Valentin Lippmann
Na was denn nun?) – Hören Sie einfach mal zu! Es ist, glaube ich, auch für Sie interessant. (Zurufe der Abg. Dr. Stephan Meyer, CDU, Rico Gebhardt, DIE LINKE, und Sabine Friedel, SPD) Die Einsamen, die Müden, die an Leib und Seele Frierenden, die, die Sehnsucht haben nach Menschen, die, bei denen im Auge Kerzenschein anfängt zu glänzen, aber auch die, die Behaglichkeit wollen, die nach einem Tag voll Arbeit dem Alltagsstress entrinnen wollen, sind herzlich willkommen in Tausenden von Lokalen, um Sorgen zu vergessen und sich zu erlahmen; doch derzeit für alle jene, die für Behaglichkeit bekannten Orte, bei denen, wo sich treffen Familien, Freunde und Verwandte, ist verwehrt das Altbekannte. Dort, wo sonst das Leben blühte, wo Gemeinschaft noch was zählt, ist jetzt die Zeit der letzten Stunde, wenn sich nicht sofort was dreht. (Zuruf des Abg. Dr. Stephan Meyer, CDU) Ein letztes Mal schließe ich die Tür und bete noch einmal zu Gott: Herr, schenk dem Kretschmer ein Gewissen, sonst bin ich nämlich morgen bankrott. (Zurufe der Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE, und Sabine Friedel, SPD) Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich spreche heute nicht nur als Abgeordneter des 7. Sächsischen Landtags zu Ihnen, ich spreche auch vertretend für alle Gastronomieund Hotellerie-Betriebe des Freistaates Sachsen. (Zurufe von der CDU, den LINKEN, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Als gelernter Koch und Gastronom erlebe ich jeden Tag die Sorgen und Nöte in den Gaststätten und Restaurants, speziell in unserem Land. Seit nunmehr mehreren Wochen müssen die Gastronomiebetriebe und Veranstalter im Tourismussektor um ihre Existenzgrundlage, um ihren Betrieb bangen, weil sie ihn geschlossen halten müssen; was jeden Tag bedrohlichere Ausmaße annimmt. Auch unser Familienbetrieb, der seit dem Jahr 1906 so manches Hoch und Tief erlebt hat, kommt an seine finanzielle Belastungsgrenze. Schon die für den Tourismussektor wichtigen Feiertage im Jahr – in dem Fall die Osterfeiertage – sind verloren. Der 1. Mai, Muttertag und Himmelfahrt sollen folgen. (Zurufe von der CDU) Noch nie musste unser Familienbetrieb in über hundertjähriger Betriebszeit geschlossen werden, noch nie gab es Osterfeiertage, an denen nicht Hunderte Gäste im Biergarten und im Gastraum gesessen haben. (Zurufe von der CDU und der SPD) Noch nie war die Ungewissheit im Unternehmen so groß, wie und wann es überhaupt weitergeht. Noch nie war die Tourismusbranche in ihrer Existenz so bedroht wie heute. (Beifall bei der AfD) Sehr geehrte Kollegen, die Tourismuswirtschaft in Deutschland umfasst mit circa 4 000 Reiseunternehmen, circa 10 000 Reisebüros und mehr als 220 000 Betrieben im Gastgewerbe, drei Millionen direkt und 1,2 Millionen indirekt schaffenden Menschen einen Wirtschaftskreislauf, welcher am Laufen gehalten werden muss. Das sind beeindruckende Zahlen, wenn man die wirtschaftliche Bankrotterklärung der Regierung für den Tourismus sieht, weil die Betriebe der Tourismuswirtschaft noch knapp einen Monat geschlossen bleiben müssen – Ausgang offen. Ein Sprichwort besagt: Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun, meine Damen und Herren auf den Regierungsplätzen. (Sören Voigt, CDU, steht am Mikrofon.) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Herr Kumpf, lassen Sie eine Zwischenfrage zu?
