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Sabine Friedel

SPD 30.01.2020 Sitzungen 7/6

Vielen Dank. Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch ich will mich mit dem Antrag der AfD-Fraktion auseinandersetzen. Er hat mehrere Beschlusspunkte. Im ersten möchten Sie, dass der Landtag etwas feststellt. Der Landtag soll feststellen, dass dem Schulgartenunterricht eine besondere Bedeutung bei der Ernährungs- und Umwelterziehung und bei der Entwicklung von Heimatgefühl zukommt. Ich glaube, da sind wir gar nicht so weit auseinander, wie Sie möglicherweise denken. Natürlich hat der Schulgarten eine besondere Bedeutung, gemeinsam mit anderen Fächern, aber auch gemeinsam mit anderen Möglichkeiten, die hier schon genannt worden sind, um Umwelterziehung und Ernährungsbildung durchzuführen. Mit Heimatgefühl verbinde ich eher etwas, das mit Wärme, Liebe und Geborgenheit zu tun hat, weniger mit Hacke und Spaten. Aber, das ist egal. Sie meinen wahrscheinlich das, was bei uns im Schulgesetz unter dem Begriff „Ehrfurcht vor allem Lebendigen“ gefasst ist. Natürlich kann ein Schulgarten auch dazu dienen, wie andere Möglichkeiten im Unterricht auch, jungen Menschen die Ehrfurcht vor allem Lebendigen vor Augen zu führen. Deshalb sind Schulgärten wichtig. Ich denke, darin sind wir einer Meinung. Das Schöne ist, dass wir in Sachsen sehr viele Schulgärten haben. Der Wettbewerb ist angesprochen worden. Er ist im elften Jahr. Jedes Jahr werden zehn Schulgärten prämiert. Es bewerben sich zumeist 30, 40, 50. Sie können selbst rechnen. Wenn wir in Sachsen Schulen haben, an denen es keinen Schulgarten gibt, dann hat das oftmals gute Gründe. Wenn wir im ländlichen Raum sind, gibt es Schulen, die mit dem Hof nebenan kooperieren. Beim Bauern um die Ecke können Kinder ganz andere Erfahrungen machen. Es gibt Städte, in denen die Schulträger dafür gesorgt haben, dass es beispielsweise eine Kooperation mit der Kleingartensparte gibt. Da wird eine Parzelle gemietet. Diese verschiedenen Modelle tragen dazu bei, den guten Effekt zu erzielen, den auch Sie im Schulgartenunterricht sehen und den ich nicht weiter ausführen muss, weil meine Kolleginnen und Kollegen darauf eingegangen sind. Das, was Ihr Antrag im zweiten Teil will, ist etwas, wovor ich Angst habe. Das hat gar nichts mit Ihnen und Ihrer Ideologie zu tun. Sie wollen, dass das Kultusministerium die genaue Anzahl und den Zustand aller sächsischen Schulgärten erfasst. Bitte nicht! Wir haben über 1 300 Schulen in Sachsen. Wenn auch nur die Hälfte einen Schulgarten hat und wenn nur die Hälfte dieser Schulgärten größer ist als 50 Quadratmeter und Sie wirklich den Zustand all dieser Schulgärten in Listen erfasst haben wollen, dann habe ich große Sorge, dass wir das Kultusministerium mit Dingen beschäftigen, die nun wirklich nicht zur Verbesserung der Unterrichtsqualität beitragen. Dann wollen Sie, dass auf der Grundlage der so ermittelten Zahlen ein Konzept zur flächendeckenden Ausstattung und Unterhaltung von Schulgärten erstellt wird. Wir sollen also von Landesebene aus steuern, wie die Schulgärten bewirtschaftet werden. Bitte nicht! Um Gottes willen! Ich bin sehr froh, dass wir unseren Lehrkräften zumuten, aber auch zutrauen, dass sie sich selbst um Inhalte und Qualität des Unterrichts kümmern. Natürlich ist es die Aufgabe der Schulaufsicht, sie dabei zu unterstützen, zu begleiten und Anregungen zu geben. All dies ist hier bereits aufgezählt worden, und all dies passiert. Aber die Kontrollwut, diese Steuerungsfantasie, die aus diesem Antrag spricht, ist es, was mich meinen Leuten empfehlen lässt, zu sagen: Lasst uns so etwas bitte nicht beschließen. Bitte keine sachsenweite Pflanzenzählung, bitte keine AfD-Zwangsbeglückung! Der Ministerpräsident hat gestern von Selbstwirksamkeitserfahrungen gesprochen, und das, was wir möchten, ist: Wir wollen den Schulen die Gelegenheit geben, noch mehr solcher Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen. Sie sollen ein pädagogisches Budget bekommen, mit dem sie viel stärker in Eigenverantwortung Mittel einsetzen können, um Kindern nachhaltige und reichhaltige Lernerfahrungen zu bieten. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Vielen Dank, Frau Friedel. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich könnte Ihnen jetzt eine zweite Rederunde anbieten. Wird dafür Bedarf angemeldet? – Das erkenne ich nicht. Damit übergebe ich an die Staatsregierung; Herr Staatsminister Piwarz, bitte schön.

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