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Prof. Dr. Roland Wöller

30.09.2020 Sitzungen 7/14

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Sachsen ist Sportland. Internationale Wettkämpfe zeigen das immer wieder deutlich. Überwältigende 209 Goldmedaillen bei Olympischen und Paralympischen Sommer- und Winterspielen haben sächsische Athleten bislang nach Hause gebracht. Zum Beispiel die Olympiasiege von Christa Luding-Rothenburger und Jens Fiedler sind fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Ihre Leistungen und die vieler anderer haben dazu beigetragen, dass Sachsen eines der erfolgreichsten Bundesländer im Sommer- wie im Wintersport ist. Auch in der jüngsten Vergangenheit hat sich diese Position bestätigt. Bei den diesjährigen Europa- und Weltmeisterschaften gewannen unsere Spitzensportler insgesamt 15 Medaillen. Vier Sachsen konnten sich 2020 sogar zu Weltcupsiegern küren: zweimal Francesco Friedrich im Zweier- bzw. Viererbob, Stephanie Schneider im Zweierbob, Julia Taubitz im Rennrodeln und Nico Walther bei der WM in Altenberg mit Bronze. Der Sport hat auch wegen dieser Leistungen für viele in Sachsen eine immense emotionale Bedeutung. Wir freuen uns über Erfolge, und wir sind traurig, wenn es nicht so läuft. Ich finde diese Emotionen, die wir durch den Leistungssport erfahren, sehr bereichernd. Sie bewegen unser Land und sind für viele Ansporn, selbst aktiv zu sein. Spätestens jetzt zeigt sich: Sport ist weit mehr als Spitzensport. Zum Sport gehört vor allem auch der Breitensport, denn ohne Breite keine Spitze. Ich freue mich deshalb sehr, dass der Breitensport seit Jahren kontinuierlich wächst. Der Landessportbund ist mit seinen über 676 000 Mitgliedern in den knapp 4 500 Vereinen die größte Bürgerbewe-Eröffnung Redezeiten der Fraktionen und der Staatsregierung können je nach Bedarf auf die Tagesordnungspunkte verteilt werden. Ich sehe keine Änderungsvorschläge oder Widerspruch geist damit bestätigt. Ich rufe auf zum Thema: Der Sport im tragende Säule der Gesellschaft gung unseres Landes. Sicher hat daran auch der Zuwendungsvertrag mit dem Landessportbund einen Anteil. Er ist Basis jahrelanger und guter Zusammenarbeit zwischen dem LSB und der Staatsregierung und hat so vieles möglich gemacht. Ich danke an dieser Stelle dem gesamten Team um Landessportbundpräsident Ulrich Franzen für den stets intensiven und vor allem konstruktiven Austausch. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Meine Damen und Herren, wenn grob überschlagen jeder sechste Sachse in einem unserer fast 4 500 Vereine angemeldet ist, dann will das etwas heißen. Diese Zahlen zeigen mir vor allem: Sachsen kann Zusammenhalt. Schließlich ist Sport viel mehr, als möglichst lange möglichst schnell zu laufen oder möglichst viele Tore bei möglichst wenigen Gegentoren zu schießen. Sicher, gewinnen und besser werden sind elementare Dinge. Wer trainiert, hat Ziele, und wer spielt, freut sich über Turniersiege. Aber diese Dinge sind nicht alles. Zum einen wissen wir alle: Sport ist gut für die Gesundheit. Besonders für Heranwachsende ist Bewegung, und zwar viel Bewegung, elementar. Zum anderen – für mich ist dies der entscheidende Punkt – kämpft beim Sport nicht jeder für sich allein. Beim Sport ist man füreinander da, Sport schweißt zusammen, Sport verbindet. Sport fördert Werte, Teamgeist, Disziplin und Fairplay. Gerade in einer Zeit der gesellschaftlichen Polarisierung geht vom Sport die so notwendige Kraft des Zusammenhaltes aus. Vereine sind deshalb ein wichtiges Fundament unserer Gesellschaft und für viele ihrer Mitglieder eine zweite Familie geworden. Nicht selten ergeben sich aus Sportgruppen Freundschaften. Man unternimmt etwas gemeinsam, erreicht Ziele, geht durch Erfolg und Misserfolg. Aus gutem Grund unterstützen wir den sächsischen Sport finanziell nach Kräften, unter anderem direkt mit Mitteln für den Landessportbund und die Vereine. 29,6 Millionen Euro stehen dafür in diesem Jahr zur Verfügung. 28,7 Millionen Euro waren es 2019. Es sind Mittel, die in sehr unterschiedlichen Bereichen sehr dringend gebraucht werden; denn die konjunktive Förderung bildet ein breites Spektrum ab. Das geht bei der Vereins- und Talententwicklung los, umfasst Aufwandsentschädigungen sowie Ausund Fortbildungsmaßnahmen und reicht letztlich bis zur Durchführung von Sportveranstaltungen. Wir dürfen an dieser Stelle nicht nachlassen; das müssen uns die vielen Tausend, die den Sport in den Vereinen vor Ort am Leben erhalten, wert sein. Ich freue mich sehr, dass diese Wertschätzung in den letzten Jahren zugenommen hat. Mittlerweile hat der Sport auch haushalterisch den Stellenwert, den er verdient und den er braucht. Dafür möchte ich diesem Hohen Haus und Ihnen, meine Damen und Herren, herzlich danken. Waren es im Haushaltsjahr 2017/2018 etwa 47 Millionen Euro, so fördern wir 2019/ 2020 den Sport mit je 60 Millionen Euro pro Jahr. Das ist ein Rekordetat. Doch bei allen Erfolgen bleibt noch viel zu tun. Durch Corona ist die Situation in den Vereinen nicht einfacher geworden. Denn wer aktiv Sport treibt, ist in den meisten Sportarten auf eine moderne Sportstätte angewiesen. Allein in diesem Jahr stehen uns 24 Millionen Euro für den Bau und die Sanierung der Sportstätten zur Verfügung. 2019 waren es 23,1 Millionen Euro. Davon haben Vereine, Landkreise und Kommunen profitiert, die wiederum mit teils enormem Aufwand ihren Teil beitragen. Dafür meinen Dank an dieser Stelle. (Beifall bei der CDU und der SPD) Ja, es geht nur gemeinsam. Ich weiß, dass viele Kommunen und Vereine dennoch die Last nicht immer tragen können, um bestimmte Maßnahmen mitzufinanzieren. Hier ist erstens Kreativität gefragt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Schwimmhalle Freiberger Platz in Dresden. Während wir den Neubau über die klassische Sportförderung finanzieren konnten, lief die Sanierung über die Städtebauförderung. Zweitens ist die Anpassung der Sportförderrichtlinie eine unserer zentralen Aufgaben. Zwar haben wir bereits, wie Sie wissen, Regelungen vereinfacht und einheitliche Fördersätze von 50 % unabhängig vom Zuwendungsempfänger festgelegt; dennoch wollen wir künftig nicht nur die zuwendungsrechtlichen Regelungen noch stärker verschlanken, sondern auch den Fördersatz weiter erhöhen. Meine Damen und Herren, ich selbst habe mich in den letzten beiden Jahren an vielen Orten davon überzeugen können, was wir alles erreicht haben und was alles noch zu tun ist. Sowohl im kommunalen Rahmen als auch bei den Vereinsmaßnahmen möchte ich keinen Neubau, keine Sanierung hervorheben. Es waren etliche, und es sollen noch mehr werden. Natürlich waren wir auch im Hochleistungssport nicht untätig. Beispielsweise konnten wir in Altenberg das lang herbeigesehnte Leistungssportzentrum für Biathlon, Rodeln und Mountainbiking voranbringen; denn Top-Athleten brauchen Top-Bedingungen – aber nicht nur das. Sie brauchen auch eine Bühne. Sie brauchen sportliche Großereignisse. Nicht immer können Verbände und Organisationen diese in Eigenregie stemmen. In meinen Augen waren deshalb unsere Investitionen – wie etwa in die „Junioren-WM Ski nordisch“ in Oberwiesenthal – richtig und sinnvoll. Mir ist natürlich klar: Diese Förderung ist nicht immer ohne Widerspruch. Ich sage aber auch: Vor allem strukturschwache Regionen, in denen der Tourismus eine große Rolle spielt, leben auch und gerade von diesen Veranstaltungen. Meine Damen und Herren, wir tun deshalb in Sachsen gut daran, den Leistungssport auch weiterhin zu hegen und zu pflegen, erstens – darüber sprach ich –, indem wir unsere Vereine weiter zielgenau fördern und für eine starke Sportstätteninfrastruktur sorgen; zweitens, indem wir Spitzensportlern die Vereinbarkeit von beruflicher Ausbildung mit ihren sportlichen Zielen ermöglichen, hier ganz konkret über die Sportfördergruppe der sächsischen Polizei; drittens, indem wir weiterhin das bei uns beheimatete Institut für Angewandte Trainingswissenschaft IAT in Leipzig nach Kräften unterstützen. Vor Kurzem war ich selbst vor Ort, um mich mit den Verantwortlichen auszutauschen, und Fakt ist: Die Arbeit, die am IAT geleistet wird, hat eine bundesweite Bedeutung und kommt allen unseren Sportlern zugute. Ich freue mich deshalb, dass das Institut in den vergangenen Jahren mit 1,7 Millionen Euro, beispielsweise für Baumaßnahmen durch den Freistaat Sachsen, gefördert wurde. Richtig toll aber ist: Seit diesem Jahr beteiligen sich alle Bundesländer mit insgesamt 1,5 Millionen Euro jährlich für den Bereich des Nachwuchsleistungssports am IAT, und das in Leipzig und in Sachsen für ganz Deutschland. Diese Entscheidung konnte auf Initiative des Freistaates Sachsen auf der Sportministerkonferenz erreicht werden. Meine Damen und Herren! Wenn wir heute über Leistungssport sprechen, dann gehört natürlich auch die Leistungssportreform dazu. Die Sportpolitiker unter Ihnen wissen: Ziel der Reform war und ist, vor dem Hintergrund des Rückgangs deutscher Olympiamedaillen die Förderbereiche des Spitzen- und Nachwuchsleistungssports neu zu ordnen. Im Kern sind es zwei elementare Dinge: Erstens. Man sollte weggehen von einer Förderung, die auf vergangenen Erfolgen beruht, hin zu einer Förderung, die Potenziale analysiert. Zweitens sollte die Anzahl der Bundesstützpunkte verringert und damit die Struktur der Förderung konzentriert werden. Gerade dieser Punkt hat vielerorts Ängste ausgelöst, auch bei uns in Sachsen. Trotzdem oder gerade deshalb hat die Sächsische Staatsregierung den Reformprozess immer sehr aktiv unterstützt, nicht zuletzt in unserer Rolle als Vorsitzland im Ausschuss für Leistungssport. Zusammen mit dem LSB wollen wir die Sportartenvielfalt in unserer Heimat sichern, und zwar nicht durch Blockade, sondern durch aktive Mitgestaltung. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass manche vom „sächsischen Weg der Reform“ sprechen. Ich selbst war in diesem Zusammenhang vor einiger Zeit in Berlin. Was wir dort erreicht haben, ist der Fortbestand unserer Bundesstützpunkte im Wintersport, insbesondere der traditionsreichen Stützpunkte Biathlon in Altenberg sowie Eislaufen und Eisschnelllaufen in Chemnitz. Heute verfügt unser Freistaat über die vierthöchste Anzahl an Bundesstützpunkten in Deutschland. Außerdem konnten wir an strategisch ausgewählten Bundesstützpunkten – in Altenberg und Oberwiesenthal für Bob, Rodel und Skeleton, in Leipzig für Kanu-Slalom, in Oberwiesenthal und Klingenthal für Skisprung, Langlauf, Nordische Kombination und in Chemnitz für Turnen – hauptamtliche Bundesstützpunktleiter einsetzen. Auch bei den Olympiastützpunkten haben wir mit der Fusion der beiden bisherigen Stützpunkte Leipzig und Chemnitz-Dresden zum Olympiastützpunkt Sachsen ein, wie ich finde, gutes Ergebnis erzielt. Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle, dass im Zuge der Reform die Trainingssportstättenförderung, das heißt, die Mittel für die Bewirtschaftung der Sportstätten, deutlich erhöht wurden. Das kommt vor allem den Kommunen als Träger der Sportstätten zugute. Sachsen stehen in diesem Bereich nun rund doppelt so viele Fördermittel zur Verfügung wie vor der Reform. Meine Damen und Herren! Corona hält nicht nur Deutschland und die Welt in Atem, sondern auch den Sport in Sachsen. Vor allem in den ersten Wochen der Pandemie ist uns bewusst geworden, wie sehr uns der Sport fehlt. Nicht nur an erster Stelle waren das volle Fußballstadien oder Großereignisse im Fernsehen. Viel bedeutsamer war die erzwungene Pause für das Vereinsleben. Fakt ist: Für den Sportbetrieb in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen galten ab dem 19. März 2020 gravierende Einschränkungen. Ausnahmen konnten nur in besonders begründeten Einzelfällen für Kaderathleten durch mein Haus genehmigt werden. An dieser Stelle danke ich den Verantwortlichen vom Olympiastützpunkt Sachsen, die dafür eine zentrale Koordinierungsfunktion eingenommen haben. Heute ist die Situation wieder eine andere. Wir haben die Beschränkungen schrittweise lockern können. Mittlerweile dürfen sogar wieder Fans in die Stadien, weil es das Infektionsgeschehen hergibt. Bis jetzt kann man sagen, dass die Konzepte aufgehen. Natürlich wissen wir alle: Sollte sich die Situation wieder verschärfen, müssen diese Lockerungen auf den Prüfstand, so wie am vergangenen Wochenende beim Spiel von Erzgebirge Aue. Wir werden weiterhin sehr genau abwägen, was geht und was nicht. So oder so wird es sehr auf die Disziplin der Menschen ankommen, ob die Pandemie nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch den Sport lahmlegen kann. Niemand von uns kann das wollen; denn für sehr viele Menschen waren die Beschränkungen im Sport ein tiefer Einschnitt. Ich erinnere mich vor diesem Hintergrund an einen Beitrag des Deutschlandfunks vor einiger Zeit. Darin ging es darum, was der Ausfall von Sportangeboten im Behindertensport für Folgen hatte. Gerade Menschen mit Beeinträchtigungen leiden, wenn ihre Tagesabläufe durcheinanderkommen, wenn Betätigungsmöglichkeiten und Gemeinschaftserlebnisse, die sie oft im Sport finden, wegbrechen. Mir hat das noch einmal vor Augen geführt, wie wertvoll der organisierte Sport für uns ist und wie wichtig es bleibt, ihn gut zu pflegen und zu fördern. Auch während der Corona-Zeit haben wir diese Pflege ernst genommen. Sachsen war das erste Bundesland mit einer eigenen Richtlinie zur Unterstützung des Sports in schwerer Zeit. Unser Hilfspaket in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro – 10 Millionen Euro für Darlehen und 10 Millionen Euro als Zuschüsse für Existenzsicherung für die kleineren und auch die größeren Vereine – hat die schlimmsten Folgen abgefedert. Wir wussten: Doppelt hilft, wer schnell hilft. Dass andere Bundesländer sich an unserer Richtlinie orientiert haben, zeigt ihre Zielgenauigkeit. Darüber hinaus haben wir noch während der Krise zwölf besondere Vorhaben aus dem Landesprogramm „Start 2020“ auf den Weg gebracht. Sie konnten alle bis zum 9. April dieses Jahres bewilligt werden und befinden sich aktuell in der Umsetzung. Ich danke allen, die daran mitgearbeitet haben. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Meine Damen und Herren! Wir wollen den Sport in dieser für uns alle schwierigen Zeit weiter bestmöglich unterstützen. Besonders in der Krise gilt es, zusammenzustehen, auch und gerade, weil der Sport einen Schatz in sich birgt, auf den ich noch nicht zu sprechen gekommen bin. Sachsen ist ein reiches Bundesland, wenn wir uns nur anschauen, wie viele Ehrenamtliche es bei uns gibt. In Sachsen sind es allein im Sport mehr als 82 500 Engagierte, die in den Vereinen alles am Laufen halten. Darunter finden wir 38 000 Übungsleiter und Trainer, 28 000 Amtsträger in Wahlfunktionen sowie 16 500 Kampf- und Schiedsrichter und die unzähligen freiwilligen Helfer – die Vereinsfeste nicht mitgezählt. Mit vielen von ihnen habe ich während der Corona-Pandemie gesprochen. Ihr Einsatz zeichnet ein Bild der Solidarität, der bürgerlichen Verantwortung und des Zusammenhalts. Dieses Bild ist gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und Verunsicherung von immensem Wert; denn Ehrenamt und freiwilliges Engagement machen den Kern einer aktiven Bürger- und Zivilgesellschaft aus, einer Gesellschaft, die zusammensteht. Wir alle wissen, dass wir nicht mehr als 676 000 Menschen in unseren fast 4 500 Vereinen hätten, wenn es niemanden gäbe, der dort alles zusammenhält. Sie sind es, die, egal ob in Dresden, Chemnitz oder Leipzig, im Vogtland, in der Oberlausitz oder im Erzgebirge, handeln, anstatt zu reden, die nicht immer gleich fragen, was für sie dabei herauskommt, die zeigen, Gemeinwohl schlägt Eigennutz. Sie setzen sich dafür ein, dass in den Sportvereinen Werte wie Fairness, Disziplin, Leistung und Toleranz gelebt werden. Sie wollen, dass ihre Kinder und Jugendlichen lernen, auf andere achtzugeben, sich auch mal durchzusetzen, für eine Sache zu kämpfen und im Team zusammenzuarbeiten. Meine Damen und Herren! Für ihren Einsatz sage ich allen Ehrenamtlichen – nicht nur im Namen der Sächsischen Staatsregierung, sondern auch persönlich – meinen ausdrücklichen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Schon lange setzen wir uns dafür ein, dass das Ehrenamt im Sport eine höhere Aufmerksamkeit und höhere Anerkennung findet. Seit 25 Jahren vergeben wir die Auszeichnung „Joker im Ehrenamt“ und wir organisieren jährlich eine Veranstaltung zur Übergabe der Sportplakette des Bundespräsidenten an über 100-jährige Sportvereine. Dass es bei der Würdigung nicht bleibt, zeigt die Entwicklung der Übungsleiterpauschale. Wir wissen, die Qualität des Vereinssports steht und fällt oftmals mit der Qualifizierung seiner Trainer. Aus gutem Grund haben wir uns darauf verständigt, die Übungsleiterpauschale an die Ehrenamtsförderung des Programms „Wir für Sachsen“ anzugleichen. Wurden in den zurückliegenden Jahren noch 250 Euro für jeden Übungsleiter pro Jahr gezahlt, so liegen wir 2019/2020 bereits bei 350 Euro. Die weitere Anhebung bleibt das Ziel der Staatsregierung und auch mein persönliches Ziel. (Vereinzelt Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Meine Damen und Herren! Wenn wir darüber sprechen, den Sport zu fördern, Sportstätten zu bauen oder die Arbeit von Übungsleitern besser zu würdigen, dann wollen wir immer auch bedenken, dass es eine ganze Menge ist, was der Sport für alle tut, zum Beispiel die Inklusion Beeinträchtigter. Der Para- oder Behindertensport gehört genauso dazu wie die Integrationskraft des Sports. Zunächst zur Inklusion. Generell bin ich sehr froh, dass sich das Bild vom Parasport in den letzten Jahrzehnten so stark gewandelt hat. Immer mehr Menschen sind Worte wie Goalball oder Rollstuhlrugby ein Begriff. Mit mittlerweile 43 000 Mitgliedern in fast 280 Vereinen ist der Sächsische Behindertensportverband einer der mitgliederstärksten Landesfachverbände im LSB – und einer mit großer Strahlkraft. Wer sich beim Para-Snowboarding auf die Piste traut, wer sehbehindert in der Loipe um Sekunden kämpft, der ist mehr als nur ein toller Sportler. Diesen Einsatz zu würdigen und für die besonderen Ansprüche geeignete Sportstätten zur Verfügung zu stellen, ist in meinen Augen eine Selbstverständlichkeit. Wir sehen mittlerweile an vielen Orten, wie viel Fahrstühle, ein spezielles Wegesystem und andere Dinge ausmachen können. Aber es gibt weiterhin viel zu tun. Ganz konkret geht es um barrierefreie Zugänge, um behindertengerechte Toiletten und Umkleiden, um ausreichend breite Türen oder um gute Beleuchtung. Die Praxis zeigt eindeutig: Wo all das vorhanden ist, können Behinderte Teil der Sportbewegung sein. Doch nicht nur in der Inklusion, sondern auch bei der Integration zeigt der Sport seine Kraft. Nicht umsonst heißt es doch: Es gibt zwei Sprachen, die alle Menschen weltweit sprechen und auch weltweit verstehen: Sport und Musik. Gerade im Mannschaftssport gelingt es oft leicht, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen. Aus gutem Grund wurde bereits im Oktober 2015 gemeinsam mit dem LSB ein Konzept erarbeitet, das Teilnahmemöglichkeiten für Flüchtlinge am organisierten Sport unterstützen soll. 500 000 Euro pro Jahr stellen wir für den LSB zur Verfügung. Viele Projekte sind seitdem angelaufen, und eines unterstütze ich ganz persönlich. Als zentral erwiesen haben sich vor allem die Konzepte der Stützpunktvereine und Starthelfer, denen an dieser Stelle mein Dank gilt. Meine Damen und Herren! Ob im Leistungssport, bei der Unterstützung des Ehrenamtes oder durch den Bau moderner Sportstätten – unser Engagement für den Sport hat auch das Ziel, das Zusammenwachsen in unserer Gesellschaft zu fördern. Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht. Wir konnten viele Dinge umsetzen, die den Menschen im Land sehr wichtig sind. Gleichzeitig haben wir aber auch noch viel vor. Ich denke zum Beispiel an die Schwimmhallensituation in Leipzig, wo der Neubau am Otto-Runki-Platz vorangebracht werden muss, oder an den Um- und Ausbau des Dresdner Heinz-Steyer-Stadions gleich nebenan. Ich denke auch an unzählige weitere Vorhaben, die für den Sport elementar sind. Sie alle stehen vor dem Hintergrund der Covid-19- Pandemie, die den organisierten Sport und vor allem die Vereine stark mitgenommen hat. Umso wichtiger ist jetzt ein klares Signal, dass wir unsere starke Sportförderung auch in den nächsten Jahren fortführen werden. (Beifall bei der CDU) Sport ist so viel mehr als nur Bewegung, Sport ist Miteinander. Ich denke, jeder kann das unterschreiben. Dieses Miteinander wird zurzeit auf eine harte Probe gestellt. An den Rändern der Gesellschaft wächst die Ablehnung, während auch in der Mitte Risse offensichtlich werden. Uns muss klar sein, dass der Sport allein die Risse nicht kitten und die Fliehkräfte nicht neutralisieren kann. Sehr wohl aber kann der Sport Gräben überwinden und Menschen zusammenbringen. Das geht aber nur, wenn wir dem Sport in Zukunft Raum und Möglichkeiten geben, sich zu entfalten. Das fängt bei der Würdigung der Menschen an, die sich für ihn engagieren – ob als Leistungssportler oder als Helfer im Verein –, und es hört beim Ausbau unserer Sportförderung nicht auf. Wer vor diesem Hintergrund mit uns gemeinsam das Sportland Sachsen weiter voranbringen will, der ist dazu herzlich eingeladen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung)

Protokoll ↗