Sabine Friedel
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich will mich zuerst bei Frau Leithoff für den Redebeitrag bedanken, weil er, glaube ich, deutlich gemacht hat, dass es aufgrund der besonderen Situation in dieser Pandemie, aber vielleicht auch grundsätzlich nicht verkehrt ist, mit einer Menge Empathie an das Thema Schule heranzugehen – Empathie für die Kinder, Empathie für die Lehrer und die Eltern. Ich bin deshalb dankbar, weil ich in den letzten Monaten den Eindruck hatte, dass dieser empathische Zugang auf das Bildungssystem und die Probleme, die uns die aktuelle Situation gerade verursacht, nicht nur Frau Leithoff, mich und die Kolleginnen und Kollegen in den Fraktionen leitet, sondern auch das Kultusministerium leitet und in den letzten Monaten geleitet hat. Dafür einen großen Dank! Ich will eine zweite Vorbemerkung machen: In der Begründung für Ihren Antrag lese ich wieder etwas, das ich schon einmal gelesen habe. Sie beantragen, dass mehr Mathematik gemacht wird. Nun wissen Sie auch, dass wir nicht so viele Lehrer haben. Sie schreiben in Ihrer Begründung etwas, das Sie vor einem Jahr schon einmal geschrieben haben. Der Satz lautet: „Ausgebildete Lehrer für Mathematik sollten vorwiegend in höheren Klassenstufen den Fachunterricht erteilen. In den kleineren Klassenstufen“ – ich vermute, Sie meinen Jüngere – „kann der Unterricht fachfremd erteilt werden.“ Ich finde das deshalb so fatal, weil daraus deutlich wird, dass Ihnen jeglicher grundschuldidaktischer Zugang fehlt. Daraus wird klar, dass die großen Mühen, die der Anfangsunterricht an unseren Grundschulen und der fehlende Anfangsunterricht in der jetzigen Zeit, die das verursacht – – Das ignorieren Sie völlig. Die Vorstellung, dass das Eröffnen des Zahlenraumes und das Vermitteln mathematischer Grundvorstellungen, wahrscheinlich genauso Lesen und Schreiben, fachfremd unterrichtet werden kann, spiegelt nicht nur eine gewisse Einund Wertschätzung negativer Art für den Grundschullehrerberuf wieder, sondern es offenbart gewisse bildungswissenschaftliche Lücken. Kurz zusammengefasst lautet Ihr Antrag, wenn man ehrlich ist: Herunter mit Gemeinschaftskunde, Religion und Ethik. Wir brauchen mehr Mathe und Sport. Wir brauchen die Schule am Samstag und Praktika in den Ferien. Dabei ist es nur konsequent, dass Sie auch noch den Ausbau der schulpsychologischen Beratungsstrukturen fordern, weil man die danach braucht, glaube ich. Alles in allem folgt Ihr Bild, das Sie zeichnen, dem Leitbild von Schule als Vermessungsanstalt für Kindergehirne. Das ist nicht unser Leitbild. Unser Leitbild von Schule ist der Entwicklungsraum für junge Menschen. In diesem Entwicklungsraum gibt es gerade viele Hindernisse. Viele engagierte Lehrkräfte versuchen, diese Stück für Stück an vielen Stellen mit großem Erfolg zu beseitigen. Dafür bin ich dankbar und glaube deshalb, dass die Kolleginnen und Kollegen recht haben, wenn sie uns die Ablehnung des Antrags empfehlen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Sabine Friedel für die SPD-Fraktion. Ich sehe weiteren Redebedarf. Herr Dr. Weigand, bitte.
