Simone Lang
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Laut Konrad Lorenz, Zoologe und Nobelpreisträger, entspringt „der Wunsch, ein Tier zu halten, einem uralten Grundmotiv, nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies“. Tiere, zu denen wir eine soziale Beziehung aufbauen, werden zu Gefährten. Die Verhaltensforschung hat gezeigt, dass bereits Kleinkinder zutiefst tierfreundlich sind. Die Liebe zum Lebendigen ist universal. Daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade in der aktuellen Situation viele Menschen die Sehnsucht nach der Gesellschaft eines Tieres verspüren. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und vermehrtem Homeoffice scheint die Gelegenheit günstig. Doch die Sehnsucht vieler nach der tierischen Gesellschaft stößt auf warnende Stimmen aus den Tierheimen, denn die Entscheidung für ein Tier sollte jeder und jede gut abwägen. Es ist eine Entscheidung, die zum Teil viele Jahre der Fürsorge nach sich zieht. Zu oft wird vergessen, dass Tiere nicht Mittel zum Zweck sind, sondern Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, die gewährleistet werden müssen. Auch die Frage, woher das Tier kommt, spielt mit Blick auf den Tierschutz eine wichtige Rolle. In den vergangenen Monaten haben wir immer wieder Meldungen gehört, wonach illegaler Welpenhandel boomt. Denn diese Tiere, die meist aus Osteuropa stammen – und auch das haben wir schon gehört –, sind krank und ungeimpft und wurden zu früh von der Mutter getrennt. Viele Tierheime befürchten, dass sich Menschen leichtfertig für die Anschaffung eines Tieres entscheiden und mit dem Ende der Infektionswelle eine Rückgabewelle einsetzt. Daher möchte ich an alle appellieren: Gehen Sie vor einem Kauf wirklich in sich, lassen Sie sich im Tierheim beraten, und führen Sie sich vor Augen, ob Sie auch in den kommenden Jahren Zeit und auch das Interesse haben werden, sich um ein Tier zu kümmern. Die Frage nach dem Tierwohl stellt sich, wie wir alle wissen, natürlich nicht nur bei dem Hund, der Katze oder dem Kaninchen. Das Wohl von landwirtschaftlichen Nutztieren lässt uns in der Pandemie nicht los und wird uns auch nach der Pandemie begleiten. Es ist gut, dass die Haltung von Tieren in der Landwirtschaft unter besonderer gesellschaftlicher Beobachtung steht. Denn der Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung gemeinsam mit den Landwirten ist ein sehr langwieriger Prozess, den wir als Verbraucherinnen und Verbraucher im Kleinen mitgestalten können. Als Koalition bekennen wir uns zu einer flächengebundenen und tiergerechten Nutztierhaltung. Wir setzen uns für eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Wichtig ist hierfür die konsequente Einhaltung und amtliche Kontrolle der tierschutzrechtlichen Vorgaben. Das Personal dafür muss gestärkt und aufgestockt werden. Mit dem beschlossenen Doppelhaushalt sind wir bereits auf dem richtigen Weg. Auch die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher muss in den Blick genommen werden. Hierfür muss der Kontrollapparat in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Zugleich ist zentral, dass der Einsatz von Antibiotika in der Nutz- und Tierhaltung weiter reduziert wird. Den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung lehnen wir ab. Zum Schluss möchte ich mich noch einmal bei den vielen engagierten Menschen bedanken, die sich unermüdlich für den Schutz und das Wohl von Tieren einsetzen, im Kleinen wie im Großen, in Tierheimen und in Tierschutzvereinen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, den BÜNDNISGRÜNEN und der Abg. Susanne Schaper, DIE LINKE)
