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Sabine Friedel

SPD 24.06.2021 Sitzungen 7/33

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank an meinen Vorredner und meine Vorrednerin, die ja schon ausführlich zum Antrag ausgeführt haben. Insofern sind Sie bestens darüber informiert, was im Antrag steht. Ich möchte noch einen oder zwei Aspekte aufgreifen, die nicht im Antrag stehen. Sie stehen deshalb nicht im Antrag, weil sie zum einen für uns Bildungspolitiker hier im Plenum nicht zugänglich, sondern eher Sache des Ministeriums sind, und zum anderen sind es gar nicht unbedingt bildungspolitische Fragen, sondern Fragen der Verkehrspolitik oder der Finanzpolitik, eben solche, die wir in unserer Gesamtverantwortung betrachten müssen. Ich nenne ein Beispiel. Wer möchte, dass Kinder und Jugendliche sich mehr bewegen, der muss ein großes Interesse daran haben, dass Schulen zu Fuß oder per Rad erreichbar sind. Deswegen setzen wir uns für ein dichtes Schulnetz ein. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass auch kleine Grundschulen erhalten bleiben, dass Grundschulbezirke nicht riesig sind, dass es gelingt – nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in den Mittelzentren –, durch jahrgangsübergreifenden Unterricht beispielsweise dafür zu sorgen, dass Schulstandorte immer wohnortnah sind oder dass weiterführende Schulen ebenfalls nicht standardmäßig immer nur mit dem Auto der Eltern oder mit dem Bus erreicht werden können, sondern im Wohnort einen Platz haben. Dafür gibt es Gemeinschaftsschulen, dafür gibt es die Oberschule plus. Wer möchte, dass sich Kinder und Jugendliche bewegen, und zwar nicht nur in der Sportstunde, der muss einerseits dafür sorgen, dass das Schulnetz dicht ist, und andererseits aber auch dafür, dass sich entlang der Schulwege Radwege befinden und dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass man sich nicht nur in den Städten, sondern auch in den ländlichen Räumen mit dem Fahrrad sicher bewegen kann. Es gilt auch dafür zu sorgen, dass in der Schule selbst die Sitzzeit reduziert wird. Es gibt schon viele Schulen – Herr Rost hat es erwähnt –, die am Programm „Bewegte Schule“ teilnehmen und die mit ganz innovativen Ansätzen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche in Bewegung kommen, nicht nur im Sportunterricht, sondern darüber hinaus. Aber wir haben auch noch viele Schulen, in denen es Standard ist, dass man 45 Minuten lang still sitzen muss – vor allem: still sitzen. Der natürliche Bewegungsdrang, den Kinder und Jugendliche haben, wird gebremst, und es gilt als ein Erfolg, wenn ein Kind es geschafft hat, 45 Minuten lang still zu sitzen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn diese Kinder als Erwachsene gar keine Bewegungslust mehr verspüren, weil sie in ihrem Kindesalter in ihrem Bewegungsdrang eingeschränkt worden sind. Was kann man da machen? „Bewegte Schule“ ist ein wichtiges Konzept, ein zweites ist der rhythmisierte Ganztag. Wenn ich es schaffe, Schule so zu gestalten, dass man nicht von früh um 8 Uhr bis 13 Uhr still sitzen muss, sondern dass sich Unterricht und Freizeitphasen abwechseln, dass Bewegung am Vormittag genauso normal ist wie am Nachmittag, dann habe ich einen weiteren wichtigen Schritt getan. Deswegen war es uns wichtig, im Haushalt für Mittel zur Intensivierung des Ganztags zu sorgen. Ich kann auch Exkursionen planen. Wir alle sind sehr froh, wenn die Pandemielage es jetzt wieder zulässt, dass Schüler hinauskönnen aus dem Schulgebäude, damit Kinder und Jugendliche anhand konkreter Erfahrungen lernen können und nicht nur in der Theorie. Ich kann Gruppenarbeit vorsehen, ich kann Experimente durchführen. Ich muss den Satz des Pythagoras nicht an der Tafel erklären – ich kann ihn auf dem Schulhof erklären, indem die Klasse ein Dreieck bildet und dann schaut, wie sich die Winkel denn verhalten, wenn man sich unterschiedlich bewegt. Das ist eine Frage, die natürlich mit den Impulsen zu tun hat, die die Schulaufsicht gibt. Sie hat aber auch ganz viel mit der Bereitschaft von Lehrkräften zu tun, solche Impulse aufzunehmen. Sie hat auch etwas mit den Schulträgern zu tun. Die Schulträger möblieren unsere Schulen, und dabei gibt es intelligentere Arten, als einfach nur Tische und Bänke in ein Klassenzimmer zu stellen. Wir haben Schulen, in denen Leseecken eingerichtet sind. Oder es gibt eben nicht nur den klassischen Stuhl, sondern auch den Sitzball. Da ist es möglich, im Unterricht den einen oder anderen Platz zu wechseln, um etwas anderes zu machen. Wir haben Schulträger, die darauf achten, dass es in ihren Schulhäusern Bewegungsmöglichkeiten gibt, dass da nicht einfach nur der Stuhl herumsteht und der Schrank, sondern dass Pause auch Bewegung in der Schule, im Schulgebäude und nicht zuletzt auf dem Schulhof bedeutet und möglich macht. Alles in allem: Der Antrag zeigt viele Möglichkeiten auf, Bewegung in die Schule zu bringen. Es gibt darüber hinaus noch eine ganze Menge. Wir sollten das immer im Hinterkopf behalten, wenn wir über das Schulnetz diskutieren, wenn wir über Verkehrspolitik diskutieren. Wir werden bestimmt gleich noch hören, dass es das Schlimmste gewesen ist, die dritte Sportstunde abzuschaffen. Aber genau das ist der Punkt: Bewegung in der Schule, das ist nicht die dritte Stunde Sport – das sind die Lebensumstände, die Kinder und Jugendliche vorfinden in einer Institution, in der sie fast den ganzen Tag verbringen. Ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen, neben den im Antrag genannten Punkten noch einiges mehr auf den Weg zu bringen, um den Ort Schule tatsächlich zu einem bewegten Ort zu machen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, den BÜNDNISGRÜNEN und vereinzelt bei der CDU) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die SPD-Fraktion sprach Kollegin Friedel. Nun spricht für die AfD-Fraktion Kollegin Penz. Bitte schön.

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