Sören Voigt
Sie leugnen doch den Klimawandel!) Die Forst- und Holzwirtschaft wird diese Beruhigungspille nicht schlucken. Um den Holzbau zu stärken, brauchen wir einen geschlossenen Kreislauf. Dazu müssen wir die gesamte Holzwertschöpfung modernisieren. Weiterhin wissen wir seit Jahren um den geringen Organisationsgrad der forstbetrieblichen Zusammenschlüsse. Seit Jahren bewegt sich Sachsen zwischen 16 % und 18 %; der Bundesdurchschnitt beträgt 43 %. Das ist ein Grund, warum Sachsens Forstwirtschaft auf dem internationalen Markt größtenteils nicht wettbewerbsfähig ist. Wirksame Förderinstrumente für Fördergebietsgemeinschaften können Sie sich gern einmal in Bayern anschauen. (Georg-Ludwig von Breitenbuch, CDU: Das heißt Forstbetriebsgemeinschaften!) Von hier bis zur angestrebten Vorbildrolle Sachsens ist es noch ein sehr weiter Weg. Das geben Sie selbst zu, indem Sie sagen: Es ist noch Luft nach oben. Ein Holzkompetenzzentrum und fünf landeseigene Prestigeprojekte reichen dafür nicht aus, denn noch hinkt die Wirtschaftlichkeit des Holzbaus der Massivbauweise hinterher; auch bei modernen und günstigeren Ständerbauweisen. Die ökologischen Vorteile des Holzbaus werden zwar tausendfach behauptet, allerdings kommen einige Studien zu anderen Ergebnissen. Die Ökobilanzstudie des Instituts für Massivbau der TU Darmstadt konstatiert: Mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 80 Jahren sind Massivbauhäuser genauso umweltfreundlich wie die Holzständerbauweise. Die Ökobilanz eines Hauses auf seine Herstellung zu beschränken, greift hier etwas zu kurz. Dabei wird die längere Lebensdauer von Massivbauhäusern außer Acht gelassen. Zudem benötigt die Holzständerbauweise mehr Pflege. Das verschlechtert die Ökobilanz. Nicht selten kommen dabei auch Dämmstoffe auf Ölbasis zum Einsatz, die leider Gottes Sondermüll produzieren. Die Holzbauweise ist pauschal also nicht umweltfreundlicher. Werte Kollegen, werter Herr Staatsminister! Die Idee zur Einrichtung eines sächsischen Holzbauzentrums ist offensichtlich aus Baden-Württemberg übernommen worden. Mit dem Kompetenzzentrum LignoSax besteht bereits ein Cluster von Forschungsinstituten und Unternehmen der Forst-, Holz- und Energiewirtschaft in Sachsen. Warum knüpft man hier nicht gleich an? (Beifall bei der AfD) Auch gibt es bereits zahlreiche Holzprojekte. Es wurde vorhin schon auf einige eingegangen; ich nenne einmal noch drei andere Beispiele: die Besucherhalle des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth; man sprach schon von dem mehrgeschossigen Holzhaus in Dresden und der Gemeindesaal Evangelische Kirchgemeinde Zittau. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Wenn wir über ein Kompetenzzentrum sprechen, dann als Koordinierungsstelle mit einem gewissen Budget für die Auftragsforschung. Ein unnötiges Aufblähen des Regionalministeriums gilt es zu vermeiden. Zudem sollte der Standort dort sein, wo es große Holzvorräte gibt, also im Erzgebirge oder in der Oberlausitz. (Beifall bei der AfD) Das sollte für ein Regionalministerium selbstverständlich sein, denn sonst wird aus „regional“ schnell „zentral“. Wir begrüßen durchaus die Absicht, die Hemmnisse bei der Novellierung der Sächsischen Bauordnung zu beseitigen. Jetzt gilt es, diesen Antrag auch umzusetzen, Herr Staatsminister. Auch der Absicht zur Prüfung und Beseitigung von Vergabe- und Planungshemmnissen können wir uns anschließen. Die Bevorzugung von Holz in bauinvestiven Förderprogrammen unterstützen wir mit Vorbehalt. Es sollte nicht in die freie Entscheidung des Bauherrn beim Hausbau eingegriffen werden. Außerdem fragen wir uns, ob der soziale Wohnungsbau und die dürftigen Landesprogramme zur Förderung der Wohneigentumsbildung dafür der richtige Ansatz sind. Trotz der damit verbundenen Lasten für den Landeshaushalt sehen wir hier mittel- bis langfristig Potenzial. Eine weitere potenzielle Stärkung des Holzbaus sehen wir bei thermischen Verfahren. Damit können Holzarten mit schlechten Materialeigenschaften bereits heute so behandelt werden, dass sie ohne chemische Zusätze auch im Außenbereich einsetzbar sind. Auch lassen sich Holzschalungen als Wetterschutz – viele kennen es als Oberlausitzer Verschlag – regional und mit überschaubaren Kosten herstellen. Diese Anwendung bietet neben ästhetischen auch traditionelle Vorzüge und natürlich energetische Vorteile. Manchmal muss man nur in die Historie schauen und braucht den Holzbau hier nicht neu zu erfinden. Wenn wir von der Holznutzung der Zukunft reden, dann reden wir vom heutigen Waldbau. Was wir heute pflanzen, kommt erst viele Generationen später ins Sägewerk. Falsche Entscheidungen in der Gegenwart ersetzen den Holzimport von morgen, und der ist weder regional noch umwelt- oder klimafreundlich. Ich möchte auch hierzu ein kurzes Beispiel bringen: Um von der Erstaufforstung entsprechend der Forstrichtlinie Waldforst 2020 zu profitieren, muss der Waldbesitzer pauschal zwei Laubbaumarten pflanzen. Weiterhin muss ein Teil der Waldinnen- und Waldaußenränder mit Sträuchern, Wildobst oder Waldbaumarten begrünt werden. Naturfachlich ist dies durchaus wünschenswert. Für viele Kleinstwaldbesitzer ist das eine betriebswirtschaftliche Zumutung und geht am zukünftigen Bedarf leider vorbei. Bei der Ausgestaltung von Förderrichtlinien muss mehr darauf geachtet werden, dass Baumarten gezielt gefördert werden, die bei der Ernte auch marktgängig sein werden. Alles in allem halten wir den Bau von mehr Holzgebäuden in Sachsen für wünschenswert, aber realistisch gesehen – auch auf die Zukunft gerichtet – für eher begrenzt möglich. Die große Holzbaurevolution, die hier schon angesprochen worden ist, wird wohl ausbleiben und sich auf die fünf Prestigeprojekte bis 2024 beziehen. Trotzdem sollten wir die Möglichkeit zur Stärkung des Holzbaus nutzen. Mehr Forschung, um neue Anwendungsfelder für unser heimisches Holz zu erschließen, unterstützen wir natürlich sehr gerne. Wir sehen einige gute Ansätze im Antrag, aber die Schwerpunktsetzung ist nicht richtig: zu viel Wunschdenken, zu wenig Weitsicht. Wir wollen einen möglichst geschlossenen, modernen und effizienten Holzverarbeitungskreislauf in Sachsen, der von der Forstwirtschaft bis zur Bau- und Immobilienwirtschaft reicht. Das sehen wir in Ihrem Antrag nur teilweise. Wir werden uns bei der Abstimmung der Stimme enthalten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der AfD) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Kollege Hahn für die AfD-Fraktion. Ich sehe jetzt am Mikrofon 4 eine Kurzintervention von Herrn von Breitenbuch; bitte.
