Luise Neuhaus-Wartenberg
Ich weiß ganz genau, warum Sie mir diese Frage stellen. Ich bekenne mich auch als stellvertretende Vorsitzende des Fanverbands von RB Leipzig, und dazu hätte ich jetzt auch noch etwas gesagt. Wir können über RB Leipzig erst einmal sagen, was wir wollen. Wir können darüber diskutieren, ob das ein ostdeutscher Verein ist oder nicht. Wir würden eigentlich immer erklären: Das ist ein Verein, der im Osten ansässig ist. Ihm fehlt natürlich im Gegensatz zu beispielsweise Dynamo Dresden und FC Chemnitz die ostdeutsche Tradition; das ist richtig. Das Geld hat mit dem Osten überhaupt nichts zu tun; auch das ist richtig. Aber zeigen Sie mir den Verein gerade im Osten, in dem reines ostdeutsches Geld steckt. (André Barth, AfD: Sie stigmatisieren wieder!) – Nein, ich stigmatisiere gar niemanden. Auch mein Fraktionsvorsitzender hat niemanden stigmatisiert. Mein Fraktionsvorsitzender hat über seinen Verein geredet und gesagt: Aus dieser Perspektive ist klar, dass RB kein ostdeutscher Verein oder keine ostdeutsche Mannschaft ist. Zu RB: Ja, es stimmt, dass im Stadion – ich bin dort relativ häufig – bei Spielen ohne Verlängerung anderthalb Stunden und bei Spielen mit Verlängerung noch länger gefeiert wird und dass es den Leuten dort total gut geht. Dann schaue ich aber in meinen Fanverband und sehe – das ist eben das Spiegelbild, das ist das, was meine Kollegin meinte, und darüber reden wir im Osten –, dass dort Hermesboten unterwegs sind, die sich ehrenamtlich engagieren und die den Sommerurlaub gegen die Dauerkarte bei RB tauschen müssen. Das macht etwas mit dem Lebensgefühl, und das macht was mit Leuten, die zum Fußball gehen und sagen: Das ist meine Mannschaft. Aber der ganze Rest steht dann hintan. Natürlich ist das ständige Dankesagen an Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler total wichtig und richtig. Aber ganz ehrlich, alle die kleinen Sportvereine bei mir in Nordsachsen haben das Problem, dass viele Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler überaltert sind und es keinen Nachwuchs gibt. Damit ist klar, dass wir ganz genau hinsehen und aufpassen müssen, dass wir diese Form von Breitensport im ländlichen Raum aufrechterhalten können. Dort sind einfach keine jungen Leute mehr da, die sich kümmern. All das hat immer etwas mit einer Entwicklung von Fußball zu tun und tatsächlich auch mit einer Entwicklung von Sachsen, vom Osten. Alles andere zum Osten besprechen wir in der zweiten Aktuellen Debatte. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN)
