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Lucie Hammecke

GRÜNE 21.05.2021 Sitzungen 7/31

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Während ich der festen Überzeugung bin, dass das Thema Mutterkuhhaltung, aber auch das Thema Zweinutzungshühner sicher spannende Themen sind, möchte ich jetzt meinen Blick doch noch einmal auf die Situation der sächsischen Tierheime richten. Sie werden – das hatte Frau Schaper am Anfang gesagt – mit großem Engagement von Tierschutzvereinen, aber mehrheitlich durch Einzelne betrieben. Deshalb gilt mein großer Dank und der Dank meiner Fraktion all denen, die sich tagtäglich um das Wohlergehen der Tiere sorgen. Auch das wurde bereits erwähnt: Die Corona-Pandemie geht an sächsischen Tierheimen offensichtlich nicht vorbei. Laut Deutschem Tierschutzbund sind in 56 % der Tierheime die Spendeneinnahmen durch die Coronakrise gesunken, während gleichzeitig Nebeneinnahmen, zum Beispiel durch Hundetraining oder Tierbetreuung, entfallen. Die Grundkosten fallen aber weiter an, denn Tiere müssen auch dann versorgt werden, wenn wir gerade in einer Pandemie leben. Deshalb war es wichtig, dass es jetzt einerseits vonseiten des Freistaates finanzielle Unterstützung gab, aber auch die Überbrückungshilfen für existenzbedrohte Träger, von denen auch sächsische Tierheime profitiert haben, und andererseits, dass jetzt die Förderung von 5 Millionen Euro für die Tierheime für den einmaligen Zuschuss von 7 500 Euro auf Bundesebene beschlossen wird. Wir haben uns auch im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass wir die Tierheimfinanzierung auf etwas andere Füße stellen wollen, und gehen jetzt einen ersten Schritt im sächsischen Doppelhaushalt. Im Zuge der Novellierung der kommunalen Pauschalenverordnung muss eine Lösung gefunden werden, um die Personalkosten finanzieren zu können, und im Haushalt haben wir bereits die Zuschüsse für sächsische Tierheime von 350 000 Euro auf 670 000 Euro erhöht, um damit einen ersten Schritt zur Personalkostenfinanzierung auf Landesebene zu machen. Seit Beginn der Pandemie las man immer wieder, dass die Coronakrise für viele Heimtiere zum Glücksfall werden würde – doch das könnte ein Trugschluss gewesen sein. Knapp 35 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel lebten im Jahr 2020 in deutschen Haushalten. Das sind eine Million Tiere mehr als noch im Jahr davor. Im Jahr 2020 wurden nach Angaben des Verbandes für das Deutsche Hundewesen schätzungsweise 20 % mehr Hunde gekauft. Zeitweise waren die Tierheime fast wie leergefegt. Aber bereits jetzt können wir eine Zunahme bei Abgabetieren in den Tierheimen verzeichnen. Tierheime und Tierschützer befürchten daher zu Recht, dass es zum Ende der Pandemie, wenn Lockdown, Kurzarbeit und Homeoffice wieder zurückgehen, zu einem massiven Anstieg von ausgesetzten und von Abgabetieren kommen kann. Ich möchte noch ein anderes Thema ansprechen, denn gerade der Rückgang von Lockdown, Kurzarbeit und Homeoffice führt auch dazu, dass sich die Situation zu Hause wieder extrem ändert. Besonders Hunde gewöhnten sich in diesen Zeiten an die ständige Anwesenheit von Herrchen und Frauchen und lernten nicht, längere Zeit allein zu sein. Das führt ganz praktisch dazu, dass es zu Hause zu Problemen kommen kann, wie zerstörten Möbeln, Unsauberkeit oder Ärger mit den Nachbarn. Am Ende ist es ein Ausdruck dafür, dass Hunde leiden, weil sie daran nicht gewöhnt sind. Wir befürchten, dass Tierbesitzer den Weg ins Tierheim als die einfachere Lösung ansehen, aber wenn man sich ein Tier anschafft, dann bedeutet das Verantwortung für ein Lebewesen, und zwar vom Anfang des Lebens bis zum Ende. Das müssen wir allen noch einmal deutlich machen. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung) Ich möchte noch kurz ein zweites Thema ansprechen, das auch meine Kollegin der CDU-Fraktion thematisiert hat, und zwar den zunehmenden illegalen Welpenhandel. Allein von Januar bis Ende März 2021 kam es zu 112 aufgedeckten Fällen und fast 800 betroffenen Tieren und damit schon zur Anzahl von knapp zwei Dritteln der Fälle des gesamten letzten Jahres. Dabei war schon im Jahr 2020 die Zahl der vom illegalen Handel betroffenen Hunde im Vergleich zum Jahr 2019 fast verdreifacht. Illegale Transporte mit jungen Heimtieren, meist aus Osteuropa, verursachen nicht nur großes Leid bei den Tieren, sondern auch erhebliche Folgekosten für Tierheime und Kommunen. Die Jungtiere sind meist zu jung, geschwächt durch den Transport, nicht geimpft oder entwurmt, die frühe Trennung von der Mutter kann zu Verhaltensstörungen, die auch dauerhaft bestehen bleiben können, führen. Der schlechte Gesundheitsstatus kann zu Krankheiten infolge des Transports kommen, deshalb ist es unabdingbar, dass auf Bundesebene der Internethandel beschränkt und gesetzlich reguliert wird. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und des Staatsministers Wolfram Günther) Wir müssen über noch ein Thema sprechen, die Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen. Ich finde, sie sollte europaweit vorgeschrieben werden. Die Registrierungsportale sollten auch vernetzt werden. Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Einerseits kann man illegalen Handel eindämmen, andererseits das Aussetzen von Hunden und Katzen und damit eine unkontrollierte Vermehrung von Freigängern. Es ist sicher für alle im Saal sehr gut nachvollziehbar, dass auch das Wiederfinden von Ausreißern sehr viel einfacher wird. Sehr geehrte Damen und Herren! Meine Redezeit ist zu Ende, aber ich bin sehr dankbar, dass wir das wichtige Thema heute besprechen. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)

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