Rico Gebhardt
Und Sie wissen genau, was die Sachsen wollen!) – Herr Gebhardt, schauen Sie sich einmal die Umfragen an. Wenn Sie das machen, würden Sie vielleicht herausbekommen, was die Sachsen wollen. Ihr Modell – das habe ich Ihnen schon in der vorigen Runde gesagt – wurde mit den Wahlergebnissen anscheinend überzeugend abgewählt. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Das Zweite, was wir mit unserer Technischen Oberschule wollen, ist eine verbindliche Bildungsempfehlung nach der 8. Klasse. Auch wir sagen, dass die Entscheidung für das Gymnasium nach der 4. Klasse zu früh ist. Da wird von den Eltern Druck ausgeübt, indem sie sagen: „Du musst jetzt unbedingt aufs Gymnasium gehen.“ Das soll später erfolgen, aber mit einem hohen Niveau: Notendurchschnitt 1,5 in Deutsch, in Mathe und in der ersten Fremdsprache sowie in den Naturwissenschaften, um auch den Akademisierungswahn in diesem Land zu beenden und gleichzeitig Durchlässigkeit zu ermöglichen. Die Anforderungen an die anderen Abschlüsse in der Haupt- und der Realschule bleiben bestehen. Drittens. Wesentlich ist es – es kommt ja aus dem Namen „Technische Oberschule“. –, den Fokus verstärkt auf Naturwissenschaften und die technisch-praktische Ausrichtung zu legen. Bei unserem Schulmodell, so wie wir es uns vorstellen, wollen wir weniger Gemeinschaftskunde und dafür wieder mehr Mathe und Naturwissenschaften; also alles das, was Sie in den letzten Jahren weggestrichen haben. Das wollen wir wieder machen und einfach das Bildungsniveau erhöhen. Gleichzeitig wollen wir mit den regionalen Unternehmen stärker zusammenarbeiten, damit die Schüler ab der 7. Klasse, zum Beispiel einmal im Monat oder einmal im Quartal, für mehrere Tage in die regionalen Betriebe eintauchen, damit sie diese kennenlernen und sehen, was es für tolle Unternehmen gibt, in denen sie später vielleicht einmal etwas werden können und wo sie – vielleicht gerade im ländlichen Raum, der von der Landwirtschaft geprägt ist – auch sehen: Mensch, der Landwirt das ist ja gar nicht der dumme Bauer, da ist richtig viel Digitalisierung drin. Das ist mir letztes Jahr bewusst geworden, als ich selbst in einige Betriebe eingetaucht bin. Ich war einen Tag in der Landwirtschaft und durfte dann zum Schluss Traktor fahren, habe Heuballen gepresst und gesehen, wie viel Digitalisierung da drin ist. Das müssen wir doch unseren Schülern zeigen, wie toll die Unternehmen sind. Und der schlechte Schüler, der sich vielleicht demotiviert fühlt, wird sehen und sich sagen: Ich habe goldene Hände, gehe darin auf. Diesen Schüler motivieren Sie wieder zu Höchstleistungen, und so schaffen wir gute Bildung in diesem Land. (Beifall bei der AfD) Ich denke, unsere vier Forderungen sind nicht so schlecht: erstens längeres gemeinsames Lernen bis zur 8. Klasse anstatt bis zur 4. Klasse, zweitens leistungsbezogener Unterricht, um die Schüler optimal zu fördern, drittens eine verbindliche Bildungsempfehlung mit einem Notendurchschnitt von 1,5, um dieser Überakademisierung entgegenzuwirken, und viertens eine technisch-praktische Ausrichtung, um das Handwerk und den Mittelstand zu stärken. (Beifall bei der AfD) Deswegen bitte ich Sie dann später, wenn wir unsere Vorschläge eingebracht haben – ich werde dann noch ein paar Worte dazu sagen –, um Zustimmung. Sie werden sehen, wir werden von dem Begriff „Technische Oberschule“ abweichen, weil es um die Sache geht. Es geht um gute Bildung für dieses Land. Dafür setzen wir uns ein. (Beifall bei der AfD) Was sagen denn die Experten zu unserem Konzept? Wie sind denn die Anhörungen dazu ausgegangen? Bisher habe ich kaum etwas aus den Anhörungen gehört. (Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Lassen Sie mich dazu einige Zitate bringen, unter anderem von Herrn Dr. Burchardt, Bildungsexperte aus NRW. Er sagte: „Innere Differenzierung“ – so wie es der Volkantrag will: schwache, mittelstarke und starke Schüler; alle in einer Klasse – „verunmöglicht aber den Klassenunterricht in einer Gruppe mit einer festen Lehrperson. Die Lehrkraft wird zum Lernbegleiter. […] Das Konzept ist gescheitert.“ Auch Herr Hörrmann, seit 44 Jahren Lehrer in Sachsen, sieht das ähnlich. Er sagte in der Anhörung: „Ich kann in einem Klassenraum nur bedingt binnendifferenzieren; wenn das Niveau sehr weit auseinandergeht“, wird es schwer. Auch Herr Weichelt vom sächsischen Lehrerverband sieht das ähnlich. Er sagte: „Ich bin jetzt 30 Jahre Lehrer, und aus der Erfahrung von Lehrerinnen und Lehrern, die tagtäglich in der Praxis gesammelt werden, lässt sich sehr klar ableiten, dass die favorisierte Binnendifferenzierung“ mit allen Schülern in der Klasse „im Unterricht in der Realität tagtäglich an ihre Grenzen stößt.“ Zweiter Vizepräsident André Wendt: Herr Dr. Weigand, gestatten Sie eine Zwischenfrage?
