmung von Herrn Chrupalla führt. Wir in der CDU machen Politik der Mehrheiten. Solange es keine Kernenergietechnik ohne folgenschweren Atommüll und Sicherheitsrisiken gibt, gibt es auch keine Mehrheit in der Bevölkerung für diese Form der Energiegewinnung. Deutschland tut gut daran, beim 2011 gesetzlich beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie zu bleiben. Es bleibt sinnvoll, nach vorn zu schauen und nach besseren Lösungen zu suchen. Wir sollten uns jede Zeit nehmen, um über den smarten, intelligenten Energiemix der Zukunft miteinander zu reden. Wofür wir heute jedoch keineswegs an diesem Rednerpult stehen, ist, kalten Kaffee auf dem Niveau von Boulevardzeitschriften zu erwerben. Vielen Dank. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Rohwer sprach für die CDU-Fraktion. Nun übergebe ich das Wort an die Fraktion DIE LINKE, an Herrn Kollegen Böhme.
