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Thomas Löser

GRÜNE 16.12.2020 Sitzungen 7/19

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Holz begleitet uns Menschen seit 10 000 Jahren als treuer Begleiter, und Holz wird es auf der Erde noch in 10 000 Jahren geben. Neben Stein und Lehm ist Holz der älteste Baustoff der Welt und erst seit wenigen Jahrzehnten als Grundbaustoff aus der Mode gekommen. Bauen mit Holz ist jahrhundertelang bewährt. Es ist ökologisch. Es ist ein Fest für die Sinne. Holz sorgt für eine ausgeglichene Raumakustik. Holzoberflächen fassen sich angenehm an. Sie sehen schön aus. Sie altern würdevoll und nicht zuletzt: Frisches Bauholz riecht einfach herrlich. Die letzten Jahrzehnte hat Beton als Grundbaustoff Ziegel und Holz abgelöst. Für die Herstellung von Beton braucht es bekanntlich Zement. Wir wissen, dass Zementherstellung und -Verarbeitung weltweit für sage und schreibe 8 % des CO -Ausstoßes verantwortlich sind. Die Herstellung allein einer Tonne Zement verursacht 590 Kilogramm CO . Von den Unmengen an Kies, die für die Betonherstellung gebraucht werden und die allmählich eine knappe Ressource werden, haben wir noch nicht gesprochen. Wir haben ja mit dem Kieswerk in Söbrigen, elbaufwärts zwischen Dresden und Pillnitz, einen solchen Konfliktfall vor der Tür, wo mitten in der Kulturlandschaft Kies abgebaut werden soll. Bei dem uns vorgelegten Antrag geht es um einen Einstieg in das Thema: „Bauen mit Holz“. So wie es eine Energiewende und eine Verkehrswende hin zu klimafreundlichen Alternativen braucht, so braucht es auch eine Wende im Bauen. Holz, meine Damen und Herren, ist dabei ein Aspekt. Es ist ein nachwachsender Rohstoff. Er bindet CO , statt es zu verursachen. Es braucht weit weniger Energien, es zu verarbeiten, und unter der Voraussetzung, dass Hölzer verwendet werden, die aus Wäldern nahe dem Baustandort kommen und in der Region verarbeitet werden, ist Holz insgesamt ein konkurrenzloses, klimafreundliches Baumaterial. Die Bundesrepublik hat sich in vielen internationalen Verträgen verpflichtet, einen Beitrag zur CO -Eindämmung zu leisten, um die Folgen der Erderwärmung, die unsere Lebensräume und Lebensweise massiv bedrohen, zu begrenzen. Der Bausektor trägt in Deutschland und weltweit erheblich zur Emission von CO bei. Wie in allen anderen Sektoren müssen wir hierbei Einsparungen erzielen, um wenigstens die ohnehin nicht überambitionierten Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Dafür werden wir – das wird im Antrag so genannt und wurde bereits gesagt – ein Holzbau-Kompetenzzentrum einrichten. Wir müssen die gesetzlichen Bedingungen für den Holzbau in der Sächsischen Bauordnung verbessern und das Wissen und den Erfahrungsaustausch im Bereich des Holzbaus unterstützen. Zusätzlich sollen Vorschläge erarbeitet werden, wie die Verwendung von regional erzeugtem Holz in den sächsischen Förderrichtlinien unterstützt werden kann. Ich freue mich sehr, dass wir in Minister Schmidt einen ehrlich engagierten und interessierten Partner bei der Förderung des Holzbaus haben. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir fangen in Sachsen mit dem Thema Holzbau ja nicht bei null an. Wir haben hier seit Jahrhunderten eine Tradition des Fachwerkbaus und der wunderbaren Umgebindehäuser. Auch dieses Jahr hat die Stiftung Umgebindehäuser zwei wunderbare Sanierungen in der Lausitz – in Neugersdorf und in Niedercunnersdorf – mit dem Umgebindehauspreis 2020 geehrt. Die deutschlandweit tätige Interessengemeinschaft Bauernhaus hat dieses Jahr das Lausitzer Umgebindehaus besonders hervorgehoben. Wir waren in Sachsen vor einhundert Jahren mit der Holzbausiedlung in Niesky führend, was das Thema Holzbau in der Moderne anging. In der Weimarer Zeit wurde hier eine Werkssiedlung von über einhundert Gebäuden in Holzbauweise durch die Firma Christoph & Unmack auch durch den bekannten Architekten Konrad Wachsmann gebaut. Wir sollten an diese Tradition anknüpfen und Altes mit neuen Technologien verbinden. Es werden mittlerweile Holzbauten weltweit nicht nur als Werkhallen, Kitas, Schulen, sondern auch als Hochhäuser gebaut. Herr Flemming wies bereits darauf hin, dass in Wien dieses Haus mit 84 Metern – das ist nur kurz unterhalb der Grenze des Dresdner Rathausturmes – und 24 Geschossen gebaut wurde. In Leipzig-Lindenau gibt es das von der Baugemeinschaft Z8 errichtete viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus, welches 2019 auch den Architekturpreis des BDA Sachsen erhielt. Der wichtigste Punkt aber ist, dass wir als Freistaat mit gutem Beispiel vorangehen. Wir schlagen im Antrag daher vor, dass bis zum Ende der Legislatur mindestens fünf landeseigene Bauvorhaben exemplarisch als Holzbauten ausgeführt werden sollen. Da eine Vielfalt an Bauaufgaben vorhanden ist, sollten sich diese Projekte in Größe und Art möglichst unterscheiden. So kann der Freistaat mit Neubauten, Gebäudeerweiterungen und Modernisierungsvorhaben Vorbild für die Kommunen, aber auch für private Bauwillige sein. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe, ehrlich gesagt, auch schon ein ganz bestimmtes Bauvorhaben im Blick, das sich hervorragend eignen würde, dem zukunftsgerichteten Bauen mit Holz eine prominente Bühne zu bieten. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Das Rathaus in Dresden?) – Nein, nein. Warum bauen wir nicht das Auslagerungsquartier für das wichtigste Haus unserer Demokratie, nämlich des Sächsischen Landtags, hier direkt gegenüber aus sächsischem Holz? (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ach so!) Gleich in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserem üblichen Tagungs- und Arbeitsort könnte mitten in der Stadt ein modernes, umwelt- und klimafreundliches zukunftsweisendes Gebäude entstehen. Ich hörte, in der Baukommission wird darüber geredet. Der entsprechende Minister ist anwesend, und er hat gelächelt. (Heiterkeit bei den BÜNDNISGRÜNEN und den LINKEN – Rico Gebhardt, DIE LINKE: Der Minister lächelt!) Ich würde mich über Ihre Zustimmung dazu, aber zunächst erst einmal zu unserem Antrag freuen. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU und der SPD) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Vielen Dank an Thomas Löser von den BÜNDNISGRÜNEN. Jetzt für die SPD-Fraktion Volkmar Winkler, bitte.

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