Dr. Christiane Schenderlein
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die Corona-Pandemie hat vor allem eines gezeigt: Frauen sind die Superhelden unserer Gesellschaft. Sie sind es, die alles unter einen Hut bringen wollen: Homeoffice und Homeschooling. Dabei habe ich – und nicht nur ich – die Erfahrung gemacht, dass immer nur eins von beiden geht. Entweder ich kümmere mich um meine beruflichen Aufgaben oder ich kümmere mich mit meinen Kindern um deren Schulaufgaben. Beides gleichzeitig ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Hinzu kommt noch sehr oft die Pflege von Angehörigen, im Grunde die gesamte Familienorganisation und obendrauf – na klar! – das bisschen Haushalt, und das alles trotz pandemiebedingtem Stress, kurzen Planungsvorläufen und allgemeiner Unsicherheit. Das verdient größte Anerkennung und Respekt. Gleichzeitig sind Frauen in der Krise die Leistungsträger, die uns durch diese bringen. 75 % der Angestellten im Gesundheitsbereich sind Frauen, im Pflegesektor sind es sogar 85 %. Frauen übernehmen einen Großteil der Aufgaben, die uns aufgrund der Krise zusätzlich belasten. Sie heilen, sie versorgen, sie betreuen, und sie sind es auch im hohen Maße, die viele beim Sterben begleiten. Ein weiterer Bereich, dem in der laufenden Pandemie viel abverlangt wurde und wird, ist der Einzelhandel – auch hier sind Frauen überproportional vertreten –: Schichtsysteme, harte Arbeit und die Kinder, die ebenfalls zu betreuen sind. Die Organisation des Familienlebens ist damit eine wahnsinnig große Herausforderung. Zusätzlich stehen viele Frauen leider auf der Verliererseite der Krise, beispielsweise dann, wenn sie aufgrund von familiären Verpflichtungen nur als Minijobberinnen arbeiten können und dadurch nicht unter die Kurzarbeitergeldregelungen fallen. Was Frauen besonders eigen ist, darauf hat vor Jahren bereits Frank Schirrmacher in seinen Büchern hingewiesen: Frauen machen sich in besonderer Weise Sorgen. Sie machen sich Sorgen um ihre Kinder. Sie machen sich Sorgen um ihre Familie. Frauen wollen innerhalb ihrer Familie niemanden zurücklassen; und sich anhaltend Sorgen machen, wie es in dieser Pandemie der Fall ist, das erschöpft. Ich denke, diese Erschöpfung spüren wir gerade sehr deutlich. Auf einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich an dieser Stelle besonders eingehen. Im Hinblick auf die vielen Familienkonstellation, die es gibt, möchte ich einmal die Senior(inn)en in den Blick nehmen. In Deutschland liegt die Lebenserwartung von Frauen circa fünf Jahre über der von Männern. Das hat zur Folge, dass wir deutlich mehr Witwen als Witwer haben. Insbesondere in der Zeit des strengen Lockdowns und der Kontaktvermeidung waren sie es, die zusätzlich zur Angst vor einer Corona-Infektion und den daraus resultierenden Folgen am stärksten unter Vereinsamung litten. Gleichzeitig ist es vor allem diese Altersgruppe, die im persönlichen Gespräch die größte Hoffnung und Zuversicht walten lässt. Das ist bemerkenswert. Grundlagen hierfür sind der große Schatz an Lebenserfahrung und eine gewisse Gelassenheit, die dem einen oder anderen in der aktuellen Corona-Diskussion längst abhandengekommen ist. Die Corona-Pandemie ist für uns alle unglaublich herausfordernd. Jedoch hat sie auch gezeigt, wozu wir imstande sind. Mit Flexibilität und Kreativität lassen sich selbst komplexe Probleme lösen. Daher sehe ich in der CoronaPandemie auch Chancen, die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau weiter zu stärken. Mobiles Arbeiten und flexible Arbeitszeiten sind pandemiebedingt in unseren Alltag eingeflossen. Beides sind Instrumente, die auch nach der Krise helfen können, dass Frauen auch mit Familie Karriere machen können. Oft wird darüber gesprochen, dass zu viel Arbeit in die Familienzeit hineingeht, doch ich muss ganz ehrlich sagen, dass gerade in der Flexibilität und Digitalisierung wirklich Chancen liegen, Arbeitsprozesse anders zu gestalten. Zum Beispiel haben Videokonferenzen den Vorteil, dass lange Anfahrtswege entfallen. Unsere Aufgabe wird es daher nach der Pandemie sein, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter zu stärken. Wenn wir in Zukunft darauf aufbauen können und diese Gedanken konsequent weiterführen, dann kann auch die Pandemie für die Frauen eine Chance sein. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die AfD-Fraktion, bitte; Frau Abg. Schwietzer.
