Dr. Rolf Weigand
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Jetzt haben Sie sich erst einmal an dem Antrag schön ausgetobt. Herzlichen Glückwunsch dazu! Frau Leithoff, Sie haben gesagt, dass die Digitalisierung in der Phase des Schulausfalls super geklappt hat. Kommen Sie einmal zu mir in die Gemeinde nach Großschirma und Reichenbach. Da gibt es kein schnelles Internet. Hat echt gut geklappt, die Information zu den Schülern zu bekommen. (Zuruf der Abg. Susan Leithoff, CDU) Aber Gott sei Dank macht die CDU gute Politik für dieses Land. Herzlichen Glückwunsch dazu! (Beifall bei der AfD – Zurufe von der CDU) Sie haben gesagt, dass Sie auf die Sommerschulen setzen. Die Sommerschulen sind für mich der falsche Weg, weil sie eben die Kinder erreichen, die jetzt sowieso an der Bildung teilgenommen haben. Die Kinder aus sozial prekären Verhältnissen, die abgehängt sind, werden wir mit den Sommerschulen nicht erreichen. Mich haben schon die ersten Eltern aus Sachsen kontaktiert und gesagt, dass an ihrer Schule keine Sommerschule stattfindet. Nach den Sommerferien werden wir vernünftig abfragen, wie der aktuelle Stand dazu ist. Das wird es nicht bringen. Wir haben einen Antrag eingebracht – Frau Neuhaus-Wartenberg, darin haben Sie recht – „Wissenslücke schließen“, weil wir es verbindlich machen wollen. In der Zeitung war zu lesen, dass Herr Piwarz den Lehrern als Hausaufgabe mitgibt, über die Ferien herauszubekommen, wie der Wissensstand bei den Schülern ist. Wie sollen sie es herausbekommen, wenn manche Schulen keine Sommerschule durchführen? Was passiert denn, wenn ein Lehrer oder ein Schüler die Schule wechselt? (Zuruf des Staatsministers Christian Piwarz) Wie machen wir es denn dann? Dann haben wir keine Information zum Wissensstand des Schülers. Der ist dann eventuell abgehängt. Das ist das Problem. Das wollten wir schon im Ausschuss einbringen. Aber das haben Sie damals abgelehnt. (Zuruf des Staatsministers Christian Piwarz) Frau Friedel, Sie meinen, dass ein Lehrer in den unteren Stufen keine Mathematik lehren kann. Ich bin dafür, dass ein grundständig ausgebildeter Lehrer vor jeder Klasse steht. Aber wir haben jetzt eine Ausnahmesituation, in der wochenlang Unterricht ausgefallen ist. Ich weiß nicht, ob es Ihre Kompetenz übersteigt, den Kindern in Klasse 5 etwas zu Rechtecken, Würfeln und Flächen beizubringen. (Zuruf der Abg. Sabine Friedel, SPD) Wenn Sie meinen, dass das ein Lehrer, der an der Oberschule unterrichtet, nicht schafft, dann haben wir wirklich ein Problem mit der Lehrerausbildung in Sachsen, meine Damen und Herren. Da haben Sie sich selbst gerade demaskiert. (Beifall bei der AfD) Dass der Lehrplan oder die Stundenpläne jetzt überarbeitet werden sollen, fällt ja auch nicht vom Himmel. Das sehen auch die Eltern so. Der Landeselternrat hat eine Umfrage gestartet, an der 14 000 Eltern teilgenommen haben. Dabei lautete die Frage: Was wäre aus Ihrer Sicht die sinnvollste Lösung, um den Unterrichtsstoff aufzuholen? (Zuruf der Abg. Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE) 58 % der Eltern, die den Heimunterricht mit ihren Kindern zu Hause miterlebt und gesehen haben, wo Defizite sind, sind für eine Überarbeitung des Lehrplans. Genau das fordert unser Antrag. Sie können ja einmal eine Umfrage machen, Frau Melcher, wie viele Eltern denn die politische Bildung, die übrigens überwiegend fächerübergreifend stattfindet – – Sie sind ja in Umfragen so gut! Sie haben ja gestern die Zwischenfrage gestellt, dass Sie gern eine Umfrage zur Binnendifferenzierung hätten. Ich habe einmal recherchiert: Es ging nur um das Thema längeres gemeinsames Lernen. Sie sollten aufhören, in diesem Hohen Haus hier Ihre grünen Fake News zu verbreiten, meine Damen und Herren! (Beifall bei der AfD) Wir können ja einmal prüfen, was in der politischen Bildung fächerübergreifend stattfindet, welche Schlagworte das sind. Dann stelle ich Ihnen einmal Fragen dazu, was ich mir darunter vorstelle, was man thematisieren könnte und was vielleicht Sie thematisieren. Schlagworte dazu sind beispielsweise Toleranz. (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Ja!) Wird dabei besprochen, wie tolerant unsere Gesellschaft gegenüber linkem, rechtem oder islamistischem Terrorismus ist? Oder wie tolerant wir gegenüber Gästen bei Fehlverhalten sind? Dann könnte man thematisieren: Wenn ich mich zu Hause falsch verhalten, wenn ich Gäste habe, wie ich damit umgehe und wie ich das auf die große Politik ausweite, wie es jetzt beispielsweise auch in Löbau passiert ist. (Geert Mackenroth, CDU: Es geht da um Fehlverhalten im Klassenverband!) Genau das könnte man zum Thema Toleranz auch mit hineinnehmen, das machen Sie aber nie. Sie machen sich immer nur eine bunte Welt, wo alles heil ist – das ist der Fehler daran. Das zweite Thema Globalisierung: Das hat in den letzten Wochen ja sehr gut geklappt mit der Medikamentenversorgung, meine Damen und Herren. Wird dabei auch thematisiert, wie Kobalt in Afrika durch Kinder abgebaut wird oder wie wir Raubbau in Bolivien machen, um Lithium zu gewinnen, damit wir mit beidem unsere Elektromobilität stemmen können? Wird das da thematisiert? Das wäre ein wichtiger Punkt; bringen Sie es dort mit hinein! (Zurufe der Abg. Valentin Lippmann, BÜNDNISGRÜNE, und Geert Mackenroth, CDU) Dritter Punkt, Nachhaltigkeit: Das sollte man ergänzen durch den Punkt Ressourcenschonung. Durch Innovation Prozesse optimieren – ja, damit gewinnen Sie mich. Wegwerfgesellschaft thematisieren – ja, damit gewinnen Sie mich. Durch regionale Produkte regionale Kreisläufe ankurbeln ist beispielsweise sinnvoll. Frau NeuhausWartenberg, Sie haben sich gut erinnert: Wir haben den Schulgarten hier als Idee, um sie den Schülern im ländlichen Raum näherzubringen. (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Mit der deutschen Kartoffel!) – Genau, um ihnen die deutsche Kartoffel näherzubringen. Dazu kann ich Ihnen sagen: Meine Sorte „Goldmarie“ gedeiht zu Hause wunderbar. Das ist eine wunderschöne Sache. Ich habe sogar ein Experiment mit meinen Kindern gemacht und drei Töpfe genommen mit Mist – mit Pferdemist und mit Kuhmist. Da können wir ihnen gleich erzählen, was da eingebracht wird und wie wichtig das ist, dass der Bauer die Felder düngt, meine Damen und Herren! (Beifall bei der AfD – Lachen und Zurufe bei den LINKEN) Aber beim Thema Nachhaltigkeit bitte keine Klimahysterie! Zum vierten Punkt, zu den Kompetenzen: Bei den Kompetenzen ist Ihnen ja auch immer ganz wichtig – und da frage ich mich, wie wir komplexe Prozesse mathematisch-naturwissenschaftlich verstehen können, wenn wir die Kompetenzen dazu haben, das alles zu lesen. Also ich kann für einen Hochtemperaturprozess noch eine Wärmebilanz machen. Wenn ich es aber nicht am Computer, sondern händisch mit den Studenten mache und dann nur an der Größenordnung etwas ändere – beispielsweise von Kilojoule in Kilokalorien – und diese etwas umrechnen müssen, dann sehe ich manchmal ganz große Fragezeichen in deren Köpfen. Das ist genau das, was Frau Penz sagt. Sie kommt aus dem Handwerk und sieht, was hier in diesem Bildungsland passiert ist. Nehmen Sie doch einfach mal die Wahrheit an! Wir müssen an diesem Bildungssystem etwas ändern und gerade die derzeitige Phase nutzen, um diese Lücken zu schließen. Genau das will unser Antrag. (Beifall bei der AfD) Zum letzten Punkt, der so typisch und in der politischen Bildung fächerübergreifend festzustellen ist: Wir positionieren uns in jedem Satz. Das erinnert mich an ein Zitat von Walter Ulbricht aus dem Jahre 1945: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen es alles in der Hand haben.“ (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, wer ist denn da so unterwegs? Sie haben es ja im Schulgesetz stehen: „Gute Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Institutionen und gesellschaftlichen Partnern“. Es gibt ja Projekte aus dem „Weltoffenen Sachsen“, die auch an Schulen gefördert werden, zum Beispiel Projekte wie „Weiße Teammitglieder sind sich ihrer Privilegien bewusst“ oder „Weiß sein als Privileg“. Dazu ist mir diese Tage – ich denke, Herr Dierks hat diesbezüglich einige Aufgaben – ein Poster der CDU-Jugendorganisation Junge Union Chemnitz in die Augen gefallen, wo es heißt: „Mama, macht mich meine weiße Hautfarbe böse?“ Im Kontext dieses Projekts sehen Sie das offenbar kritisch. Daher steht darunter auch: „Gegen identitätspolitischen Unsinn von links!“ Sie haben vorhin unsere JA angegriffen – ich glaube, Sie haben im eigenen Laden noch ziemlich viel aufzuräumen, wenn Sie sich treu bleiben wollen, meine Damen und Herren! Aber deutscher Erfindergeist basiert eben nicht auf Ideologie, sondern auf handfester Mathematik und den Naturwissenschaften. Verschleudern wir nicht das, was wir haben: unser Bestes, das ist die Bildung, es sind die Reserven in den Köpfen unserer Kinder. Deshalb fordern wir Sie auf, in Sachsen zum Normalbetrieb im Bereich der politischen Bildung fächerübergreifend zurückzukommen, damit wir die Fächer Mathematik und Naturwissenschaften im kommenden Schuljahr stärken können und damit wir diese Wissenslücke, die hier entstanden ist, schließen, damit wir wieder zu guter Bildung in diesem Land zurückkehren. Stimmen Sie daher unserem Antrag zu! Vielen Dank. (Beifall bei der AfD)
