Thomas Schmidt
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Das war schon eine recht interessante Debatte, wie ich finde. Einleitend will ich sagen, dass es sich hier nicht um einen Forstantrag handelt, sondern um die Verwertung von Holz in seiner vielfältigen Art. Wenn man einen lächelnden Finanzminister sieht, dann ist dafür wahrscheinlich der Grund, dass man tatsächlich nicht nur diskutiert, wo und wie wir noch weiteres Geld ausgeben können, sondern wie wir wieder einmal Wertschöpfung in diesem Land sichern und ausbauen. Allein das ist doch schon ein Grund, über solch ein Thema zu sprechen. (Beifall bei der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Der Holzbau in Sachsen hat eine lange Tradition. Das ist von mehreren Rednern bereits ausgeführt worden. Ja, es stimmt, es gibt eine ganze Menge Nachholbedarf. Dem müssen wir uns stellen. Es ist überhaupt nicht gesagt worden, dass wir darin schon gut genug sind. Es gibt hierbei Defizite, und diese müssen wir genau mit den Ansätzen der komplexen Betrachtung des Holzbaus angehen. Die Namen Christoph & Unmack in Niesky wurden bezüglich ihrer Tradition bereits genannt, ebenso Konrad Wachsmann oder auch die Werkstätten in Hellerau, die es dankenswerterweise immer noch gibt. Hierbei geht es vor allen Dingen um die Maschinenmöbelprogramme, die hier erstmals auf der Welt umgesetzt wurden. In Sachsen setzen wir in verschiedenen Bereichen auf ein gutes durchschnittliches Niveau im deutschlandweiten Vergleich. Beim Gewerbebau liegen wir leicht über dem Durchschnitt Deutschlands. Wir sind hier bei knapp 21 % Anteil am Nichtwohnbau – so heißt das genau. BadenWürttemberg hat 24 % und liegt also darüber. Nachholbedarf haben wir im Wohnungsneubau, wo wir bei 16,1 % liegen. Deutschlandweit sind es 18,7 %, aber Baden Württemberg liegt bei – man höre und staune – 31,9 %. Dabei geht es nicht um das Einfamilienhaus, das man in Holzbauausführung in Sachsen heute an vielen Stellen bereits finden kann, sondern dort geht es um den mehrgeschossigen Bau. Wenn man die „Wasser-in-den-Wein-kippen-Fraktion“ so reden hört, dann muss ich einfach sagen: Ja, wir haben eben nicht diesen isolierten Blick auf Sachsen. Wir holen uns die Informationen auch aus anderen Bundesländern und über die Grenzen Deutschlands hinweg. Wir stehen in engem Kontakt mit den Kollegen in Baden-Württemberg. Ich war mit meinem Kollegen Minister Hauk in Ostfildern, und wir haben uns angeschaut, wie sie dort ihr Forum Holzbau umsetzen. Ich habe mit Kollegin Schreyer in Bayern Gespräche geführt und mir dort verschiedene Dinge angeschaut. Des Weiteren habe ich mir in Österreich das Holzhochhaus – kurz: HoHo –, das hier in verschiedenen Beiträgen schon genannt wurde, angeschaut und mit verschiedenen Vertretern gesprochen. Aber auch das hat gezeigt, dass es kein Selbstläufer ist. Denn in dem neuen Stadtviertel von Wien, wo das Holzhaus steht, ist um dieses Haus herum eben nicht sehr viel in Holzbauweise entstanden. Man muss Konzepte stricken, die die verschiedenen Branchen zusammenbringen. Das geht bei der Forschung los und das ist der Ansatz bei uns bei der Verknüpfung von verschiedenen Vertretern, ob es das IHD in Dresden ist oder die HTW Dresden oder die HTWK in Leipzig. Wir brauchen die Architekten und Ingenieure, die Planer. Wir brauchen am Ende die Anwender, ob es der private Bereich ist, ob es die Wohnungsgenossenschaft ist und natürlich vorbildwirkend auch die öffentliche Hand. Wir brauchen außerdem die Unternehmen, die es am Ende umsetzen können und umsetzen wollen. Durch verschiedene Werkstätten innerhalb unserer Initiative simul+ versuchen wir, die Grundlage für ein Holzbaukompetenzzentrum aufzubauen. Ein erstes Konzept ist dazu erarbeitet. Derzeit klären wir die organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Wir haben auch im Haushaltsentwurf dafür Absicherungen getroffen und hoffen, dass der Sächsische Landtag dem dann auch folgt – im Jahr 2021 700 000 Euro und im Jahr 2022 1,1 Millionen Euro. Sie können sich vorstellen, dass ich nicht traurig wäre, wenn die Bedeutung des Holzbaus innerhalb des parlamentarischen Verfahrens noch weiter gewürdigt würde; aber das liegt in der Hand der Abgeordneten. Bei dem Holzbaukompetenzzentrum ist natürlich immer die Frage, wo es hinkommt. Verschiedene Vorschläge und Bitten haben wir auch hier wieder gehört, und das ist eigentlich das Tolle an der Sache. Wir müssen niemanden zum Jagen tragen, die Begeisterung ist groß, das Interesse ist im Südraum von Leipzig vorhanden, in Niesky; im Erzgebirge, in Eibenstock, gibt es auch eine Initiative, in der Gegend von Tharandt – überall gibt es Interessenbekundungen. Es wird wahrscheinlich die schwierigste Frage, wo dieses Kompetenzzentrum hingehen soll, oder wird es möglicherweise auch ein Netzwerk, wo man an verschiedenen Punkten agiert – getragen allerdings von Wirtschaft und Wissenschaft und nicht durch Aufblähungen eines Ministeriums, das an sich etwas eher schwach aufgestellt ist? Diese Vernetzung ist uns sehr wichtig. Es soll zum Wissenstransfer beitragen. Wir wollen begleitend Hemmnisse identifizieren. Wir sind dabei, in der Bauordnung einiges zu tun, aber am Ende wird es nur erfolgreich sein, wenn wir für den Holzbau Begeisterung wecken. Nur mit der Ermahnung „Baut in Holz, es ist ein toller Werkstoff“ ist es nicht getan. Man muss für diese Idee begeistert sein und es als einen hochwertigen Baustoff und nicht etwa als einen Ersatz-Billigbau anschauen, dann wird es am Ende auch gelingen, und hier sollte der Staat vorbildwirkend sein. Deshalb auch der Ansatz mit mehreren Bauobjekten, die wir in Holzbauweise umsetzen könnten. Herzlichen Dank für die Unterstützung für den Antrag. Ich freue mich auf die Umsetzung. Es ist eine große Chance, die Wertschöpfung in ganz Sachsen zu sichern und in Zukunft auch mit innovativen, umweltschonenden und nachhaltigen Ansätzen auch im Baubereich noch stärker zu wirken. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Herr Staatsminister Schmidt. Jetzt gäbe es die Möglichkeit für ein Schlusswort. – Thomas Löser für die BÜNDNISGRÜNEN, bitte.
