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Marika Tändler-Walenta

Die Linke 01.10.2020 Sitzungen 7/15

Werter Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Am 19. Juli 1990 handelte der damalige DFB-Präsident mit dem Präsidenten des Deutschen Fußballverbandes der DDR die sogenannte DIE LINKE 21 Minuten, BÜNDNISGRÜNE 18 Minuten, SPD 15 Minuten, Staatsregierung 30 Minuten. Die Redezeiten der Fraktionen und der Staatsregierung können auf die Tagesordnungspunkte je nach Bedarf verteilt werden. Meine Damen und Herren! Der Tagesordnungspunkt 8, Kleine Anfragen, ist zu streichen. Ich sehe keine weiteren Änderungsvorschläge oder Widerspruch gegen die Tagesbestätigt. Meine Damen und Herren! Ich rufe auf Stunde selben Land und doch nicht in derselben fast ohne Chance zum Aufstieg! DIE LINKE braucht Menschenrechte, Europa Energiepolitik und Nord Stream 2 BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN neuen Aufbruch Ost: Mit Innovation, Gerechtigkeit für eine bessere Zukunft Fraktion SPD Die Verteilung der Gesamtredezeit der Fraktionen hat das Präsidium wie folgt vorgenommen: CDU 57 Minuten, AfD 45 Minuten, DIE LINKE 29 Minuten, BÜNDNISGRÜNE 26 Minuten, SPD 23 Minuten, Staatsregierung dreimal 10 Minuten, wenn gewünscht. Wir kommen nun zu Debatte doch nicht in derselben Liga: fast ohne Chance zum Aufstieg! DIE LINKE Sechs-plus-zwei-Formel aus. Diese trat dann zur Saison 1991/92 in Kraft und besagte im Kern, dass ganze zwei der immerhin 14 Vereine aus der DDR-Oberliga in die 1. Bundesliga aufgenommen werden. Sechs Vereine kamen in die 2. Bundesliga. Somit geriet die letzte Saison 1991/1992 der DDR-Oberliga zur Qualifikationsrunde. Danach schafften es nur wenige Vereine der letzten DDROberliga für einige Jahre in der 1. Bundesliga zu bleiben. Und da sprechen wir von namhaften Vereinen mit langer Tradition und großer Fanbasis. Diese Sechs-plus-zweiFormel war der erste Sargnagel für den ostdeutschen Fußball. Es folgte der Ausverkauf der Wendejahre, der eben auch vor dem Fußball nicht haltgemacht hat. Den Sportklubs und Betriebssportgemeinschaften, die jahrzehntelang von den Kombinaten, vom Staat, von Polizei und Armee finanziert wurden, war über Nacht das wirtschaftliche Fundament weggebrochen. Erfahrungen im Profi- und marktwirtschaftlichen Bereich fehlten. Und dann kamen sie, die Funktionäre und Profithaie aus dem Westen. (Demonstratives Bedauern bei der AfD) Merken Sie etwas? Merken Sie etwas? (Unruhe im Saal) Die Entwicklung des ostdeutschen Fußballs ist ein Spiegelbild der Entwicklung des gesamten Landes. (Beifall bei den LINKEN) Die Geschichte der Ostvereine könnte auch heißen: Wie der Markt den ostdeutschen Fußball abwickelte. Nicht in derselben Liga, dieses Bild trifft für den Osten in weiten Teilen immer noch zu. Leider, leider ist es zu spät, um die Ungerechtigkeiten, die den vielen Tausend Menschen im Zuge des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik widerfahren sind, 30 Jahre nach der Einheit zu heilen. (Zuruf des Abg. Jan Löffler, CDU) Es ist zu spät, die vielfältigen Gefühle und Erfahrungen der Herabsetzung, der Nichtwertschätzung und vor allem der Ungleichbehandlung zu entkräften. Ja, die letzten 30 Jahre sind vergangen und nicht mehr rückgängig zu machen. (Widerspruch bei der CDU und der AfD) Aber es ist nicht zu spät für eine ehrliche Bilanz, für die Fehlersuche, die der Ausgangspunkt sein kann für Annäherung und Versöhnung. Dabei hilft kein Gegeneinander, keine Abneigung oder Feindschaft. Es geht – wie im Fußball – um Teamspiel, um die sportliche Herausforderung, Probleme zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Daher haben wir eine sehr umfangreiche Große Anfrage eingereicht, um herauszufinden, wo Sachsen 30 Jahre nach der deutschen Einheit steht. Dabei muss es um gegenseitige Aufklärung und Versöhnung gehen, nicht um Verbitterung und nicht um Vorwürfe. (Zuruf des Staatsministers Thomas Schmidt) Das wichtigste Stichwort im Fußball wie auch außerhalb sind gerechte Chancen, denn in Ost wie West gibt es unheimlich viele ambitionierte, kreative, tatkräftige Menschen, die Ideen umsetzen und etwas verändern wollen. Nur die Rahmenbedingungen, die sie vorfinden, sind sehr verschieden. Das gilt für Fußballvereine wie für Wirtschaftsunternehmen und für jeden einzelnen Menschen, der heute im Osten lebt oder hier geboren wird. Vielleicht, ja vielleicht differenzieren die nächsten Generationen nicht mehr so stark zwischen Ost und West. Aber sie merken sehr wohl, dass in Ostdeutschland länger gearbeitet wird, dass hier weniger verdient wird, dass mehr Menschen von Arbeitslosigkeit und Armut bedroht sind; (Unruhe im Saal) und sie bemerken auch, dass die Oma bei gleicher Arbeit weniger Rente bekommt als im Westen. (Widerspruch von der CDU und der AfD) Auch in Spitzenpositionen sind Ostdeutsche rar vertreten. Die RBB-Doku „Wir Ostdeutschen“ – kleine Empfehlung, können Sie gern einmal anschauen – bringt das mit folgendem Satz auf den Punkt: Wenn ein Ostdeutscher einen Westdeutschen trifft, der nicht sein Verwandter ist, dann ist das sein Vermieter, sein Chef oder er steht vor Gericht. (Carsten Hütter, AfD: So ein Unsinn!) Nun kann man darüber schmunzeln, aber witzig ist das nicht. In den Spitzengremien der Rundfunkanstalten, der Rektorate der Hochschulen, in Forschungseinrichtungen, (Zurufe von der CDU: Thema! Hallo!) Justiz, Militär, an den Schaltstellen der öffentlichen Verwaltung sitzen viel weniger Ostdeutsche als angemessen. (Daniela Kuge, CDU: Fußball!) Nur etwa ein Viertel der hundert größten Ostunternehmen werden von Ostdeutschen geführt und stehen in deren Besitz. Und genauso gibt es zu wenig Ostvereine in den oberen Ligen. (Widerspruch von der CDU, der AfD, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Das alles macht etwas mit einer Gesellschaft. Es geht uns nicht ums Lamentieren. (Lachen bei der CDU und der AfD) Das hilft niemandem. (Sören Voigt, CDU, meldet sich zu einer Zwischenfrage.)

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