Wolfram Günther
Das Gute ist, dass es zu jedem Thema eine differenzierte Betrachtung und dass es eine Vielfalt gibt. In einem Nationalpark, in dem es darum geht, dass Natur sich selbst überlassen bleibt, und das vor allem konsequent in der Kernzone, ist die Frage beantwortet, was man dort tut. Im Übrigen kann man einmal einen Blick auf nicht sehr weit entfernte Regionen werfen, etwa den Bayerischen Wald. Die haben das alles durch und auf den Flächen ein hervorragendes Waldbild, das sich dort eingestellt hat. Nur können wir das, was wir in relativ kleinem Maße in einem Nationalpark in der Kernzone machen – Natur hilft sich langfristig selbst –, leider nicht großflächig tun. Ich habe gerade ausgeführt, dass der Wald eine ganze Reihe von Funktionen hat und wir es uns nicht erlauben können, großflächig auf die Waldfunktionen zu verzichten, etwa als Wasserspeicher, ökologische Funktionen oder Tourismus. Wenn wir alle sagen, das ist uns egal, und in 30, 40 Jahren steht überall wieder ein Wald, auch ein standortgerechter, dann halten wir dort eben einmal 30, 40 Jahre ohne diese Standortbedingungen aus. Glücklicherweise ist es auch nicht so – noch nicht einmal im Nationalpark –, dass er uns flächig abhandenkommen wird; denn auch dort gibt es viele Bestände, die sehr gesunde Mischwaldbestände sind. Deshalb geht es hier um ein flächenmäßig sehr kleines Problem, das aber eigentlich keines ist, sondern bei dem wir sagen: Genau das soll dort in der Natur auch passieren. Was ist der Mehrbedarf? Wir haben Kostensteigerungen für die Holzernte. Das ist relativ klar. Vertragsunternehmen – das ist Marktwirtschaft – werden bei steigender Nachfrage teurer. Auch die Arbeiten im Wald sind komplizierter, weil wir noch die Sturmschäden haben. Dort ist nicht so leicht hineinzumarschieren wie unter normalen Umständen. Wir haben durch die Masse der Arbeiten für zusätzliche Wegeinstandsetzungen zu sorgen. Wir müssen neue Forsttechnik beschaffen, um überhaupt dieser Mengen Herr zu werden, diese Schadholzmengen herauszuholen. Weil wir überall viel genauer hinschauen müssen als in normalen Zeiten, müssen wir ein intensiveres Waldschutzmonitoring machen und auf den Flächen den Waldumbau vorantreiben, sodass dort, wo die Altbäume oft altersklassenweit Nadelholzreinbestände umfassen, schon etwas da ist, damit wir die Waldfunktionen haben. Auch diese Verjüngungsflächen sind eine riesige Herausforderung. Das Ganze braucht mehr Personal; denn wenn man in der Fläche auf einmal viel mehr macht und die ganze Zeit als Staatsbetrieb sehr solide gehaushaltet hat und sehr an der Grenze von dem war, was man personell bei diesen Aufgaben zur Verfügung hat, kommt man jetzt darüber hinaus. Im Übrigen haben wir auch hier die erweiterte technische Hilfe im Privatwald, die wir abdecken, die auch größer und intensiver geworden ist als vorher. Das heißt, wir haben nicht nur Einnahmenausfälle, sondern sehr plausibel diese zusätzlichen Aufwendungen. Was haben wir deshalb im Gesetzentwurf? Was machen wir mit diesen knapp 52 Millionen Euro? Es geht um die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes. Das können wir als Eigentümer nicht anders beschließen. Es geht aber insbesondere darum, dass sich der Sachsenforst nicht nur um seinen eigenen Wald kümmert, sondern er hat auch öffentliche Aufgaben und nicht nur die in den Waldfunktionen, sondern etwa auch Beratung und Betreuung privater und körperschaftlicher Waldbesitzer. Er ist nicht nur Eigenbetrieb, sondern hat genau dort öffentliche Aufgaben. Er bearbeitet und bewilligt die Förderanträge des Privat- und Körperschaftswaldes. Auch das sollte er, glaube ich, schaffen können. Er kümmert sich maßgeblich um die Berufsausbildung zu Forstwirten, Forstinspektoranwärtern, Forstreferendaren – all das, was allen nützt, auch den privaten und Körperschaftswaldeigentümern, und Forschung, Naturschutz. All das findet dort statt. Im Übrigen sind in diesen knapp 52 Millionen Euro allein 2 Millionen Euro für erweiterte technische Hilfe für den Privatwald ausgewiesen. All die anderen Beratungsleistungen, Personal – weil eine Person oft mehrere Dinge macht –, kann man nicht so genau kalkulieren. Deshalb ist diese Zahl – ungefähr 30 % – nicht so weit hergeholt. Weil im Moment der Holzmarkt so ist, wie er ist, ist unser Sachsenforst auf diese Zuweisungen angewiesen. Im Übrigen haben wir da auch eine gesetzliche Verpflichtung, nämlich § 16 Sächsisches Waldgesetz, die ordnungsgemäße Forstwirtschaft, die von uns verlangt wird. Genau die müssen wir gewährleisten wie alle anderen Waldbesitzer auch. Daher rührt die Pflicht zur Bekämpfung etwa von Borkenkäfern. Weil immer die Frage kommt, wieso nicht der Privatwald: Ich habe schon ausgeführt, dass in diesem Geld ein riesiger Anteil steckt, der den privaten und den Körperschaftswaldbesitzern zugutekommt. Das muss man noch einmal klarstellen. Man kann sich immer noch einmal hinstellen und sagen, das wäre nicht so. Diese Behauptung stimmt einfach nicht. Dazu kommen jetzt auch noch hohe Nachfragen, kostenlose Beratungsleistungen. Wir haben 2019 durch den Sachsenforst circa 17 000 Beratungsgespräche abgedeckt, und allein im I. Quartal dieses Jahres waren es schon über 5 000 Beratungen. Wir haben Fortbildungsveranstaltungen für die Waldbesitzer zu diesem Thema, wie sie damit klarkommen: Waldschutz, klimagerechte Wiederbewaldung. 2019 haben wir 181 Schulungen durchgeführt. Das ist nicht wenig. Wir unterstützen die privaten Waldeigentümer beim Verkauf ihres Schadholzes. Dazu gibt es mit dem Sachsenforst Rahmenverträge. Wir übernehmen teilweise die komplette Vermarktung für sie. Wir kompensieren auch finanzielle Mehraufwendungen im Rahmen der GRK-Mittel. Von Mitte 2019 bis Ende Mai 2020 sind bereits 6,2 Millionen Euro Fördermittel für die Beseitigung von Extremwetterfolgen geflossen, und circa 2 600 Anträge wurden eingereicht – nur, um einmal die Dimension zu nennen, wie viele private Waldeigentümer Geld bekommen haben, und vielleicht auch ein kleiner Eindruck, was es für den Sachsenforst für ein Aufwand ist, das alles abzuarbeiten. Wir haben es schon angesprochen, wir passen gerade die „Förderrichtlinie Wald und Forst“, die sogenannte WuF, an und werden dort künftig auch die natürliche Verjüngung fördern, sodass ich nicht mehr aktiv aufforsten muss, sondern diesen natürlichen Prozessen Raum geben kann, wobei wir – Kollege von Breitenbuch hat es schon angesprochen – die Wildbestände im Blick behalten müssen, damit das funktioniert und wir am Ende nicht nur den Zaun bezahlen. Es wurde auch angesprochen, dass es um Waldinnen- und Waldaußenränder sowie Biotope geht, weil der Wald mehrere Funktionen, zum Beispiel auch eine ökologische Funktion hat. Waldrandfunktionen sind sehr groß, aber vielleicht auch dazu noch einmal zur Klarstellung: Wenn man eine Richtlinie erarbeitet und in die Verbändebeteiligung geht, muss man darauf achten, dass man dann auch Rückmeldungen bekommt. In dieser Phase befinden wir uns jetzt. Wir schauen uns die Rückmeldungen, die wir bekommen werden, ganz genau an. Wir werden übrigens auch Eigenleistungen von Waldbesitzern förderfähig machen: Pflanzungen, Zaunbau, Kulturpflege. Auch das ist eine deutlich größere Unterstützung als bisher. Es wird immer nach Entbürokratisierung gerufen. Wir vereinfachen das gesamte Förderverfahren, weil wir jetzt nach Festbeträgen abrechnen. Auch dazu habe ich von den privaten Waldeigentümern schon viele Rückmeldungen bekommen, dass sie das für sehr gute Ideen halten. Dazu kommt noch das gesamte Angebot an technischer Hilfe, bei dem wir als Sachsenforst die Technik und das Personal vorhalten, um mit der Borkenkäferbekämpfung zu beginnen. Pro Jahr werden knapp 30 Millionen Euro explizit für die privaten Waldbesitzer zur Verfügung gestellt. Der Sachsenforst allein hat sehr viele Mittel, die wir nicht kalkulieren können. Von daher muss man sagen, mit diesem Fonds, den wir jetzt auflegen, retten wir diese Funktionen, (Zuruf von der AfD) kommen wir unserer Verantwortung als Eigentümer dieses Betriebes nach und unterstützen vielfach auch die privaten Waldeigentümer. Die anderen Dinge, wie etwa „WuF“ laufen auch nebenher. Hier wird keiner vergessen, weil der Wald keine Grenzen kennt und wir den Wald in diesem Land insgesamt brauchen. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU und der SPD)
