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Jörg Urban

AfD 18.05.2021 Sitzungen 7/29

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ingenieure, Verkehrsplaner und das Umweltbundesamt sind sich einig: Das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist die elektrifizierte Bahn im Langstreckenbetrieb mit 100 % Ökostrom. Bei der CDU scheint das noch nicht ganz angekommen zu sein. Sie will jetzt die Bahn umweltfreundlicher machen, und zwar mit Wasserstoff. Man merkt: Der Bundestagswahlkampf rückt näher, und die CDU möchte wieder einmal die GRÜNEN mit einem Umweltthema überholen. (Heiterkeit des Abg. Mario Beger, AfD – Zuruf von der CDU: Das haben wir gerade gehört!) Die Titelstory der „Wirtschaftswoche“ trägt aktuell die Überschrift: „Die Wasserstoff-Illusion“. Daraus ein ganz kurzes Zitat: „Irgendwann war die Metapher schillernd und schief in der Welt: Wasserstoff, … der ‚Champagner der Energiewende‘. Vor allem die Regierenden sind wie beschwipst.“ – So viel zur politischen Wasserstoffbegeisterung. Nüchtern betrachtet sprechen sowohl ökonomische als auch physikalische Argumente gegen einen schnellen und umfassenden Einsatz von Wasserstoff. Zum Ökonomischen: Bis jetzt haben fast alle WasserstoffInvestmentfonds nichts vorzuweisen außer Plänen für eine sonnige Zukunft. Alle warten auf die milliardenschweren Subventionen aus der Politik. Weltweit sollen ja Billionen an Subventionen in die Wasserstofftechnik fließen. Eine der wenigen realen Elektrolyseanlagen entsteht gerade in Kanada. Sie hat eine Produktionsleistung von 88 Megawatt. Zum Vergleich: Allein das neue Rechenzentrum der Firma P3 bei Hanau hat einen Verbrauch von 180 Megawatt. Da haben Sie die Dimensionen und sehen, wie weit wir von einem wirklich flächendeckenden und starken Einsatz von Wasserstoff entfernt sind. Aber Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff. Grüner Wasserstoff muss es sein, damit er CO -neutral ist. Am besten soll er natürlich aus Wind- und Solarstrom entstehen. Das macht den Wasserstoff besonders teuer. Grüner Wasserstoff ist etwa dreimal so teuer wie herkömmlicher Wasserstoff und zehnmal teurer als Benzin oder Diesel. Die Herstellung von einem Kilogramm grünem Wasserstoff kostet aktuell 5,50 Euro. Selbst bei optimistischen Voraussagen werden es 3 Euro pro Kilogramm im Jahr 2030 sein und 2 Euro pro Kilogramm im Jahr 2050. Zum Vergleich: Der Dieselpreis im Großhandel liegt bei 50 Cent pro Kilogramm. Zudem schlägt eine Wasserstofftankstelle mit etwa 1 Million Euro zu Buche, für Lkw, den Schwerlastverkehr, 4 bis 5 Millionen Euro pro Tankstelle. Diese exorbitanten Kosten sind ein Problem. Mit grünem Wasserstoff vervielfältigen sich die Kosten der Mobilität. Autofahren könnte zum Luxusgut werden und ein Privileg der Besserverdienenden. Vor allem aber: Deutschland wird aufgrund der hohen Mobilitätskosten als Wirtschaftsstandort immer unattraktiver. Die Industrie geht dorthin, wo die Energie und die Mobilität billig sind und nicht dorthin, wo sie grün sind. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Genau!) Natürlich: Wasserstoff kann perspektivisch Erdgas, Benzin und Diesel ersetzen, wenn diese Ressourcen knapp werden. Wenn man dort kurzfristig etwas umsteuern will, wenn man den Einsatz in bestimmten Bereichen voranbringen will, dann braucht Deutschland Nordstream 2. Es ist notwendig, um Verfügbarkeit von preiswertem Wasserstoff herzustellen und in bestimmten Größenordnungen Wasserstoff zu importieren. Mit den GRÜNEN als Koalitionspartner wird Ihnen das aber sehr schwerfallen, denn diese Partei spricht sich ja dezidiert gegen diese Trasse aus und will sie mit aller Kraft verhindern. Das zweite und größere Problem ist physikalischer Natur: Woher soll der Strom für die Wasserstoffproduktion kommen? Aus Photovoltaik und Windenergie? In Sachsen leisten sie derzeit 2,3 % des Energieverbrauchs. Über 90 % unseres sächsischen Energiebedarfs werden aus Kohle, Öl und Erdgas gedeckt. Für eine ernsthafte Wasserstoffproduktion reichen 200 oder 500 oder 1 000 Windkraftanlagen zusätzlich nicht aus. Fortschrittliche Länder wie Japan oder Südkorea haben das verstanden. Selbstverständlich – sie sind schon jetzt Technologieführer, was die Wasserstofftechnologie angeht – setzen diese Länder auf Kernkraft. Kernkraft ist genauso CO -arm wie Wind- und Solarenergie und zudem unschlagbar günstig. Wenn Sie das nicht glauben, dann schauen Sie über den Tellerrand zu unseren französischen Nachbarn. Mein Kollege Herr Zwerg hat es schon angesprochen: Frankreich setzt auf Kernenergie, Belgien, die Niederlande setzen auf Kernenergie, und selbst in Polen sollen bis 2033 sechs Kernreaktoren entstehen. Natürlich sind diese Länder alle völlig verblödet, sie investieren in die falschen Technologien, und nur die CDU und die GRÜNEN wissen, dass Wind und Sonne uns retten werden. Deswegen sage ich: Unterstützen Sie lieber unsere Initiativen der AfD-Fraktion für Kernforschung und Kernnutzung in Sachsen. Denn – zum Schluss noch so viel – Politiker sind niemals die besseren Ingenieure, sie sind auch niemals die besseren Ökonomen. (Beifall bei der AfD) Wasserstofftechnologie darf nicht zum neuen Milliardengrab für Subventionen werden. Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Bitte zum Ende kommen!

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