Dr. Rolf Weigand
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Danke für die Unterstützung der Gebärdendolmetscher zu diesem Tagesordnungspunkt. Bevor ich gezielt auf Ihren Antrag „Sonderpädagogische Förderung und Inklusion an sächsischen Schulen“ eingehen werde, möchte ich Sie kurz auf eine kleine Geschichte mitnehmen. Die Geschichte handelt von Marie. Marie ist acht Jahre alt und geht in die 2. Klasse. Wenn Marie früh in die Schule geht und Mathematik hat, dann freut sie sich sehr. Die Konzentration fällt ihr aber noch schwer. Die Zahlen schwirren auf dem Papier und im Kopf herum. Vor einem halben Jahr wäre Marie deswegen sehr wütend geworden. Sie hätte ihr Schulheft zerrissen, den Stift zerbrochen oder den Ranzen geworfen. Heute weiß Marie, dass sie das schaffen kann, ganz ohne Wutanfall. Sie weiß, dass ihre Klassenlehrerin Frau Schmidt da ist, wenn es einmal nicht klappt. Sie weiß auch, dass die anderen sieben Klassenkameraden nicht komisch hinübergucken, denn sie sind so wie Marie. Auch sie haben manchmal Wut, Angst oder brauchen einfach mehr Zeit. Kinder bekommen die Zeit und die intensive Zuwendung und Unterstützung so lange, wie sie sie brauchen, an den richtigen Schulen. Wenn Marie gut klarkommt, dann geht sie nächstes Schuljahr auf eine andere Schule um die Ecke. Dann stört es Marie nicht mehr, dass sie mit so vielen Kindern in der Klasse ist. Dann kann sie auch ohne den Lehrer die Aufgaben lösen. Dann hat sie gelernt sich besser zu konzentrieren. Dann ist Marie stark. Meine Damen und Herren, was Marie in den ersten zwei Jahren an der Förderschule als Starthilfe bekommen hat, hätte eine Regelschule nicht leisten können. Deswegen, Frau Firmenich, hat mich eine Ihrer Aussagen gestört: Dann werden die Kinder auf die Förderschulen abgeschoben. Das ist der falsche Ansatzpunkt. Wir müssen sagen: Die Förderschulen müssen gestärkt werden. Sie gehören zu Sachsen dazu und dort gehen keine schlimmen Kinder hin, sondern gute Kinder, die auch Perspektiven in diesem Land bekommen müssen. Die Förderschule kann eine gute Starthilfe sein, bevor es in eine Regelschule geht. (Beifall bei der AfD) In einer Klasse mit durchschnittlich 21 Kindern und einem Lehrer wäre Marie untergegangen. Sie wäre untergegangen wegen zu vielen Kindern, zu viel Lärm, zu viel Enge, zu wenig Personal, keiner sonderpädagogischen Ausbildung der Lehrer, Überforderung von Lehrern und Kindern, Misserfolg und Frustration, Ausgrenzung und vielleicht Vergrößerung ihres Entwicklungsrückstandes. (Hanka Kliese, SPD, meldet sich zu einer Zwischenfrage.) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gestatten Sie eine Zwischenfrage?
