Susanne Schaper
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Schutz von Tieren scheint auf den ersten Blick nicht das vorrangigste Problem unserer Gesellschaft zu sein, erst recht nicht mit dem Blick auf die Corona-Pandemie. Aber meist ist es anders, als man denkt. Ein mangelnder bzw. vielmehr fehlender Tierschutz hat, wie wir heute wissen, erst dazu geführt, dass wir uns in dieser Misere befinden. Covid-19 ist erwiesenermaßen eine Zoonose, eine Krankheit, die sich von Wildtieren auf den Menschen übertragen hat. Expertinnen und Experten haben lange davor gewarnt, dass so etwas passieren kann; denn der Raubbau der Menschen an der Natur und unsere rücksichtslose Ausbeutung von Tieren, ob durch Massentierhaltung, illegale Bejagung oder zum Zweck des Handels mit Wildtieren, erhöht das Risiko solcher Zoonosen massiv. Aus dieser Perspektive ist Tierschutz durchaus kein Orchideenthema. Tierschutz ist in Sachsen aus vielen guten Gründen ein in unserer Verfassung ausdrücklich verankertes Staatsziel. Der wirksame Schutz der Tiere ist ureigene Aufgabe des Staates. Doch wie in anderen Bereichen, kam man der Aufgabe in den vergangenen Jahrzehnten nicht ausreichend nach, sondern man hat sie weg- bzw. auch vor sich hergeschoben, wegdelegiert, outgesourct und auf die lange Bank geschoben, bis der Kessel am Dampfen ist. Eine solche Entwicklung droht uns auch im Tierschutz. Die zur Eindämmung der Pandemie ergriffenen Maßnahmen, insbesondere die Einschränkung bei sozialen Kontakten oder das viele Alleinsein zu Hause, hat bei vielen Menschen in unserer stark individualisierten Gesellschaft das Gefühl der Vereinsamung verstärkt. Nebenbei bemerkt: Seit 1992 haben sich in Sachsen die Single-Haushalte mehr als verdoppelt. Um die Einsamkeit zu kompensieren, haben sich viele ein Haustier angeschafft. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, im Gegenteil, die Kulturgeschichte der Mensch-Tier-Beziehung ist lang. Das Zusammenleben mit Tieren ist tief in uns. Auch ich könnte mir ein Leben ohne tierische Begleiter nicht einmal im Ansatz vorstellen. SPD 23 Minuten, Staatsregierung dreimal 10 Minuten, wenn denn gewünscht. Wir kommen zu Debatte zur Menschlichkeit.“ – Corona-Pandemie! DIE LINKE Damit bin ich nicht alleine. Laut Industrieverband Heimtierbedarf gibt es weit über eine Million Haustiere in Sachsen. Aber Tiere sind Lebewesen. Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen trägt eine Verantwortung. Dem kommen leider nicht alle nach, die sich ein Tier anschaffen. Tierschutzverbände gehen anhand der bereits bekannt gewordenen Fälle davon aus, dass der illegale Haustierhandel über das Internet während der Coronakrise geradezu explodiert ist. Aber selbst wenn die Anschaffung auf legalem Wege erfolgt, liegt die Vermutung nahe, dass nicht jede Haustieranschaffung letztendlich wirklich sehr gut überlegt ist. So ist zu befürchten, dass am Ende der Corona-Maßnahmen die Tierheime mit dieser Flut der wieder abgegebenen Tiere – im schlimmsten Fall sogar ausgesetzter oder vernachlässigter – konfrontiert werden. Hält man sich den Zustand der Tierschutzeinrichtungen in den Tierheimen hier in Sachsen vor Augen, muss stark bezweifelt werden, dass sie damit fertigwerden können – allem Engagement zum Trotz; denn der Freistaat hat den Tierschutz an freie Träger bzw. ihre ehrenamtlichen Helfer delegiert, und das, ohne die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Ich habe es hier schon oft gesagt, und leider stimmt das immer noch: Ohne das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer und die Spenden und Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger wäre der Tierschutz klinisch tot. Außerdem sind die Tierheime durch die Pandemie eingeschränkt. Das beginnt bei der Vermittlungstätigkeit. Die Spenden bleiben aufgrund der finanziellen Unsicherheit aus. Vereinstätigkeiten und Öffentlichkeitsarbeit sind auch nur eingeschränkt möglich. Die im letzten Monat vom Bundesumweltministerium zugesicherten einmalig 7 500 Euro Corona-Hilfen je Tierheim sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, eben, weil der Tierschutz schon Jahrzehnte chronisch unterfinanziert ist. Sachsen bildet hier keine Ausnahme, obwohl im Doppelhaushalt leichte Aufwüchse zu verzeichnen sind. Das reicht aber nicht aus, um das strukturelle Problem zu lösen.
