Prof. Dr. Roland Wöller
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten – oder angesichts der Debatte besser – liebe Fußballfreunde! (Rico Gebhardt, DIE LINKE: … und Freundinnen!) Die Fraktion der LINKEN möchte über Fußball reden. Das ist schön. Auch ich rede – so wie viele – gern über Fußball. Aber wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, über Bundesligafußball ausgerechnet hier im Hohen Hause reden zu wollen? (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Andere wollen über die Bundesliga reden!) Sie alle wissen ganz genau, beim Profisport geht es ausschließlich um Leistung. Auch wenn Ihnen, Herr Gebhardt, dieses Wort nicht zu gefallen scheint – es ist so. (Heiterkeit und Beifall bei CDU und AfD) Deutscher Meister wird nun mal, wer die meisten Tore schießt und die beste Leistung auf den Rasen bringt oder, wie der 2003 verstorbene Spieler und Trainer Alfred Preißler sagte: „Entscheidend ist auf dem Platz.“ Jeder von uns weiß, dass das wirtschaftlich solventen Klubs leichter fällt, damit haben Sie durchaus recht, auch wenn Geld kein Freifahrtschein für Titel ist, wie einige internationale Beispiele zeigen. Nur zur Erinnerung: Fußball ist ein Spiel mit einem Ball, zwei Toren und 22 Spielern. Es gewinnt, wer die meisten Tore schießt. Wir nennen dies Wettbewerb, und der Wettbewerb hat klare Regeln. Natürlich kann man einwenden, dass gerade die Verteilung von Fernsehgeldern innerhalb der Ligen kleinere Klubs benachteiligt. Das ist aber ganz eindeutig ein Thema, das der Profifußball selbst lösen muss, und das hat nichts, aber auch gar nichts mit einer Ost-West-Thematik zu tun, meine Damen und Herren. Insofern frage ich mich: Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser Debatte? Was also soll der Ruf nach dem Staat, wenn wir über Profifußball reden? Dieser Ruf ist auch an anderer Stelle oft genug fehl am Platz, und hier wird er bizarr. Oder wie sollen wir uns das vorstellen? Sollen ostdeutsche Vereine am Anfang der Saison zehn Extrapunkte bekommen? Wollen Sie für ostdeutsche Teams die eigenen Tore kleiner machen, damit sie bessere Chancen haben? (Heiterkeit bei der CDU und der AfD) Wollen Sie Clubs aus Bayern oder Nordrhein-Westfalen verbieten, mit mehr als einer Mannschaft in der Bundesliga vertreten zu sein? Frau Tändler-Walenta, Sie haben hier die Vorstandszusammensetzung des Deutschen Fußballverbands kritisiert. Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland Koalitionsfreiheit. Der DFB ist ein eingetragener Verein. Es können sich Menschen zusammenschließen, und es gibt – darauf hatte ich gestern hingewiesen, offenbar etwas vergebens – die Autonomie des Sports. Der Sport entscheidet selbst darüber und der DFB entscheidet selbst darüber, wen er wie in den Vorstand wählt, und wenn es zwei Ostdeutsche sind, dann ist es so. Das kann man bedauern, aber es ist kein Thema der Politik. (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Doch!) Lassen Sie mich noch eines dazu sagen: Wenn man Ihrer Logik folgen würde, dann hieße das ja: Nach 30 Jahren deutsche Einheit ist DIE LINKE nicht über den Status einer ostdeutschen Regionalpartei hinausgekommen. (Vereinzelt Beifall bei der AfD) Ergo können Sie das kritisieren und sich hinstellen und sagen: „Die Demokratie ist Mist, und deshalb müssen wir die Regeln ändern.“ Nein, die Demokratie hat sich hervorragend bewährt, und deshalb wollen wir an ihr festhalten, und sie ist eine Erfolgsgeschichte für Gesamtdeutschland, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU und der AfD) Das zeigt, wie absurd Ihr Antrag ist. Von all dem einmal abgesehen: Wo waren Sie eigentlich, als wir vor mehr als einem Monat mit Red Bull Leipzig im Champions-League-Halbfinale mitgefiebert haben? Meine Vorredner haben es auch erwähnt: In Sachsen lebt etwa ein Zwanzigstel der deutschen Bevölkerung. Von 18 Erstligisten stellen wir einen, und der spielt, wie ich schon erwähnt habe, in der Champions League. Von 18 Zweitligisten stellen wir ebenfalls einen: Erzgebirge Aue. Der ist seit Jahren mit der mittelständischen Wirtschaft vor Ort fest verwurzelt und dadurch etabliert. Von 18 Drittligisten stellen wir sogar zwei, von denen der eine – FSV Zwickau – mit wenigen Mitteln, aber viel Engagement und Herzblut Beachtliches leistet. Der andere Verein – Dynamo Dresden – ist zwar vor Kurzem abgestiegen – was mir wie so vielen sehr wehgetan hat –; dieser hat aber in den vergangenen Jahren wirtschaftlich richtig gut gearbeitet und dadurch beste Aussichten auf baldige Rückkehr in die 2. Liga. Das wünschen wir uns alle. Kurzum: Die Lage des sächsischen Profifußballs ist keine schlechte, und darüber freue ich mich sehr. Ich sage es aber ganz deutlich: Auch, wenn dem nicht so wäre, ist finanzielle Unterstützung von Profiklubs oder regulierendes Eingreifen in den Ligabetrieb nicht Aufgabe staatlichen Handelns. Unabhängig vom politischen Willen Zweite Aktuelle Partnerschaft braucht Klimagerechtigkeit – Sachsens Antrag der Fraktion Das Wort ergreift für die einbringende Fraktion BÜNDNISGRÜNE Herr Dr. Gerber.
