Georg-Ludwig von Breitenbuch
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 300 Jahre Nachhaltigkeit in Sachsen, Bewirtschaftung unserer Wälder – auch hier im Landtag immer wieder Thema: Wie gehen wir mit Waldbau um? Wie geht es in den Wäldern bei uns weiter? Holz aus nachhaltigen Herkunftsquellen ist in den letzten Jahren ein wichtiges Thema geworden. Wo kommt das Holz her? Wie wird es produziert? Inzwischen sind 80 % der Waldfläche in Deutschland deswegen zertifiziert, unabhängig zertifiziert von Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben. Es gibt unterschiedliche Systeme. Das erste System war FSC, das von Umweltverbänden, Wirtschaftsunternehmen und Gewerkschaften mit dem Ziel gegründet wurde, einheitliche Standards bei der Holzherstellung und Holz-Zurverfügungstellung zu gewährleisten ist. In Deutschland ist ungefähr eine Million Hektar damit zertifiziert. Vor allem politisch gewollte Entscheidungen für öffentliche Wälder sind hier abzulesen. So sind in Sachsen vor allem der Stadtwald in Chemnitz und in Leipzig letztendlich hier mit FSC unterwegs. FSC ist 1994 gegründet worden. 1998 kamen die privaten Waldeigentümer mit einem eigenen Zertifizierungssystem, das entsprechend genauso die Dinge abzubilden versucht hat, es preiswerter zu machen, hier ein anderes System insgesamt hineinzubringen und trotzdem die Aspekte zu berücksichtigen, die hierzu nötig sind. Insofern ist also PEFC mit 8 Millionen Hektar auf einem Großteil der Flächen, gerade auch Kleinprivatwald. Forstbetriebsgemeinschaften sind dort zertifiziert und kommen deswegen auch mit diesem Label an den Markt, weil manche Holzkäufer sagen: Wir kaufen nur zertifiziertes Holz. Insgesamt sind hier die Unterschiede also vielfältig. Ich möchte darauf noch einmal eingehen. Es gibt dort eine Konkurrenz, einen Streit, der auch teilweise politisch ausgetragen wird. Es geht um unterschiedliche Standards, die bei FSC, dem älteren Zertifizierungssystem, höher sind. Man darf 5 % der Waldfläche nicht bewirtschaften; man muss zehn Bäume pro Hektar stehenlassen als Habitatsbäume; chemischer Pflanzenschutz ist nur mit behördlicher Anordnung erlaubt. Der Abstand von Rückegassen ist ein großes Thema, entsprechend die Kosten der Holzrückung, weil dann zugefällt werden muss, entsprechend höher. Insgesamt gibt es dann mehr Kosten, weniger Holzertrag, weniger Arbeitskräfte in diesen Betrieben und einen Vermögensverlust. im sächsischen Staatswald CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD, der Staatsregierung Wir haben in den Koalitionsverhandlungen dieses Thema kontrovers besprochen und uns verständigt, dass in einem Teil des Sachsenforstes – unsere Vorstellung war eigentlich in drei Revieren, einem in der Fichte, einem in der Kiefer und einem dazwischen, letztlich im Laubwaldgürtel in Sachsen –, dies ausprobiert und ein Vergleich geschaffen wird – zusammen mit der TU Dresden: Was kostet das, was bringt das? –, sodass man hier eine Probe macht und ein Pilotprojekt installiert. Das haben wir letztlich vereinbart, das steht in diesem Antrag. Entsprechend wollen wir wissen, was die Vorteile und die Nachteile dieser FSC-Zertifizierung gegenüber der bisher auch im Sachsenforst angewandten PEFC-Zertifizierung sind, was die finanziellen, personellen, bürokratischen Aufwendungen dazu sind und wie vielleicht auch die positive Vermarktungswirkung ist. Es könnte auch sein, dass es Leute gibt, die sagen: Genau das suchen wir, und nur das. Die Frage ist, wie man dann mit einer Doppelzertifizierung umgeht. Das wollen wir uns in Ruhe anschauen. Deswegen dieser Antrag, und deswegen bitten wir hier um Zustimmung. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU und der SPD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege von Breitenbuch sprach für die Fraktion der CDU. Nun die Fraktion BÜNDNISGRÜNE, Herr Kollege Zschocke, bitte schön.
