Valentin Lippmann
Er sagt Bullshit, Herr Minister!) Herr Dr. Weigand und Frau Penz haben offensichtlich die drei Zettel „Mathematik“, „Corona“ und „Politische Bildung“ gezogen. Dann lautete der Auftrag: Macht mal was draus! Sie haben daraus zwar etwas gemacht, aber so richtig geworden ist es dann doch nichts. Schade! (Dr. Rolf Weigand, AfD: Das sagen Sie!) Sie haben in den beiden Redebeiträgen gerade eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass nicht allzu viel Substanz dahinter war. Das aber nur am Rande. Vielleicht sollten Sie überlegen, wie Sie in Zukunft diese Anträge gestalten; das obliegt selbstverständlich Ihnen. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Arroganz kommt vor dem Fall!) Richtig ist aber, dass aufgrund der Corona-bedingten Schließung und der Einschränkung des Regelbetriebs an den Schulen die Lehrpläne in diesem Schuljahr nicht vollständig umgesetzt werden konnten. Die Schulen analysieren jetzt, welche Lerninhalte in welchen Unterrichtsfächern nicht oder nicht hinreichend behandelt werden konnten. Auf dieser Grundlage werden Stoffverteilungspläne für das kommende Schuljahr erstellt. Ziel ist es, diese Defizite schrittweise im Laufe des Schuljahres 2020/2021 zu kompensieren. Genau das, Herr Dr. Weigand – da haben Sie offensichtlich nicht ganz zugehört –, habe ich bereits im Schulausschuss ausführlich erläutert. Ich habe auch deutlich gemacht, dass die Sommerschule allenfalls ein zusätzliches Angebot ist, dass aber das Hauptaugenmerk der Schulen darauf gerichtet sein muss, diese Defizite für das kommende Schuljahr zu analysieren. Das läuft seit mindestens vier Wochen an den Schulen; darum haben wir sie nämlich gebeten. Es gilt dann, sich auf das kommende Schuljahr gut vorzubereiten, diese Defizite abzuarbeiten, und deshalb werden sich Schulen dafür entscheiden, Angebote in den Sommerferien zu unterbreiten. Aber es werden sich Schulen auch dagegen entscheiden, weil sie – aus unterschiedlichen Gründen – sagen: Wir werden das im kommenden Schuljahr mit unseren Schülern durchgehen. Beides hat seine Berechtigung. Genau so haben wir das auch gewollt. Eine einseitige Erhöhung des Unterrichtsanteils in einzelnen Fächern ist aus unserer Sicht nicht zielführend, denn die Defizite betreffen grundsätzlich alle Fächer. Wenn Sie an einer Stelle die Stoffmenge erhöhen, vergrößern sich die Lücken an anderer Stelle. Wir wissen sehr wohl, dass die häusliche Lernzeit den regulären Unterricht nur teilweise ersetzen kann. Selbstständig komplexe mathematische Sachverhalte zu erarbeiten, stellt für Schülerinnen und Schüler ohne Zweifel eine große Herausforderung dar; nicht alle können diese gleichermaßen bewältigen. Aber die Ausprägung mathematischer Kompetenzen erfordert auch umfangreiche Übungs- und Trainingsphasen, die durchaus in pädagogisch gesteuerter häuslicher Lernzeit erfolgen können. Gesellschaftswissenschaftliche Fächer erfordern dagegen stärker den Diskurs, die Diskussion zu gesellschaftlichen oder politischen Themen – gerade dieser Aspekt ist in rein häuslicher Lernzeit nur bedingt leistbar. Frau Kollegin Leithoff hat schon richtig darauf hingewiesen: Wir haben uns in den Zeiten des eingeschränkten Regelbetriebs vor allen Dingen auf die so genannten Kernfächer fokussiert – auch wenn dieser Begriff eigentlich falsch ist. Dabei geben Schulen durchaus die Rückmeldung, dass gerade in Fächern wie Mathematik, Deutsch oder Fremdsprachen in den kleineren Klassen in den letzten Wochen durchaus beachtenswerte Lernerfolge erzielt werden konnten. Auch vor diesem Hintergrund ist Ihr Antrag mehr als fraglich, weil er die Realität an den Schulen nur sehr begrenzt darstellt bzw. nahezu komplett negiert. Gute Bildung – das will ich ganz deutlich sagen – heißt im Freistaat Sachsen vor allem ganzheitliche Bildung. Dazu zählt selbstverständlich auch das Verständnis von gesellschaftlichen Zusammenhängen, um nicht Gefahr zu laufen, populistischem und extremistischem Gedankengut aufzusitzen. Politische Bildung und Werteorientierung im schulischen Kontext sind daher keine Kür, die man mal eben so wegdrücken kann, sondern selbstverständlich Pflichtaufgabe im schulischen Alltag. Meine Damen und Herren! Die Bildung in den sogenannten MINT-Fächern hat in Sachsen nun wahrlich an allen Schularten traditionell einen hohen Stellenwert. Der Anteil dieser Fächer an der Stundentafel beträgt circa ein Drittel der Wochenstunden. Damit stehen wir im bundesweitem Vergleich in der Spitzengruppe aller Länder. Sie wissen auch, dass unsere Schüler in den nationalen Vergleichsstudien immer eine Spitzenposition belegen. Die Weiterentwicklung der mathematischen Kompetenzen bleibt ohne Zweifel eine wichtige Aufgabe. In Sachsen sind wir mit den Fachberatern dabei, das immer weiter fortzuführen. Dies geschieht vor allem durch Angebote der schulinternen Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer. Hier setzen wir an und eben gerade nicht an einer Änderung des Unterrichtsumfangs. Eine Änderung der Stundentafel der Lehrpläne ist weder notwendig, noch wäre sie in der gegenwärtigen Situation umsetzbar; denn an Stundentafeln müssten dann auch Lehrpläne angepasst werden. Das ist kein Prozess, den man von jetzt auf gleich macht. Zusätzliche Unruhe und Belastungen können unsere Schulen im Moment nun wahrlich nicht gebrauchen. Was unsere Schüler und Schülerinnen brauchen, ist regulärer Unterricht und die direkte Interaktion mit den Lehrern in allen Fächern. Deswegen haben wir eher als alle anderen Bundesländer die Schulen wieder geöffnet. Es liegt jetzt an uns, in der Verantwortung von uns Erwachsenen, weiterhin achtsam zu sein, damit Regelbetrieb an den Schulen im neuen Schuljahr möglich ist. Das ist gegenwärtig die wichtigste Maxime, um gute Bildung zu gewährleisten, gute Bildung in allen Fächern. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD)
