Thomas Prantl
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In der langen Kette von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis zur Lebensmittelverarbeitung, zu den Supermärkten, zu den Restaurants, zu Kantinen und Privathaushalten gehen in jeder Stufe große Mengen an wertvollen Lebensmitteln verloren. Das stimmt! Erfreulicherweise ist Sachsen Pionier bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2018 hat kein anderes Bundesland das Thema so systematisch erarbeitet. Dem gebührt Anerkennung! Ihr Antrag nennt nun einige Möglichkeiten, wie die Lebensmittelverschwendung weiter eingedämmt werden könnte, und die Überschrift klingt einigermaßen einleuchtend. Kein Mensch kann hier ernsthaft wollen oder sogar planen, dass potenzielle Lebensmittel mit Vorsatz der Ernährung entzogen werden. Auf diese Frage wird Kollege Zwerg im Anschluss eingehen. Werte Kollegen! Leider gehen Ihre Forderungen überwiegend auf Symptombehandlung und kostenlose Verteilung durch Weitergabe nicht verbrauchter Lebensmittel und auch Verbraucheraufklärung ein. Meinen Sie nicht auch, dass wir stattdessen endlich an die Ursachen heranmüssen? Kollege Zschocke hat es angesprochen, das hat mich gefreut, denn darum geht es viel zu wenig. Sie sprechen über nachgelagerte Rettungsmaßnahmen für übrig gebliebene Lebensmittel, wie die Weiterverwendung für die Lebensmitteltafeln. Das verändert aber erstens nichts an den Ursachen und zweitens nutze ich abseits vom Thema die Gelegenheit Ihnen zu sagen, dass es eine ausgemachte Schande ist, in einem angeblich so reichen und besten Deutschland, das wir je hatten, dass es überhaupt Lebensmitteltafeln geben muss. (Beifall bei der AfD) Zurück zum Thema. Schauen wir genau hin: Wer wirft wo und warum wie viele Lebensmittel weg? Ein Beispiel: Wurde die Erdbeere früher im eigenen Schrebergarten angebaut oder kam sie in der Erdbeersaison vom Obstbauern um die Ecke, kommt sie heute im Winter aus Spanien, aus Marokko oder Ägypten. Vom Hof auf den Tisch? Weit gefehlt! Erdbeeren reifen nicht nach und müssen wenige Tage nach der Ernte verzehrt werden. Die Ernte geht aber von der Plantage in den Flieger, auf den Lkw, ins Zwischenlager, zurück auf den Lkw, weiter zum Supermarkt. Insgesamt entstehen 47 % der Verschwendung in der Primärproduktion, beim Transport, bei der Verarbeitung, in der Gastronomie, im Catering. Und mit jedem Logistiker und mit jedem Zwischenhändler fliegt mehr Essen in die Tonne. Nicht alles, was verzehr- und verkaufsfähig ist, ist dann noch gut genug für den Handel. Was äußeren Qualitätskriterien nicht entspricht, wird aussortiert. Und wenn Sie in Ihrem Antrag richtig sagen, dass die Vermeidung von Lebensmittelabfällen aus ökonomischen, ökologischen und ethischen Gründen dringend geboten ist, dann sagen Sie das bitte nicht nur uns oder dem Verbraucher, ermahnen Sie vor allen Dingen Ihre Parteikollegen von CDU, SPD und GRÜNEN auf EU-Ebene und im Bund, denn deren bizarre Verordnungen tragen zur Wegwerfkultur bei. (Beifall bei der AfD) Es gibt zahlreiche Vermarktungsnormen, Größen-, Formund Gewichtsvorschriften für 36 Obst- und Gemüsearten. Wer kennt sie nicht, die legendäre Gurkenverordnung der EU. Wer kennt sie nicht, die legendäre Bananenverordnung der EU. (Zuruf des Abg. Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE) Länge, Dicke, Krümmungswinkel werden auf den Millimeter normiert, – – Sie sind auch auf den Millimeter normiert. – damit Banane und Gurke auch wirklich zum Verzehr geeignet sind. Selbst in der untersten Handelsklasse II braucht ein Apfel laut EU-Verordnung ein Mindestgewicht von 90 Gramm oder einen Durchmesser von 60 Millimetern. Trotz hoher innerer Qualität fallen Lebensmittel deshalb durchs Raster, weil sie dem Schönheitsideal der EUKommissare nicht entsprechen. (Widerspruch des Abg. Marco Böhme, DIE LINKE) Nach und nach frisst sich die überflüssige EU-Regulierungswut – – Sie haben Sendepause, jetzt rede ich. – in alle Mitgliedsstaaten hinein und so beklagen rumänische Bauern den Rückgang traditionell angebauter Auberginensorten. (Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE, meldet sich zu einer Zwischenfrage.) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Prantl, gestatten Sie eine Zwischenfrage? –
