Sabine Friedel
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss gestehen, dass ich bei dem Debattentitel ein wenig ratlos war und nicht genau wusste, wie ich mich auf diesen Redebeitrag vorbereiten soll. Ich bin auch nach dem Redebeitrag des Herrn Kollegen weiterhin ratlos. All die Probleme, die Sie hier genannt haben, sind nicht neu. Sie wurden schon mehrfach benannt, und zwar nicht nur von Ihnen, sondern auch von uns, vom Kultusministerium selbst sowie von vielen Eltern und Lehrkräften. Das Gute ist, dass sich das alles nicht im Benennen von Problemen erschöpft hat. Wir machen seit über einem Jahr nichts anderes, als uns jedes dieser Probleme anzuschauen, um zu prüfen, was man akzeptieren muss bzw. was sich im schulischen Bereich nicht lösen lässt. Dabei denke ich beispielsweise an die Tatsache, dass wir eine Pandemie haben. Es geht dabei darum, mit der neuen Situation umzugehen und trotz alledem, auch wenn derzeit keine Praktika möglich sind, Berufsorientierung in virtueller Weise zu geben, und in den Präsenzphasen an der Schule nicht nur fachlichen Unterrichtsstoff, sondern auch das, was fehlt – soziale Kompetenzen, Zusammenleben usw. – zu vermitteln. All das passiert doch. Sie wissen auch, dass das passiert. Insofern bin ich ratlos, und es hat auch keinen Sinn, zu wiederholen, was Herr Gasse und Frau Melcher ganz treffend gesagt haben. Sie nehmen es nicht wahr. Sie nehmen nur die Probleme wahr. Sie nehmen – bei all dem Schatten, den diese Pandemie verursacht – nicht das Licht wahr, das es dazwischen gibt. Ich will versuchen, Ihnen zu helfen und das eine oder andere noch einmal in den Blick zu nehmen. Wir haben – weil es sein musste – im Bereich digitale Bildung unglaubliche Fortschritte gemacht. Das kann man nicht einfach negieren. Das können auch Sie nicht wegdiskutieren. Diese Fortschritte empfinden inzwischen auch sehr viele Lehrkräfte als eine unglaubliche Bereicherung. Schauen Sie ab und an einmal in den Blog des Kultusministeriums; es lohnt sich gerade heute wieder mit einem Erfahrungsbericht. Wir haben einen großen Schub beim selbständigen Lernen der Schülerinnen und Schülern erreicht. Wenn Sie im Gespräch mit den Schülern sind, dann hören Sie, was funktioniert bzw. läuft, von dem man früher nie gedacht hätte, dass es läuft, und Sie werden ins Staunen kommen. Wir ignorieren nicht, dass es immer noch viele Schwierigkeiten gibt; natürlich, das ist keine Frage. Aber so eindimensional, wie Sie es darstellen, ist es doch nicht. Wir haben einen Kreativitätsschub bei den Lehrkräften, was inzwischen an Unterrichtsvorbereitungen nicht nur geteilt, sondern gemeinsam erstellt wird, was an Kommunikation zwischen den verschiedenen Fächern passiert, was an Abstimmung fachübergreifend stattfindet – das wäre vor zwei, drei Jahren noch undenkbar gewesen. Auch hier haben die sehr schwierigen, bedauerlichen Umstände der Pandemie, in die wir nun einmal alle geraten sind und die sich keiner freiwillig ausgesucht hat, als Katalysator fungiert. Wir haben unseren Fokus auf die soziale Benachteiligung gerichtet. Das hatten wir zwar schon in den vergangenen Jahren; aber wir konnten diese Aufgabe nicht so entschlossen angehen. Auch das ist etwas wert, glaube ich, und das wird man im Haushalt auch in den nächsten zwei Tagen sehen. Ein letzter Punkt. Wir haben inzwischen in der Schulaufsicht eine Orientierung, die nicht mehr nur auf Noten abzielt, sondern auch auf das Befinden von Schülerinnen und Schülern, und die solche Dinge wie Resilienz – Frau Neuhaus-Wartenberg hatte es angesprochen – mit in den Fokus nimmt. Ich finde, all das sind positive Punkte, die uns die Welt nicht durch die rosa Brille erscheinen lassen sollten, die man aber mit betrachten muss. Ich weiß nicht, was es Ihnen hilft – aber Sie können in der zweiten Runde noch einmal dazu sprechen –, nur das Negative zu sehen und aus diesem Negativen gar nicht herauszukommen. Das Spannende ist doch, wenn es Probleme gibt, diese nicht nur zu benennen, sondern sie schrittweise auch zu lösen. Das ist zumindest der Grund, warum ich Politik mache, und das macht Spaß. Ich würde Ihnen wünschen, dass Sie aus dieser allein negativen Problembenennungsspirale herauskommen und sich über die eine oder andere Problemlösung freuen, auch wenn Sie sie nicht selbst hinkriegen, sondern wenn sie von anderen geliefert wird. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und des Staatsministers Wolfram Günther) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wir gehen jetzt in die zweite Runde. Es beginnt die AfD-Fraktion. Herr Dr. Weigand, bitte.
