Christian Piwarz
Frau Kollegin, ich stimme Ihnen zu. Das ist kein normales Schuljahr. Das wird es auch sehr wahrscheinlich bis zum Schuljahresende nicht sein. Gerade die Zeit bis zu den Osterferien wird die eigentlich herausfordernde Zeit sein. Danach habe ich die Hoffnung, dass wir aufgrund der allgemeinen Wetterlage und vielleicht der Impfsituation in einen Zustand kommen, in dem man etwas entspannter sein kann. Das ist meine Vorhersage. Bis Ostern aber ist es noch einige Zeit hin. Es sagt sich immer so leicht, dass wir über veränderte Lehrpläne sprechen müssen. Ich möchte dabei die Bremse etwas anziehen, weil ich denke, dass die Lehrpläne, mit denen wir uns beschäftigen und die der Maßstab für uns sind, Berge sind, die über viele Jahre durch viele fachkundige Personen erarbeitet wurden. Es ist nicht so ohne Weiteres möglich, auf die Schnelle etwas ganz anderes zu machen. Worum es geht – so habe ich Sie auch verstanden –, sind folgende Fragestellungen: Kann ich aufgrund der Sondersituation bestimmte Einschnitte innerhalb des bestehenden Lehrplans vornehmen? Kann ich Weglassungen hinnehmen, weil ich damit besser zurechtkomme? Das gibt es bereits; das ist schon vor Beginn des Schuljahres kommuniziert worden. In Bezug auf die Abschlussklassen haben wir die Schulen darauf hingewiesen, auf welche Lernbereiche sie sich konzentrieren sollen, um sicherzustellen, dass prüfungsrelevantes Wissen in jedem Fall vermittelt wird und Schülerinnen und Schüler dadurch bestmöglich auf die Prüfungen vorbereitet werden. Ich tue mich mit einer generellen Diskussion schwer, grundsätzlich an die Pläne heranzugehen. Zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich schlichtweg nicht, wie stark die Pandemie, die uns auf jeden Fall noch eine ganze Weile beschäftigen wird, unseren schulischen Alltag einschränken wird. Wenn man weiß, dass man viel Präsenzunterricht anbieten kann, dann muss man relativ wenig Einschnitte im Lernbereich bzw. in den Lehrplänen vornehmen. Sollten wir – im Worst Case – in die Situation geraten, dass wir uns tatsächlich bis zu den Osterferien – was Gott verhüten möge! –, im Wechselbetrieb befänden, dann müsste man deutlich darüber nachdenken, wo welche Konsequenzen zu ziehen wären. Für die Abschlussklassen ist das bereits geregelt. An den Gymnasien und den Oberschulen, genauso im beruflichen Bereich, werden wir die Schülerinnen und Schüler gut zum Abschluss bringen. Für diejenigen, die länger bei uns im System verbleiben, weil sie später ihren Abschluss machen, werden wir anhand dessen, was wir erleben, und einer Auswertung, wie viel Unterricht möglicherweise nicht stattfinden konnte, diese Entscheidung treffen müssen. Ich möchte Folgendes deutlich sagen, weil Sie es auch angesprochen haben: Wir werden nicht stur auf den Lehrplänen beharren. Wir werden uns aber ganz genau Folgendes anschauen: Was könnte geleistet werden? Was wird in den nächsten Wochen geleistet? Was konnte nicht absolviert werden? Daraus werden wir die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Zum Schluss geht es doch darum, den Schülerinnen und Schülern den bestmöglichen Abschluss zu geben und sie nicht darunter leiden zu lassen, dass die Pandemie den Schulbetrieb nicht im Regelbetrieb ermöglichen konnte. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank. Nun folgt die Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Frau Kollegin Melcher steht am Mikrofon 3, bitte schön.
