Thomas Prantl
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Tierschutz ist fachlich und rechtlich sehr differenziert zu betrachten. Das Wohlergehen unserer Mitgeschöpfe ist mit wachsendem politischem Gewicht, mit berechtigten ethischen Fragen und auch immer mit starken Emotionen verbunden. Der Tierschutzbegriff lässt viele Blickwinkel auf die Materie zu: auf Nutztiere, auf Haustiere, wildlebende Tiere, auf Eingriffe an Tieren, wie Tierversuche, auf die Zucht, die Haltung, Transport, Schlachtung und Verarbeitung. Unsere Gesellschaft braucht ein geschärftes Bewusstsein für den Tierschutz, aber auch eine pragmatische und differenzierte Debatte zum Tierwohl. Der Deutsche Ethikrat beschrieb im Juni 2020 zutreffend, wie eng die Nutztierhaltung mit unserer Kulturgeschichte verflochten ist. Das lange Zusammenwirken von Menschen und Nutztieren ließ die Besiedelung vieler Regionen unserer Erde überhaupt erst zu. Auch unsere sächsischen Kulturlandschaften mit ihrer Vielfalt regionaler Kulturformen spiegeln genau das wider. Wie Prof. Karl Mannsfeld sagt, waren Nutztiere unsere Begleiter auf dem Weg aus der Urlandschaft in die Kulturlandschaft. Ein lebendiges Erbe sächsischer Kulturgeschichte sind die Lausitzer Heide- und Teichlandschaft oder die Bergwiesen und Steinrückenlandschaften im Vogtland, im Oberlausitzer Bergland oder in meiner Heimat, dem Erzgebirge. Tierproduktion prägt Landschaft. Landschaft ist Heimat. Heimat ist unsere Wurzel. Vor wenigen Tagen kamen in den Mutterkuhherden am Pöhlberg bei Annaberg deren Kälber auf der Weide unter freiem Himmel an der frischen Luft zur Welt – ein kerngesunder Start ins Leben. Für Besucher aus der Stadt Leipzig oder Dresden sind die weiß-braunen Fleckviehherden mit ihren Kälbern inmitten einer historisch anmutenden Landschaft ein romantisches Idyll. Das ist es für Einheimische und für mich auch. Für den Weidewärter im Mutterkuhbetrieb aus Königswalde ist es harte, verantwortungsvolle und mäßig bezahlte Schwerstarbeit. (Beifall bei der AfD) Gerade die Mutterkuhhaltung mit guten Futterverwertern, wie Simmentaler Fleckvieh, Charolais, Auerochsen oder Wasserbüffeln, zeigt vorbildlich, wie Tierwohl durch artgerechte Haltung geht. Aber was hat denn die Agrarpolitik der EU unternommen, um diese artgerechte und bewährte Form der Tierhaltung zu stützen? Wie hat Sachsen den Mutterkuhbetrieben geholfen? Die Tierhalter sagen es Ihnen: wenig, viel zu wenig. Die extensive Wirtschaftsweise ist nämlich mit intensiver kleinteiliger Arbeit verbunden und das macht die tierschutzkonforme Mutterkuhhaltung unrentabel. Sie steht deshalb in vielen Betrieben vor dem Aus. Ich bin begeistert von der Mutterkuhhaltung, weil sie alles kann: Tiergesundheit, artgerechte Haltung, Qualitätsfleisch, Landschaftspflege, kostengünstigsten Naturschutz, den sich eine Gesellschaft vorstellen kann, Artenvielfalt und werbewirksame Kulissen für den Landtourismus – stimmt‘s, Frau Klepsch? Ein bisschen provokant habe ich in meinen zurückliegenden 20 Dienstjahren in der Landschaftspflege immer wieder betont, dass nicht der Naturschützer, nicht die Veganer und schon gar nicht die grünen Traumtänzer, sondern hart arbeitende Bauern und Tierhalter die Schöpfer und Bewahrer unserer lebenswerten sächsischen Kulturlandschaften sind. Das mal zur Klarstellung. (Beifall bei der AfD) Die intensive Tierhaltung steht in der Kritik, zu Recht und auch zu Unrecht. Dazu zitiert nun DIE LINKE den Nobelpreisträger und Theologen Albert Schweitzer, der sagte: „Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit“. Wenn Sie als LINKE sich schon auf Albert Schweitzer stützen, der ein Freund der Aufklärung war, dann lassen Sie uns sein Wirken etwas tiefer beleuchten. (Widerspruch des Abg. Marco Böhme, DIE LINKE) Er vertraute nämlich auf die Vernunft – können Sie diesen Begriff buchstabieren, Herr Böhme? – mündiger Menschen, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. (Beifall bei der AfD –
