Sabine Friedel
Aber diese Bildungsprogramme gibt es! Einfach mal ins Fernsehprogramm gucken! ARD-alpha!) – Es ist aber ein Unterschied, ob wir das genau auf Sachsen projizieren, und zwar ausschließlich auf Sachsen; denn das wäre angemessen, weil wir in Sachsen die Situation der Schulen kennen. Ich bleibe dabei: Kreativität ist gefragt, auch was den Lernort Schule angeht. Nun mein dritter Rat: Eingeschränkter Regelbetrieb und Wechselunterricht sind das eine, aber es gibt noch andere Möglichkeiten, zum Beispiel außerschulische Lernorte zu schaffen, Kunst- und Kulturschaffende und Handwerker(innen) einzubinden. Die Welt außerhalb des Schulgebäudes ist doch ein einziger Lehrraum. Jenseits davon ermöglicht dies, kleinere Lerngruppen zu bilden. Notwendige Hygienevorschriften könnten viel besser eingehalten werden. Museen, Theater, Galerien, Werkstätten, Zoos und soziale Zentren müssten nicht länger brachliegen. Der vierte Rat: Es braucht einen runden Tisch, wie ich bereits im Dezember-Plenum vorschlug, mit Fachleuten und Betroffenen, an dem alle Varianten enttabuisiert, diskutiert werden, die sowohl dem Recht auf Bildung als auch dem Recht auf Gesundheit Rechnung tragen. Vielerorts wird diskutiert, dieses Schuljahr gar nicht zu werten. Das ist diskutabel, und zwar in einem Punkt: wenn die Zahlen sich nicht so entwickeln, wie wir uns das alle wünschen. Ob das überhaupt geht mit den ganzen Problemen, müssen wir schauen. Klar ist aber eines, zumindest für uns: Es ist kein normales Schuljahr. Wir brauchen ein Konzept für den langfristigen Lehrplan, für Prüfungen für Kinder, die auf weiterführende Schulen gehen, für die Berufsschulen, für die Ermittlung gemeinsamer Bildungsund Wissensstände. Kurzum: Wir müssen uns darauf verständigen, was in diesen Zeiten wesentlich ist. Rat Nummer fünf: Wesentlich ist, dass wir auch auf die Kitas schauen. Diese sollen ab 8. Februar wieder starten, und zwar im eingeschränkten Regelbetrieb, in festen Gruppen, kein Stufenmodell – das halten wir für riskant. Wir wissen natürlich um die Not vieler Eltern, Beruf und Kinderbetreuung hinzubekommen. Doch laufen wir so nicht wieder Gefahr, aufgrund von Infektionen komplett schließen zu müssen? Das ist die Frage. Über das Personal reden wir an dieser Stelle noch gar nicht. Getestet werden muss, auch in den Kitas. Wir finden, dass der einmalige Test kaum ausreichen wird. Wir wissen auch um all diese Probleme: Kosten, Träger, Zuständigkeiten und wer das alles durchführen soll. Wir sprachen heute im Haushalts- und Finanzausschuss darüber, Herr Staatsminister Piwarz, und trotzdem. Meine Kollegin TändlerWalenta wird später im Ausschuss dazu Ausführungen machen. Das, was wir jetzt erleben, ist ein Drama, aber auch ein großer Test für die Zukunft, ein Test, wie flexibel wir sind. Dafür muss die Grundlage klar sein, das Wesentliche. Welche jungen Leute wollen wir aus dem Schulsystem entlassen? Vernünftige Vorschläge gibt es auch von uns. Um hier einmal ein Bild von Loriot zu bedienen: „Wenn wir dieses Schuljahr mal völlig anders gestalten als sonst, meine Güte, wird es schon nicht passieren, dass sich die daraus folgende Generation grunzend verständigen wird.“ Herzlichen Dank. (Beifall bei den LINKEN)
