Martina Jost
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Frau Hammecke, ich möchte gern auf Ihren Einspruch antworten. Das habe ich mitnichten so gemeint. Ich hätte es vielleicht anders formulieren sollen. Ich kann Ihnen sagen, dass es mir leidtut. Ich wollte Sie auf gar keinen Fall und schon gar nicht Ihre Familie beleidigen, weil ich davon ausgehe, dass Sie in einem Elternhaus aufgewachsen sind, (Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE: Schweigen Sie doch einfach! – Zuruf der Abg. Sarah Buddeberg, DIE LINKE) in dem sich beide Eltern mit Geschwistern – ich kenne Ihre Lebensumstände nicht – die Arbeit und die Sorgearbeit – so heißt es ja heute – gleichberechtigt aufgeteilt haben. Sie hatten die Chance, Sie sind eine junge Frau, haben eine super Karriere hingelegt. Ich möchte aber etwas – auch wenn Sie, Herr Gebhardt, meine Gestikulierung hier nachäffen – zum Selbstverständnis sagen. (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Nein, wir haben uns nur unterhalten! – Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Ich möchte etwas zum Selbstverständnis sagen. Es wundert mich – deshalb bleibe ich auch bei Ihnen. Wir haben auch Schülergespräche, wir haben Studentenbefragungen. Gerade Frauen der AfD werden oft zu Studien eingeladen, bis hin nach Frankreich und nach England. Wir haben hier Leute empfangen, die gerade bei uns über Frauen in der Politik berichten, weil wir jetzt nicht in diesem Mainstream drin sind. Schülergespräche habe ich letzte Woche mit Herrn Peschel mit einem Bautzener Gymnasium online gemacht. Es ist immer lustig – es waren zwei junge Frauen, und die sagen dann: Frau Jost, aber Sie wollen doch gar nichts mit Frauenpolitik zu tun haben, Sie sehen das doch alles ganz anders, und Frauen an den Herd, und die Frauen werden doch so diskriminiert. Das ist das, was ich nicht verstehen kann. Ich weiß nicht, wie dieses Bild in einer Gesellschaft entstehen kann. Meine Lebenswirklichkeit ist das nicht. Wir haben hier einen bestimmten statistischen Befund. (Zuruf der Abg. Hanka Kliese, SPD) – Ja, Frau Kliese, haben wir doch! Gewalt an Frauen leugnet doch niemand. Aber dass wir unsere deutsche Gesellschaft hinstellen – – Ich habe es leider vergessen, denn ich hatte das eigentlich für Sie, Herr Gebhardt, mitgebracht: Es gibt vom Gleichstellungsbeauftragten ein kleines Heftchen über dieses ganze Thema. Ich lege es Ihnen in Ihr Postfach. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) – Sie möchten nicht lesen, wie die Männer darin dargestellt werden. Das entspricht nicht der Realität. (Sarah Buddeberg, DIE LINKE: Das gucken Sie sich mal an! Das wäre schön!) Es entspricht einfach nicht der Realität: als furchtbar, als Chef, der dann mit irgendeiner Grimasse, die Frau ist so klein; so wie Sie das Video beschrieben haben – es entspricht nicht der Realität. Wenn wir in Betriebe gehen – – (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Das haben wir schon oft genug erlebt!) – Wo denn? (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ich habe schon Chefs erlebt, die genau so sind!) – Weil Sie sich als Frau beworben haben oder als Mann? (Heiterkeit bei der AfD – Rico Gebhardt, DIE LINKE: In welcher Welt leben Sie denn? – Zurufe von der AfD) Und da sind Sie diskriminiert worden? Bei uns gibt es Frauen als Chefs. Stellen Sie doch unsere Männer nicht so dar. Über alle anderen Dinge – – Alles, was Sie sagen, ist doch zum Teil – – (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Wenn sie denn nicht so wären; man stellt sie doch nur dar, weil es so etwas gibt!) Aber das sind doch Einzelfälle! Das ist doch nichts – – (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Bei der CDU gibt es auch nur Einzelfälle! – Weitere Zurufe von den LINKEN und der AfD) Jetzt muss ich wirklich noch einmal was sagen; deswegen habe ich Frau Kliese die Frage gestellt. Das ist doch nicht strukturell. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Martina, das kostet nur Redezeit! Lass es gut sein!) – Aber das ist doch mein Punkt. Ich möchte gern erklären, dass ich es nicht verstehe, wie es vor allem – – Jetzt bringe ich noch schnell ein Beispiel. (Daniela Kuge, CDU, steht am Mikrofon.) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gestatten Sie eine Zwischenfrage von Frau Kuge?
