Prof. Dr. Roland Wöller
Vielen Dank, Frau Kollegin. Lassen Sie mich vorab sagen: Gewalt, ob sie vor dem Stadion oder im Stadion, vor dem Fußballspiel, während des Fußballspiels oder danach passiert, ist völlig gleichgültig, Gewalt ist Gewalt. Sie hat weder etwas im Fußball oder sonstigem Sport noch etwas in unserer Gesellschaft zu suchen, sondern muss mit aller Härte des Gesetzes bekämpft werden. Deswegen haben wir es schon lange beobachtet und der 16. Mai 2021 war es, glaube ich, der sich bei mir ein bisschen eingebrannt hat – nicht nur aufgrund der Freude aufgrund des Aufstiegs von Dynamo, sondern auch aufgrund der massiven Ausschreitungen in einer Art und Weise, wie ich sie vorab noch nicht gesehen habe –: 500 gewalttätige bzw. gewaltbereite Hooligans, die ganz gezielt und geplant Angriffe auf die Polizei verübt haben. Am Ende des Tages hatten wir 185 verletzte Polizistinnen und Polizisten. Das ist für mich ein unerträglicher Zustand. Wir sind schon in Gesprächen mit Dynamo, wie wir die Situation bewältigen können. Es ist ja nicht allein ein Dresdner oder sächsisches Phänomen, sondern das ist in Deutschland verbreitet, aber man muss zugeben, hier in Sachsen am Rande von Dynamo-Spielen ist es doch ein sich sehr verfestigendes Phänomen. Die personalisierten Tickets sind für mich kein Allheilmittel, aber wir sollten irgendwann einmal anfangen. Wir haben jahrelang auch mithilfe des Landtags und jetzt mit noch mehr Hilfe des Landtags Fanarbeit gemacht und diese auch finanziert – ein ganz klares Signal. Ich bin dankbar, dass sich Dynamo Dresden von dieser Gewalt klar distanziert hat, aber es muss uns gelingen, bundesweite Stadionverbote gegen solche Personen, die gewalttätig geworden sind, wirksam umzusetzen. Deswegen ist es ein erster Schritt, den wir gehen wollen. Die Innenministerkonferenz hat sich meinem Vorschlag angeschlossen – nur für Risikospiele, also keine flächendeckenden personalisierten Tickets. Wir wollen das prüfen. Wie Sie wissen, sind EM-Spiele auch auf deutschem Boden, in München, mit personalisierten Tickets technisch möglich, auch wenn die Pandemielage eine andere Begründung ist. Ich finde, dass wir ernsthaft – das haben wir in Aussicht genommen – mit der Deutschen Fußballliga und mit dem DFB darüber reden wollen, wie wir das bei wirklichen Risikospielen – darauf soll es beschränkt sein – einmal angehen, wissend, dass wir damit nicht die gesamte Gewalt von heute auf morgen beseitigen können. Aber ich glaube, wir brauchen ein klares Signal an diejenigen, die gewalttätig sind, dass sie nicht mehr in die Stadien können. Wir brauchen beim Hausrecht und beim Eigentümer mehr Mithilfe als bisher, um das wirksam durchzusetzen. Ich bin über die Debatte froh, und ich bin auch froh, dass sich meine Kolleginnen und Kollegen dem angeschlossen haben und freue mich natürlich, sehend, dass das auch Nachteile hat und datenschutzrechtliche Schwierigkeiten mit sich bringt. Aber ich finde, es ist es wert, eingedenk der vielen Hunderttausend Fans, die zu Dynamo- und zu anderen Fußballspielen gehen, Freude haben und ein Fußballfest feiern wollen. Die müssen wir von den gewaltbereiten Hooligans trennen. Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Bitte an die drei Minuten denken.
