Wolf-Dietrich Rost
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die größte Bürgerbewegung im Freistaat Sachsen ist der Sport. Mehr als 676 000 Mitglieder sind in 4 447 Sportvereinen in Sachsen aktiv. Allein diese Zahlen zeigen schon, dass der Sport keine Kleinigkeit ist. Sport ist etwas Großartiges. Sporttreiben ist in den allermeisten Fällen etwas Gesundes. Es hält den Körper und den Geist fit. Wir wissen aus diversen Untersuchungen, dass regelmäßiges Sporttreiben das Herzkreislaufsystem stärkt und die Immunabwehr kräftigt. Doch damit nicht genug: Sport ist allgegenwärtig und findet in vielen Formen in unserer Gesellschaft jeden Tag statt: ob vom Schul- bis hin zum Seniorensport, vom Freizeit- bis hin zum Leistungs- bzw. Profisport. Er ist Bestandteil des öffentlichen und des privaten Lebens. Damit leistet der Sport einen unschätzbaren Beitrag zur Gesundheit und zur Persönlichkeitsentwicklung in unserer Gesellschaft. Wer selbst einmal in einer Fußball-, Handball- oder Basketballmannschaft gespielt hat, weiß, wovon ich rede. Der Sport ist einer unserer größten Motoren für gesellschaftlichen Zusammenhalt und auch ein wichtiger Partner von erfolgreicher Integration sowie Inklusion in unserer demokratischen Gesellschaft. Dies gilt für alle seine Bereiche, ganz gleich, ob es um den Breiten- und Leistungssport oder aber um den Behinderten- und Rehabilitationssport geht. Der Sport baut auf zahlreichen unterschiedlichen Säulen auf. Eine der wohl wichtigsten ist die Leistung vieler engagierter Menschen im Ehrenamt im Breitensport. (Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der Staatsregierung) Meine Damen und Herren! Deshalb haben wir uns in dieser Legislaturperiode die Angleichung der Übungsleiterpauschale an die Ehrenamtsförderung „Wir für Sachsen“ zum Ziel gesetzt. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Das ehrenamtliche Engagement im Sport ist die Garantie dafür, dass beispielweise an jedem Wochenende Tausende Sportler Wettkämpfen oder dem regulären Spielbetrieb nachgehen können. Meine Damen und Herren, dafür gilt allen Ehrenamtlichen im organisierten Sport unser herzlicher Dank. (Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der SPD – Beifall bei der Staatsregierung.) Aus diesen Veranstaltungen, bei denen unterschiedlichste Menschen entweder als Mannschaft Sport treiben oder auch miteinander wetteifern, schöpft er seine positive gesellschaftliche und integrative Kraft, die es zu stärken gilt. Der Sport vermittelt in der Breite der Gesellschaft elementare Werte, die dort erlernt und erprobt werden können. Das Miteinander, das Füreinander einstehen, das Befolgen von Regeln, faire Umgangsformen, die Verlässlichkeit oder auch der Mut, einmal voranzugehen, seien hierbei genannt. Außerdem setzt er ein Zeichen zur Gewaltprävention sowie gegen Diskriminierung und Rassismus. (Beifall bei der CDU) Der Breitensport hat aber nicht nur diese überaus positiven Eigenschaften, die ich gerade genannt habe. Er ist die Basis für jede Form des Spitzensports. Niemand wird als Spitzensportlerin oder Spitzensportler geboren. Vielmehr beginnt auch der größte Erfolg zumeist in einem örtlichen Sportverein. Der Breitensport und der Spitzensport ergänzen sich. Deshalb liegt uns beides am Herzen. Unsere Spitzensportler sind nicht nur für viele Menschen Vorbilder, sondern auch Botschafter für die sächsische Sportlandschaft. Daher möchten wir den Olympiastützpunkt Sachsen und die Bundesstützpunkte noch stärker unterstützen. Mit dem Sonderprogramm „Standorte des Spitzensports“ können wir gemeinsam mit dem Landessportbund den sächsischen Weg fortsetzen und gestalten. Ein besonderer Schatz sind in diesem Zusammenhang auch unsere Sportschulen im Freistaat Sachsen. Sie bilden das Fundament für den sportlichen Nachwuchs und den Erfolg. Es ist Teil der Verantwortung des Freistaates, unsere Spitzensportler nicht nur nach dem Motto „Höher, schneller, weiter“ zu betrachten, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie eine Perspektive neben bzw. nach der sportlichen Karriere haben. Damit Training, Wettbewerbe und später auch das Berufsleben unter einen Hut passen, schaffen wir duale Karrieremöglichkeiten. Die Profilquote war in diesem Zusammenhang immer ein wichtiges Thema für uns, um unseren Sportlerinnen und Sportlern neben dem Sport auch einen soliden Hochschuleinstieg für die eigene Weiterbildung zu ermöglichen. Ein gutes Beispiel neben anderen ist die vor wenigen Tagen getroffene Kooperationsvereinbarung zwischen der Westsächsischen Hochschule Zwickau und dem Olympiastützpunkt Sachsen, um den Sportlerinnen und Sportlern den Weg zum Hochschulabschluss zu erleichtern. Spitzensport ist eine sehr komplexe Herausforderung für den Körper. Die Zusammenhänge – etwa zwischen Training, Belastung und körperlicher Entwicklung – zu erkennen, ist wesentlich für ein gutes Ergebnis. Dazu ist Spitzensport auf wissenschaftliche Expertise angewiesen. Auch diese können wir im Freistaat Sachsen auf hohem Niveau vorweisen. Sachsen verfügt über eine hervorragende sportwissenschaftliche Kompetenz, die national und international eine hohe Anerkennung genießt. Mit der Sportwissenschaftlichen Fakultät und dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig sowie dem Institut für Angewandte Bewegungswissenschaften in Chemnitz sind wir hier sehr gut aufgestellt. Gerade an der Sportwissenschaftlichen Fakultät in Leipzig sollten wir die Tradition der akademischen Trainerausbildung weiterentwickeln und fördern. Im Zuge der gegenwärtigen Leistungssportreform in Deutschland stehen das Berufsbild Trainerin/Trainer und damit auch die Qualifikation des Nachwuchses für diesen Beruf in einem besonderen Fokus. Insofern besteht eine große Chance, die Möglichkeiten am Sportwissenschaftsstandort Leipzig positiv in die aktuellen Entwicklungen einzubringen. Sport und insbesondere Leistungssport sollten stets präventivmedizinisch begleitet werden, damit es nicht zu vermeidbaren Erkrankungen kommt. Aus diesem Grund ist ein präventivmedizinisches Netzwerk von großer Bedeutung. Wir unterstützen dieses Netzwerk ebenso wie die weitere Erforschung der Präventionsmedizin in Sachsen. Dies gilt besonders an den Sportschulstandorten in den Ballungsräumen Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie den Wintersportorten Altenberg, Klingenthal und Oberwiesenthal. Meine Damen und Herren! All diese Beispiele zeigen, dass im Bereich des Sports viele Räder ineinandergreifen müssen, damit es funktioniert. Ich habe bereits in meiner Rede zur Sportpolitik im Jahr 2017 im Sächsischen Landtag gesagt, dass die Sportförderung in Sachsen vorbildlich ist. Und ich bleibe dabei: Das gilt auch heute noch. Sie ist sogar im Vergleich zu anderen Bundesländern beispielgebend. Das Modell des Zuwendungsvertrages zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Landessportbund zur langfristigen und planbaren Förderung hat sich bewährt. In Sachsen werden im aktuellen Doppelhaushalt rund 48 Millionen Euro für die investive Sportförderung zur Erneuerung und Erhaltung von Sportstätten, zur Anschaffung von Großsportgeräten und für Einzelmaßnahmen bereitgestellt. Konsumtiv kommen noch einmal rund 58 Millionen Euro hinzu. Das ist eine solide Grundlage, mit der wir den organisierten Sport in Sachsen tatkräftig in seiner Weiterentwicklung begleiten. Zudem ist es gelungen, im Rahmen des Sofortprogrammes „Start 2020“ acht sächsische Kommunen und zwei Vereine mit rund 2 Millionen Euro zu fördern. Um beste Trainingsbedingungen für sportbegeisterte Sachsen zu bieten, unterstützen wir mit unserem Sofortprogramm die Instandhaltung und den Ausbau von Sportstätten. Dazu zählen unter anderem die Errichtung einer Trainingseishalle für den ETC Crimmitschau, die Sanierung der Laufbahn und der Weitsprunganlage in der Stadt Markranstädt sowie der Umbau von zwei Tennenplätzen zu Kunstrasenspielplätzen in Dresden. Mit der Evaluierung der Sportförderrichtlinie in der 6. Legislaturperiode des Sächsischen Landtags wurden die Bedingungen zur Förderung der Sanierung, der Modernisierung bzw. des Neubaus von Sportstätten im Bereich des Breitensports außerdem verbessert. Hierfür sind die Anhebung der Förderquote oder die Anerkennung von zweckgebundenen Spenden aus Eigenmittelersatz nur einige Beispiele. Bei aller Planung und Voraussicht und bei allem Willen, die Dinge zu gestalten, sind jedoch manche Ereignisse nicht vorhersehbar. In diesem Jahr musste sich der Sport – wie unsere gesamte Gesellschaft – einem neuen, unbekannten Gegner stellen. Mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie kam es zu großen Einschränkungen und Belastungen, die nicht nur den Staat sowie das öffentliche Leben, sondern auch den Sport besonders trafen. Quarantänen, Ausgangsbeschränkungen, gesperrte Sportanlagen, eingestellte Spielbetriebe, geschlossene Vereinsheime und leere Stadien haben die Bürgerbewegung Sport zu Jahresbeginn für einige Wochen fast vollständig zum Erliegen gebracht. Auch wenn sich die Situation in einigen Bereichen entspannt hat, gibt es immer noch große Herausforderungen. Das Innenministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund und der Vereinsinitiative „Teamsport Sachsen“ sehr schnell reagiert. Dafür gebührt dem Innenministerium und seinem Staatsminister ein herzliches Dankeschön! (Beifall bei der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Mit der Soforthilfe Sport in Höhe von 10 Millionen Euro Zuschüssen für die Vereine des Breitensports und 10 Millionen Euro Darlehen für den Bereich des Spitzensports wurde ein deutliches Zeichen der Unterstützung gesetzt. Dabei galt es, immer dann zu helfen, wenn die Existenzsicherung von Vereinen des Breitensports gefährdet war oder aber eine Liquiditätssicherung über Darlehen für Trägervereine, Sport- und Sportleiterschulen sowie Sportvereine und ausgegliederte Spielbetriebsabteilungen notwendig wurde. Ich wünsche mir, dass wir uns die Wirkung der Richtlinie über die Soforthilfe ganz genau anschauen. Möglicherweise ist angesichts der sich gerade wieder verstärkenden Unsicherheit aufgrund steigender Corona-Erkrankungen über eine Verlängerung nachzudenken. Dazu braucht es eine Evaluierung, bei der die Anmerkungen der Stadt- und Kreissportbünde des Freistaates Sachsen, mit denen wir uns seit April 2020 intensiv im Austausch befinden, berücksichtigt werden. Meine Damen und Herren! In den kommenden Wochen stehen nun – wie in jedem Ressort – auch im Bereich des Sports die Haushaltsverhandlungen für den nächsten Doppelhaushalt 2021/2022 an. In diesen Verhandlungen sollte es nach meiner Ansicht das Ziel sein, das hohe Niveau der Sportförderung im Freistaat Sachsen fortzuführen. Der Sport ist – wie am Anfang meiner Rede bereits erwähnt – als größte Bürgerbewegung Sachsens von herausragender Bedeutung für unsere Gesellschaft und in der aktuellen Situation auf unsere Unterstützung angewiesen. Sachsen ist Sportland und sollte es auch bleiben. Es liegt an uns, auch in Zukunft die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung)
