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Antonia Mertsching

Die Linke 16.12.2020 Sitzungen 7/19

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Der Antrag ist ein wirklich guter Vorstoß: die Rückbesinnung auf die lange Tradition der Holzbauweise. Der Rohstoff ist lokal verfügbar und seine Transportwege sind kurz. Das Bauen mit Holz dient der regionalen Wertschöpfung. So sieht’s aus. In den Holzbau zu investieren kann ein Paradebeispiel für nachhaltige Entwicklung werden. Und dann will die Staatsregierung auch noch vorangehen und fünf landeseigene Holzbauvorhaben voranbringen. Wir finden es super, dass Sie Ihre Vorbildwirkung wahrnehmen wollen. Wenn das mal beim Vergabegesetz auch so wäre! Allerdings gibt es zu Ihrem Antrag zwei Probleme und eine Forderung. Das erste Problem ist der vielseitige Druck auf die Wälder. Wenn man die öffentliche Debatte verfolgt, dann könnte man denken, der Wald sei einfach nur ein Holzlieferant oder der beste natürliche CO -Speicher. Doch er kann so viel mehr: Er sorgt für Grundwasserneubildung. Er dient als Wasserspeicher, ist Hort biologischer Vielfalt und Lebensraum so vieler Arten. Er trägt durch heilende und präventive Wirkung aktiv zur Gesundheit von Menschen bei, schützt den Boden vor Erosion, reinigt die Luft, sorgt für Abkühlung, gleicht Temperaturextreme aus. Und das sind nur die offensichtlichsten Funktionen des Waldes. Allein die Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung von 2007 fordert, 10 % der Waldflächen aus der Nutzung zu nehmen, bis zu diesem Jahr. Hier entsteht das Problem: Für mehr Holzbau in Sachsen wollen Sie bevorzugt auf sächsisches Holz zurückgreifen. Das ist richtig. Doch woher nehmen, wenn nicht aus anderen Ländern oder Regionen stehlen? Die Waldfläche in Sachsen stagniert. Sie hat noch nicht einmal 30 % erreicht. Waldmehrung wird zwar bereits von der Regierung bzw. dem Staatsbetrieb Sachsenforst angestrebt, doch es braucht hier bessere und aktualisierte Konzepte. Oder es muss wenigstens verhindert werden, dass noch mehr Wald vernichtet wird. Die Lausitz ist hierfür wieder ein krasses Beispiel. Waldfresser Nummer eins in Sachsen ist der Braunkohlebergbau. Deshalb würde sich der schnellstmögliche Ausstieg doppelt lohnen. Anstatt aber wenigstens dann im Anschluss wieder vollumfänglich aufzuforsten, wird weiterhin auf die Flutung der Restlöcher gesetzt – und das in einer wasserarmen Region. Ich hoffe, Sie merken selbst, wie absurd das ist und wo noch Handlungsbedarf besteht. (Beifall bei den LINKEN) Das zweite Problem beim modernen Holzbau sind die Verbundwerkstoffe. Diese können praktisch kaum recycelt werden. Die Forschung läuft zwar, aber es gibt noch keine Lösung. Bei der Förderung des Holzbaus sollte also darauf geachtet werden, dass möglichst wenige Verbundwerkstoffe verwendet werden und dass auf chemischen Holzschutz weitgehend verzichtet wird. Ich komme zu meinem letzten Punkt, dem Holzbauzentrum. Es wurden ja jetzt schon einige Begehrlichkeiten geäußert, und wir haben im Freistaat Sachsen wirklich einiges an Holzbauexpertise, doch leider wird diese nicht ausreichend genutzt, zum Beispiel das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky. Das wurde schon erwähnt. Es ist Forum und Museum modernen Holzbaus zugleich und hat internationale Netzwerke aufgebaut. Diese Anknüpfungspunkte eignen sich perfekt, um mit den Strukturwandelgeldern das Holzbauzentrum in Niesky einzurichten. So ein Vorhaben würde den Anspruch der Ansiedlung von Forschung und Entwicklung erfüllen und jungen Menschen spezielle Ausbildung und Studium in einer zukunftsträchtigen und nachhaltigen Industrie ermöglichen – und das auch noch im ländlichen Raum. Die Oberlausitz ist hinsichtlich des Holzbaus so etwas wie eine Offenland-Ausstellung, und darüber hinaus bietet sie einige Möglichkeiten, um aufzuforsten. Dazu wäre nur der Truppenübungsplatz umzuwidmen. (Beifall bei den LINKEN) Ich fasse zusammen. Es steht die große Frage: Wo soll das Holz herkommen? Bei der Förderung ist bitte darauf zu achten, dass nur ein geringer Anteil von Verbundwerkstoffen zum Einsatz kommt. Das Holzbauzentrum ist nach Niesky zu bringen. Wir sind zwar angesichts der Umsetzung etwas verhalten, dennoch werden wir uns nicht enthalten, sondern dem Antrag unsere Zustimmung geben – der nachhaltigen Entwicklung wegen. (Ivo Teichmann, AfD: Positiv enthalten!) Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Toni Mertsching für die Fraktion DIE LINKE. Gibt es jetzt weiteren Redebedarf? – Das sehe ich nicht. Dann erteile ich Herrn Staatsminister Schmidt das Wort.

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