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Marika Tändler-Walenta

Die Linke 18.05.2021 Sitzungen 7/29

Die erste Überraschung bei der Vorbereitung für diesen Antrag: Ihr Antrag ist vom 7. Mai dieses Jahres, also gerade anderthalb Wochen alt. Demgegenüber ist der Abschlussbericht des Bundesprogramms „Lernort Praxis“ von 2017 schlappe vier Jahre alt. Das Bundesprogramm selbst lief von 2013 bis 2016. Angesichts der Kurzfristigkeit Ihres Antrags und des zeitlichen Abstands zum Programm selbst gehe ich wohl recht in der Annahme, dass zwischenzeitlich die Mühlen des Kultusministeriums gemahlen haben und es beabsichtigt war, uns ohnehin demnächst Vorschläge zur stärkeren Praxisorientierung der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung vorzulegen. Die Koalitionsfraktionen haben den Antrag wohl vor allem deshalb schnell noch gemacht, um dies zu einer parlamentarischen Initiative umzudeuten. Aber sei es drum, zur Sache selbst. Das Bundesministerium hat damals 170 ausgewählten Kitas, darunter 28 aus Sachsen, für zwei oder drei Jahre eine halbe Stelle für das Praxis-Mentoring finanziert und das Ganze unter drei Gesichtspunkten ausgewertet. Ich bezeichne diese mal verkürzt wie folgt: Erstens. Wie stark ist das Selbstverständnis von Kitas als Ausbildungsstätten ausgeprägt? Wie systematisch ist diese Rolle in der Arbeit einer Kita präsent? Zweitens. Wie funktioniert das Zusammenwirken der Praxisausbildung mit der theoretischen Ausbildung an den Fach- und Hochschulen? Drittens. Wie ist es um die soziale Diversität in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern bestellt? Wie hoch ist der Männeranteil, wie hoch der Anteil von Menschen mit migrantischer Herkunft, mit nichtdeutscher Muttersprache oder auch von Quereinsteigern? Ist das wichtig für die Kitas und warum? Wenig überraschend waren die Ergebnisse: Erstens. Die Ausbildung von Fachkräften kann man nicht nebenbei machen, sondern muss sie systematisch in die Arbeitsabläufe integrieren. Zweitens. Eine ständige und systematische Verbindung von theoretischer und praktischer Ausbildung ist gut und richtig. Drittens. Eine Vielfalt der Erfahrungen und Lebenshintergründe im Team ist eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Ressource. Das Letzte gilt natürlich in der sozialen Arbeit im besonderen Maße. Im Prinzip gelten diese drei Sätze letztlich jedoch in jeder Branche und in jedem Beruf. Jede alte Lehrmeisterin und jeder alte Lehrmeister wird einem das bestätigen. Natürlich gilt das auch für jede erfahrene Kita-Leiterin und jeden erfahrenen Kita-Leiter. Übrigens standen diese Überlegungen auch an den Ursprüngen der dualen Berufsausbildung, wie wir sie in Deutschland für die meisten Berufe kennen. Damit will ich gar nicht den Sinn des Bundesprogramms infrage stellen. Es schadet nichts, alte Erkenntnisse erneut zu überprüfen. Man darf danach nur nicht so tun, als habe man etwas gänzlich Neues herausgefunden. Wenig spektakulär ist auch die Erkenntnis, dass in all diesen Bereichen noch viel Luft nach oben ist. So sind wir durchaus neugierig, welche konkreten Vorschläge uns die Staatsregierung im September vorschlagen wird. Wir erlauben uns hier, auf Aspekte hinzuweisen, die aus unserer Sicht dringend geboten wären: Erstens. Fachkräfte werden in allen Bereichen dringend gebraucht. Wenn die Kitas mithalten wollen, müssen sie nicht nur gute Arbeitsbedingungen und Spaß an der Arbeit, sondern auch eine anständige finanzielle Perspektive bieten. Ein kleiner Schritt ist insofern getan, als künftig das Schulgeld faktisch entfallen wird. Der notwendige zweite Schritt, eine Ausbildungsvergütung, steht aber immer noch aus. Wir halten das für eine zentrale Notwendigkeit, gerade auch wenn man mehr Quereinsteiger für den Beruf gewinnen will. Zweitens. Eine bessere Ausbildung in der Kita-Praxis selbst und eine bessere Zusammenarbeit mit der ausbildenden Schule brauchen zeitliche Ressourcen in der Kita. Auch da sind im Haushalt einige kleine Schritte gegangen worden. Letztlich steht und fällt die Qualitätsverbesserung in der Ausbildung wie auch die Qualitätsverbesserung in der Betreuung mit der frühkindlichen Bildung selbst. Wir legen Ihnen deshalb bei den Haushaltsverhandlungen unseren Ansatz nahe, den Betreuungsschlüssel in den nächsten Jahren schrittweise zu erhöhen. Die bisher übliche sprunghafte Verbesserung aller paar Jahre birgt eher die Gefahr, die kontinuierliche und systematische Ausbildung des Berufsnachwuchses zu überfordern. Drittens. Was immer Sie vorschlagen: Schlagen Sie etwas vor, was die Ausbildung in allen Kitas möglichst unkompliziert und nachhaltig verbessert. Was wir am allerwenigsten brauchen, ist mehr Bürokratie mit aufwendigen Antrags- und Abrechnungsverfahren, was die Kitas bei ihrer eigentlichen Arbeit behindert. Ja, ich weiß, diese drei Forderungen kosten Geld. Deshalb mache ich Ihnen einen konstruktiven Vorschlag: Wir stimmen Ihrem etwas doch luftigen Antrag zu und dafür stimmen Sie morgen bei den Haushaltsberatungen unseren Änderungsanträgen zu, deutlich mehr Geld ins Kita-System zu geben. Dann kommt am Ende vielleicht etwas Vernünftiges heraus. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN –

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