Carsten Hütter
Ich liebe diese Neiddebatten! – Jan-Oliver Zwerg, AfD: Aber die Diätenerhöhung wollen Sie!) – Wir lehnen die Diätenerhöhung ab, falls Sie Zeitung lesen; das hilft ja manchmal. Aber da steht wahrscheinlich viel zu viel drin, was Ihre alternativen Fakten infrage stellt. (Jan-Oliver Zwerg, AfD: Schau‘n wir mal!) Ich würde meine Ausführungen gern fortführen und wieder ein wenig zur Ernsthaftigkeit zurückkommen; denn es ist eine ernsthafte Debatte. Es gibt auch noch viel dazu zu sagen, weil das Themenspektrum Frauen in der Coronakrise sehr differenziert zu betrachten ist. Deswegen möchte ich den Fokus auf zwei Punkte richten, um zu illustrieren, wie breit und unterschiedlich die Situation ist. Zum einen möchte ich darauf hinweisen, dass aufgrund der Corona-Pandemie auch die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten unterbrochen wurde, weil erstens viele Menschen aus Asylherkunftsländern ihre Arbeit verloren haben und weil zweitens auch Sprach- und Bildungserwerb unterbrochen oder verlangsamt worden ist. Das betrifft Frauen stärker als Männer, weil Frauen noch stärker auf diesen Sprach- und Bildungserwerb angewiesen sind. Es gibt Forschungen, die voraussagen, dass die Geschlechterschere zukünftig noch weiter auseinandergehen wird und dass die Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft für Frauen mit Migrationshintergrund ein noch größeres Problem sein wird. Das müssen wir sehr ernst nehmen und darauf muss reagiert werden. Das ist ein Beispiel, das ich aufzeigen wollte. Dann möchte noch ein ganz anderes Beispiel aufzeigen, nämlich Frauen in der Wissenschaft. Hierzu gibt es eine Studie, die belegt, dass auch Professorinnen, das heißt, auch Frauen in der Wissenschaft, mehr Sorgearbeit übernehmen. Wir haben es schon gehört: Homeoffice und Lehre an der Uni ist sehr schwer miteinander zu vereinbaren. Es ist auch so, dass Frauen deswegen weniger Zeit haben, weil sie sich offenbar sehr viel mehr Zeit nehmen als ihre männlichen Kollegen, um die Onlinelehre zu organisieren. Das hat mich sehr überrascht, aber diese Studie hat das jedenfalls aufgezeigt. Unterm Strich heißt das, dass die Zeit für die Forschung fehlt und die Konsequenz ist, dass Frauen in der Wissenschaft weniger publizieren. Wer sich ein bisschen in der Wissenschaft auskennt, weiß, dass die Konsequenz daraus ist, dass das berufliche Fortkommen, die Aufstiegs- und Karrierechancen dadurch total verschlechtert werden. Das ist der eine Effekt. Der andere Effekt ist natürlich, dass durch die fehlenden Publikationen der Frauen faktisch auch die Perspektiven von Frauen in der Wissenschaft zugunsten der Publikationen von Männern in der Wissenschaft zurücktreten. Durch diesen Effekt entsteht dann etwas, was man vorher gar nicht im Blick hatte, nämlich, dass in der Wissenschaft die Perspektiven von weiblichen Personen plötzlich noch mehr unterrepräsentiert sind, als es ohnehin der Fall ist, weil wir auch dort schon ein Ungleichgewicht haben. Ich habe diese beiden Beispiele gewählt, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass es sehr wichtig ist, differenziert in die einzelnen Bereiche zu schauen. Wenn man das tut, so wie ich es hier exemplarisch gemacht habe, dann sieht man die Unterschiede in allen Bereichen. Das heißt aber auch, dass es mehr braucht, als nur zu sagen: Das ist natürlich alles schwierig und darauf müssen wir reagieren. – Ich will das hier aber niemandem unterstellen. Ich will nur noch einmal appellieren, dass es am besten wäre, eine eigene Studie für die sächsische Gesellschaft zu erstellen und in dieser zu fragen: Wie betreffen die Auswirkungen der Corona-Pandemie in einzelnen Bereichen die Menschen geschlechterdifferenziert? Wo betrifft es Frauen stärker als Männer? Dann ist es wichtig, ein Handlungsprogramm aufzulegen, um mit Maßnahmen darauf zu reagieren, damit unerwünschte Effekte verlangsamt oder eingedämmt werden. Das wäre mein Appell an die Staatsregierung in meinem zweiten Redebeitrag. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die SPD-Fraktion hat noch 30 Sekunden. Wird das noch genutzt? (Martin Dulig, SPD: Ich werde als Abgeordneter sprechen!)
