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Kathleen Kuhfuß

GRÜNE 21.05.2021 Sitzungen 7/31

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Alexander Dierks hat den Rahmen schon gut beschrieben. Das, was wir hier machen, ist, etwas nachzuzeichnen. Bevor ich darauf eingehe, würde ich Sie gern gedanklich mitnehmen, vielleicht in Ihr erstes Ferienlager oder Ihre erste Rüstzeit oder das Jugendlager der Feuerwehr, (Zuruf von den LINKEN) an das Lagerfeuer, an das Stockbrot. Der eine oder andere hat vielleicht seinen ersten Kuss im Ferienlager bekommen. (Zuruf von den LINKEN und der AfD) Für uns alle war das auf jeden Fall einer der ersten Gehversuche ohne Eltern. So ist es auch heute noch. Für Kinder und Jugendliche sind diese Ferienmaßnahmen eine Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen auszuprobieren. Das alles geht nur, weil wir motivierte Freiwillige haben, die den Tag strukturieren und bei Kummer trösten. In Zeiten von Instagram, von TikTok, von Youtube und oft auch ungefiltertem Medienkonsum von jungen Menschen sind diese Angebote noch wichtiger als in unseren Jugendtagen. Die Fähigkeiten und Erfahrungen, die wir Kindern und Jugendlichen in einem pädagogisch begleiteten Setting mitgeben, sind wichtig für das gesamte Leben – so ist zumindest meine Erfahrung. Es klingt vielleicht banal, aber ein 13-Jähriger, der in meinem letzten Wintercamp feststellte, dass er nicht alleine die Bettwäsche beziehen kann, hat im nächsten Jahr gelernt, dass es auch außerhalb von „Pension Mama“ gelingt, sein Leben zu bestreiten. Eine solche Situation kann ganz schnell zu Ausgrenzung und Häme führen, wenn man keine guten Gruppenleiter hat, die das Ganze auffangen. Kinder und Jugendliche lernen in außerschulischem Kontext und ungezwungen, selbst Verantwortung zu übernehmen, Konflikte zu lösen, den Tag miteinander zu gestalten und ihren Platz im Team zu finden. Vielleicht macht es doch Sinn, sich noch einmal mit Kinder- und Jugenderholung zu beschäftigen. Man lernt dort auch, sich gut zu benehmen. (André Barth, AfD: Das können wir!) Wer sich ab und an mit den Trägern unterhält, weiß, dass es jedes Jahr schwerer fällt, diese Ehrenamtlichen zu finden, die ihre Wochenenden und oft ihren Jahresurlaub damit verbringen, sich um unsere Kinder und Jugendlichen zu kümmern, statt ihren Jahresurlaub zu nutzen, um die Füße hochzulegen. Damit Ferienlager für Sport-, Naturfreunde und Jugendfeuerwehren auch weiterhin stattfinden können, braucht es eine Unterstützung der Strukturen und Ehrenamtlichen. Mit der Jugendleitercard hat sich in den letzten Jahren ein bundesweiter Standard etabliert. So können sich Eltern auf der einen Seite darauf verlassen, dass ihre Kinder in guten Händen sind, und auf der anderen Seite wissen die Träger auch, dass sie qualifizierte Ehrenamtliche haben. Natürlich ist es auch eine tolle Möglichkeit für junge Menschen, sich auszuprobieren und Erfahrungen an der Seite von alten Häsinnen zu sammeln. Sie erleben die Kinder einmal ganz ungezwungen, fernab von Schule und Elternhaus. Diese engagierten jungen Menschen machen ihre Erfahrungen und sind möglicherweise auch motiviert, einen sozialen Beruf zu ergreifen. Vielleicht werden sie unsere Erzieher(innen), Pfleger(innen) oder Lehrer(innen) von morgen. Sachsenweit – das meinte ich eingangs – ist eines der wenigen Bundesländer, welches diese Qualifikation noch nicht kostenfrei gestellt hat. Aus der Situation, die wir jetzt haben, dass Ehrenamtliche Geld dafür bezahlen, um eine vorgeschriebene Ausbildung zu machen, die sie brauchen, um ehrenamtlich tätig zu sein, machen wir jetzt einen ernsthaften Schritt heraus. (Beifall der Abg. Sabine Friedel, SPD) – Beifall! – Ich finde das wichtig! Wir haben gestern auch beschlossen, dass wir die Ausbildung der Ausbilder bezahlen und damit auch die Wiederholungsschulungen kostenfrei stellen. Wir hatten vorhin schon bei der Aktuellen Debatte darüber gesprochen: Die Reanimation dieses Ehrenamtes ist in dieser Zeit besonders wichtig. Ich glaube, wir geben mit diesem Antrag und mit der Kostenlosigkeit für diese Ehrenamtskarte ein Stück weit Respekt. Um noch einmal ein Stück weiter auszuholen: Es werden noch ein paar andere Sachen notwendig, die wir in dieser Legislaturperiode vielleicht noch angehen können. Ich denke dabei zum Beispiel an den automatischen Zugang zur Ehrenamtskarte, wenn man seine Juleica bekommt, oder – eine Idee, für die ich vielleicht noch einige Freunde in diesem Haus gewinnen kann – an eine Regelung, dass junge Menschen, die sich engagieren und sich fortbilden, einen leichteren Zugang zu Bildungsurlaub in Sachsen bekommen können. Weiterhin wäre eine praktikablere Antragstellung für überörtliche und kommunale Träger etwas, was sehr reizvoll wäre, es einmal umzusetzen. Last, but not least – schon auch, um ein bisschen die AfD zu ärgern – möchte ich noch kurz auf die internationale Jugendarbeit eingehen. Auch die internationale Jugendarbeit lebt von Ehrenamtlichen. Sachsen hat es bitter nötig, internationale Jugendarbeit zu machen. (Vereinzelt Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Auch wenn einige Abgeordnete dieses Hauses das nicht so sehen, aber wir leben in einem globalen Kontext: Wir reisen global. Wir handeln global. Dazu braucht es Kompetenzen. Deshalb ist die kostenlose Juleica auch eine Maßnahme, um Gruppenleiter dafür zu qualifizieren, mit ihren jungen Menschen ins Ausland zu fahren, nach Tschechien ins Naturcamp oder nach Frankreich, um gemeinsam die Geschichte aufzuarbeiten. Diese Ehrenamtlichen brauchen nicht nur Fremdsprachenkompetenz, müssen sich in dem Land auskennen und mit der Gruppe dort Kontakt halten, sondern sie brauchen auch eine ganz klare Haltung, um mutig als Sachse in die Welt zu gehen und jungen Sächsinnen und Sachsen interkulturelle Kompetenzen beizubringen. Es bleibt also noch etwas zu tun. Heute bitte ich Sie aber einfach nur, diesem kleinen, aber mir sehr wichtigen Antrag der kostenlosen Juleica zuzustimmen, und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und vereinzelt bei der SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die SPDFraktion Herr Abg. Hohmann, bitte.

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