Luise Neuhaus-Wartenberg
Sehr geehrter Herr Präsident, vielen Dank. Eigentlich hatte ich mich dazu entschieden, nicht zu reden, und mache es jetzt doch. Denn bestimmte Aussagen kann man nicht so im Raum stehen lassen. Ich habe ein wirklich schwerwiegendes Problem mit dem Begriff „Jammerossi“. Sie verwenden ihn in einer Tour und unterstellen uns als Fraktion, dass wir genau dieses Gefühl bedienen würden. Ich bin gern dann ein Jammerossi, wenn dem zugrunde liegt, dass ich ganz bestimmte Probleme anspreche; und selbstverständlich gibt es Probleme. Na klar, und natürlich können wir uns gegenseitig immer erzählen, dass 30 Jahre deutsche Einheit eine totale, reine und vollständige Erfolgsgeschichte sind. Wenn aber die Bertelsmann Stiftung auf die Frage, wie sich vor 30 Jahren die Leute zur deutschen Einheit gefühlt haben, die Antwort bekommt, dass sich 83 % unfair behandelt gefühlt haben, dann müssen wir das doch zur Kenntnis nehmen. Das hat einen Nachhall, und der Nachhall besteht eben auch noch 30 Jahre danach. Den Fans ist es eben nicht egal, in welcher Liga ihre Vereine spielen. Die Fans wissen auch in Sachsen ganz genau, dass der Erfolg eines Vereins inzwischen grundsätzlich etwas mit Geld zu tun hat. Das muss man doch zur Kenntnis nehmen. Wenn ich mir dann den Osten und insbesondere Sachsen anschaue, dann muss ich erkennen, dass ganz bestimmte Vereine in ihrer Liga prinzipiell daran gescheitert sind, dass sie das Geld für den Aufstieg nicht hatten. Ich erinnere an Hansa Rostock. Peter-Michael Diestel ist Präsident von Hansa Rostock geworden. Was hat er damals gemacht? Er hat angefangen, Spieler einzukaufen, weil es gar nicht anders ging, und dann ist das Geld ausgegangen. Deswegen ist Hansa Rostock in der Liga, in der dieser Verein gerade spielt. Fußball hat auch grundsätzlich etwas mit Wirtschaftskraft zu tun. Wenn ich mir die Wirtschaftslandschaft in Sachsen anschaue, dann muss ich sehen, dass gerade auch im ländlichen Raum die Unternehmen, die so viel Geld hätten, dass sie einen Fußballverein sponsern könnten, einfach nicht vorhanden sind.
